Online-Diskussion

Die Marktrunde im April

Elmar Peine -

"Brexit: Wo Schatten ist, ist auch Licht."

In der Marktrunde im April äußerten Sich die Vