White Label Robo Advisor: Wichtige Anbieter

Übersicht Anbieter Robo Advisor White Label
Firma WWW B2C B2B B2B B2B B2B Referenzen Kontakt
* nur Volks- und Raiffeisenbanken
** nur für Sparkassen
               
    eigener Robo Advisor Co-Branding White Label Standard White Label ind. Individuell   Email
elinvar www. N ja ja ja ja Knapp Voith E Mail
Growney www. ja ja ja ja ja Signal Iduna E Mail
Investify www. ja ja N N N Haspa E Mail
Scalable www. ja ja ja ja N KSW E Mail
Meininvest* www. N ja ja N N Hannoversche Volksbank E Mail
VWD www. N n ja ja ja kA E Mail
Weadvise www. N N ja ja ja Jung, DMS & Cie E Mail
Fintego www. ja ja ja N N Wüstenrot E Mail
Bevestor** www. kA kA kA kA kA kA kA
fintechcube www. N N ja ja ja dje E Mail
United Signals www. N N N N ja kA E Mail

White Label Robo Advisor

Robo Advisor – Labelling

Ein Überblick über die Kooperationsformen zwischen Robo-Anbietern und Vermögensverwaltern.

Vermögensverwaltungen sind so unterschiedlich wie kaum eine andere Dienstleistergruppe. Sie haben unterschiedliche Größen und Anlagestrategien. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Depotbanken und Brokern zusammen, bewegen sich in unterschiedlichen Anlagegebieten und bedienen ganz unterschiedliche Kunden. Kaum verwunderlich, dass sie auch beim Thema digitale Vermögensverwaltung nicht über einen Kamm zu scheren sind und an ihren Robo Advisor individuelle Anforderungen stellen.

Auf der anderen Seite formiert sich gerade eine Gruppe, die Robo Advisor für Vermögensverwaltungen im Angebot hat, zwar noch klein und überschaubar ist, aber die Möglichkeiten der digitalen Vermögensverwaltung ausspielen und die ganze Breite der möglichen Zusammenarbeit mit ihren Kunden, den Vermögensverwaltern, abbilden will. Der Private Banker hat mit Anbietern und Vermögensverwaltern gesprochen und stellt im Folgenden die Anwendungsmöglichkeiten für das konkrete Labelling dar.       

Black Label - Link

Die einfachste Form einen Robo Advisor besteht in der  Verlinkung zur Webseite. Interessierte Anleger kommen so erkennbar auf die Seite des Robo Advisors und werden dessen Kunde. Der Berliner Anbieter Growney nennt das „growney.de“.

Die Vorteile für Vermögensverwalter liegen, so Growney Sales Direktor Sergej Hermoni, auf der Hand: Man kann das sehr schnell einrichten (und wieder entfernen), es kostet wenig, man verdient mit der ersten Nutzung eine wenn auch kleine Provision (etwa als „Tippgeber“) und „haftet“ nicht für die möglicherweise negative Performance des digitalen Verwalters.

Der Nachteil dieser Variante: Der Anleger ist kein Kunde der Vermögensverwaltung. Die kommt mit dem Anleger in vielen Fällen gar nicht in Kontakt, hat keine Chance, eine Leistungsprobe abzugeben und  auch deswegen kaum Chancen, ihn jemals als Kunden zu gewinnen.

 

Black Label - Co-Branding

Die zweite Variante einer Robo Advisor-Lösung betreibt die Nürnberger Verwaltung KSW, die  eine Kooperation mit Scalable eingegangen ist. KSW stellt auf seinen Seiten Scalable grob vor und vermittelt Interessierte („händisch“) dahin. Manuela Rabener von Scalable bezeichnet die Lösung mit KSW als „eine simple Form der Anbindung, da keine technische Integration stattfand“.  KSW-Geschäftsführer Udo Schindler sieht das Angebot als eine Ergänzung und Alternative zugleich. Er erwähnt im Gespräch den Fall eines Kunden, der für seine Enkel (und voraussichtliche Erben) kleinere Depots angelegt sehen will, die KSW allein „nicht kostendeckend darstellen kann“. Mithilfe der digitalen Vermögensverwaltung kann man dem Kunden zumindest eine Alternative bieten.

Man habe sich den Markt angesehen und sei von der Qualität von Scalable überzeugt. Auch als weitergehende Alternative sieht er den digitalen Vermögensverwalter („… haben keine Schwierigkeit damit, dass einer unserer Kunden auch mal in den Robo Advisor Scalable als Ergänzung investiert“). Dahinter könnten zwei Überlegungen stehen: 1. Statt einen Kunden ganz zu verlieren, hilft beiden Seiten vielleicht eine Erfahrung mit einer (temporären) Alternative.  Und 2. wird die KSW Interessierte und Kunden, die zu Scalable wollen, selbst dorthin begleiten, behält also den Kontakt. Das kann sich später auszahlen, wenn zum Beispiel ein Kunde, der wegen vermeintlich zu hoher Gebühren der KSW unzufrieden ist, zu Scalable wechselt und später eventuell wieder in den „Normalbestand“ integriert werden kann. Jacob Hetzel von Investify erwähnt in dem Zusammenhang auch eine mögliche Glaubwürdigkeitsproblematik für einen alteingesessenen und etablierten Vermögensverwalter. „Beim Thema Robo Adviser mag ein junger Partner überzeugender wirken als die Integration in das eigene Unternehmen.“     

Die Lösung hat noch andere Vorteile: Sie ist schnell (in wenigen Tagen) und sehr preiswert umsetzbar. Die Verwaltung hat so gut wie keine Onboarding-Kosten für die Installation und Integration einer Software, es fallen keine laufenden Lizenzkosten und nicht die Einhaltung von datenrechtlichen Restriktionen an. Und man kann als Verwaltung ein paar Zusatzleistungen in Richtung hybrides Modell anbieten. Dazu gehört etwa das Angebot an den Kunden, neben dem Robo Advisory ein oder zwei persönliche Gespräche mit dem Verwalter pro Jahr führen zu dürfen.          

Dieses Co-Branding Modell ist im Markt nach unseren Beobachtungen durchaus auf dem Vormarsch.  Wir beobachteten es unter anderem auch bei der Zusammenarbeit von Investify und Hamburger Sparkasse. Für Kunden, die über die Haspa zu Investify gelangen, vereinbarten die Partner einen Fee-Split, so Jacob Hetzel von Investify.

 

White label - Standard

Wer die Standard-Variante des White Label Robo Advisors will, dem erstellt der Anbieter eine Verknüpfung auf einer Landing Page („Unser Robo Advisor“) und die Anbindung im Look und Feel der Verwaltungsseiten. Die Verwaltung übernimmt die Depotbank und das Produktuniversum, die von dem Anbieter vorgeschlagen werden.

Noch einfacher ist es für Partner von Investigo, etwa Wüstenrot. Wer den Wüstenrot ETF Managed Depot  anklickt, kommt auf die Seiten von Ebase. Abgesehen vom Namen, dem Logo und den Farben kommt eins zu eins der Investigo zum Einsatz.

Die Verwaltung gibt in aller Regel den Namen des Robo Advisors, die sichtbaren Texte und Auswahlmöglichkeiten vor und sie bestimmt außerdem,  welche Minima zu welchen All-In-Kosten angelegt werden dürfen, ob es Sparpläne geben darf und wie ein Kontakt erreichbar sein soll.

Nach wenigen Wochen ist so eine Variante dann meist implementiert und im Online-Betrieb. Es fallen üblicherweise eine Einrichtungsgebühr, monatliche fixe (Lizenz-) Gebühren für die Verwendung der Software plus einer Umsatzbeteiligung an. Nach unseren Recherchen zeigen sich die Anbieter momentan allerdings sehr kompromissbereit, was die Preise angeht. So werden offenbar auch Verträge ohne Einrichtungsgebühren und dem Vernehmen nach sogar ohne monatliche fixe Zahlungen vereinbart. Die Umsatzbeteiligung im Standardfall liegt dann bei vielleicht 40-50 Basispunkten. Vergleicht man das mit dem White Label Geschäft für Fonds, dann sind die jährlichen Kosten für Robos kaum geringer als die für Fonds. In Anbetracht der niedrigeren Gebühren im Endkundenbereich liegt eine befriedigende Größenordnung von Assets under Management im Robobereich deutlich über den für die Fondsanlage meist als lohnenswert betrachteten 20 Millionen Euro.  

Erst mit der White Label Lösung wird der Anleger Kunde der Verwaltung. Dieser Aspekt ist für viele Vermögensverwalter entscheidend. Trotzdem: Da der Robo Advisor sich auch bei dieser Lösung auf den Servern der White Label Anbieter befindet – die Server sind in der Cloud beheimatet – hat prinzipiell auch der Anbieter Zugriff auf die Investoren-Daten. Christian Ropel stellt in diesem Zusammenhang heraus, dass etwa Weadvise auf den Servern der Datev hostet und dass die zum Mutterhaus von Weadvise gehörenden Unternehmen Assets im Wert von mehr als 44 Milliarden Euro in Ihren Systemen administrieren. Vertrauensbildende Argumente.  

 

White Label - Individualisierte Lösung

Stärker individualisierte Robos dauern erheblich länger. Je nach Aufwand muss ein Verwalter von drei Monaten bis zu mehr als einem Jahr an Entwicklungs- und Onboardingzeit einplanen. Wir sprachen mit Vermögensverwaltern, die kurz vor dem Online-Gang stehen, aber angesichts der vielen Verzögerungen (die sich auf mehr als ein Jahr summierten) diesbezüglich nur mit dem Kopf schüttelten.

Im Gegensatz zum Standard-White Label Fall wird in der individualisierten Form meist ein eigener Markenauftritt eingeplant. Das erfordert oft auch einen eigenen Webauftritt, der prinzipiell im Leistungsumfang der Robo Advisor enthalten ist, aber im Detail natürlich sehr präzise auch mit dem Webverantwortlichen des Vermögensverwalters abgestimmt werden muss.

Neben den oben erwähnten Features kann der Verwalter die Zahl der Anlagestrategien sowie die Verknüpfung mit den Risikopräferenzen definieren. Er bestimmt die Depotbank und damit auch das Produktuniversum. Neben den üblichen ETFs kommen aktive Fonds und einzelne Wertpapiere in Betracht. Der Kunde bestimmt den Rechtsmantel (eigene Firma, angebunden an die Verwaltung etc.) und den kompletten Markenauftritt.

Natürlich kann der Verwalter in dieser Variante auch seine Preisvorstellung einbringen, nicht nur die Gebührensätze sondern auch das Gebührenmodell bestimmen. Im Rahmen einer All-IN Fee und bei Kosten von vielleicht 50 Basispunkten werden die meisten kleineren Verwaltungen mit All-In-Sätzen von unter einem Prozent kaum auskommen.

Im Hinblick auf hybride Modelle können in individualisierte White Label-Lösungen auch traditionelle Vermögensverwaltungselemente eingeflochten werden. Nur hier ist es möglich, die Strategien des Vermögensverwalters auch treffsicher digital abzubilden. Nur hier können Strategieänderungen schnell und unkompliziert digital umgesetzt werden. Das ist der große Vorteil dieser White Label Variante: Der Vermögensverwalter kann auch weniger kapitalstarke Kunden in den Genuss seiner Expertise kommen lassen. In den anderen Fällen ist der Robo Advisor immer eine Alternative zur eigenen Strategie mit den damit verbundenen Risiken (und Chancen). Hier erfolgt die (händische und digitale) Verwaltung aus einem Guss ähnlich wie bei den White Label Fonds.

 

Eigenentwicklung

Für die allermeisten Vermögensverwaltungen dürfte eine Eigenentwicklung keinen Sinn machen, solange man mit einer individuellen White Label Lösung alle gewünschten Ziele erreichen kann. Friedrich Wilhelm Kersting, der einst bei der Quirin Privatbank den Robo Advisor Quirion mitentwickelt hat, rät davon schon allein wegen der Kosten (im Millionenbereich) ab.

Für DJE gelten solche Finanzrestriktionen natürlich nicht. Der große Münchener Vermögensverwalter ließ sich von Finteccube seinen Robo Advisor Solidvest bauen. Die Entwickler um die beiden Geschäftsführer Gregor Puchalla und Florian Oswald gingen dafür sogar auf die Straße und befragten in mehreren Großstädten Passanten nach ihren Präferenzen. Herausgekommen ist dabei unter anderem die Berücksichtigung von Einzeltiteln und die Möglichkeit, individuell besondere Investmentthemen zu gewichten. 

Robo Advisor - Der Markt 2018

Das Potenzial von Innovationen wird auf Fünfjahressicht meist überschätzt, auf Zehnjahressicht meist unterschätzt. So ist es auch beim Thema Robo Advisor, meint der Experte für digitale Vermögensverwaltung Friedrich-Wilhelm Kersting. Die digitale Vermögensverwaltung entwickelt sich, nachdem erste euphorische Schätzungen über das Marktvolumen nicht realisiert werden konnten, jetzt allmählich als fester Bestandteil der Wealth Management Landschaft. Den Eindruck unterstrich zuletzt eine Befragung der KPMG.

 

Akzeptanz  bei Endkunden

80 Prozent aller Anleger, so fand die USA-Filiale der KPMG kürzlich heraus, würden in einen Robo Advisor investieren. In Deutschland rechnen Experten wie Kersting damit, dass in absehbarer Zeit ein Drittel aller Wealth Management Dienstleistungen von digitalen Vermögensverwaltern übernommen werden.

Die Überraschung dabei: Robo Advisor sind nicht nur etwas für junge Erben oder überzeugte Nerds.  Laut KPMG nutzen zu 75% überdurchschnittlich Vermögende aller Altersgruppen die digitale Vermögensverwaltung. Weil man heute von einer älteren Kundengruppe ausgeht, haben viele Robos etwa von „Du“ auf „Sie“ umgestellt.

 

Verbreitung bei Wealth Managern

Laut KPMG-Umfrage hat bislang rund jeder sechste Wealthmanger/Asset Manager/ Insurance Asset Manager einen Robo Advisor. Weitere 35%, so KPMG, planen die Anschaffung. Unter den von der KPMG befragten Wealthmanagern beträgt die Beschaffungsabsicht sogar 100%! Bei unabhängigen Vermögensverwaltungen, so der Eindruck des Private Bankers nach einer stichpunktartigen Befragung, dürfte die Verbreitung noch deutlich unter zehn Prozent liegen.  

Fragt man unabhängige Vermögensverwalter, dann scheint bei ihnen gerade so etwas wie der Point of no Return erreicht zu sein: Robo Advisory ist keine Mode, die man aussitzen kann. Der Meinungsbildungsprozess über den richtigen Umgang mit digitaler Verwaltung scheint jetzt in vollem Gange zu sein.

Anbieter sehen den Markt sogar schon wesentlich weiter. Einer sagte zu uns: „Die grundsätzlichen Entscheidungen Pro oder Contra sind gefallen und viele haben sich auch schon für ein Modell entschieden.“

 

Vermögensverwalter - Motive zur Einführung eines Robos

Die Motive, einen Robo zu integrieren, sind unterschiedlich. Experte Kersting, der das Geschäft aus Sicht der Großbanken und der Wissenschaft (als Professor) kennt und einst den Robo Advisor der Quirin Privatbank mitentwickelt hat, warnt vor zu großen Erwartungen: „Wer glaubt, dass einen die Kunden mit dem 20ten Robo Advisor nur so bestürmen werden, wird sich täuschen“, sagt Kersting. Den Akquiseaufwand von 400 bis 500 Euro pro Kunde werden nicht alle Robos wieder einspielen.“

Die, die den Robo bereits haben, sind nach KPMG-Angaben entsprechend bescheiden. Wünsche nach Verbreiterung des Kundenportfolios und die Ergänzung der Dienstleistungspalette sind demnach vorherrschend.  Immerhin: 75% der Investmentmanager, die einen Robo Advisor haben, sind damit sehr zufrieden, weitere 25% zufrieden. Und: Alle wollen ihren Robo weiterentwickeln

Die, die ihn nicht haben, versprechen sich vor allem das Wachstum der Assets und einen insgesamt höheren Automatisierungsgrad vom Robo. Immer wichtiger scheint auch ein anderer Grund zu werden: 17% der Wealth Manager gaben in der KPMG-Befragung an, ohne Robos negative Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation (Stichwort: Imageschaden) zu fürchten.

Geringer scheint dagegen ein Vorbehalt zu werden, der noch vor einigen Jahren eine große Rolle gespielt hat: Die Angst, sich die eigene und viel billigere Konkurrenz ins Haus zu holen und damit das ureigene Geschäft zu kannibalisieren. „Berater und Verwalter sehen Robos am Anfang häufiger als Konkurrenz denn als Ergänzung zur althergebrachten Vermögensverwaltung“, berichtet Kersting. „Wir haben allerdings bei Quirion erlebt, dass mehr Kunden von Quirion zur Bank gewechselt sind als umgekehrt die Bank Kunden an Quirion verloren hat.“ Über die Entwicklung der Margen macht sich der Experte allerdings keine Illusionen. „1,5 Prozent werden Kunden in der herkömmlichen Vermögensverwaltung nicht dauerhaft akzeptieren, wenn man für 0,5 Prozent auch keine schlechteren Ergebnisse erzielt.“

 

 

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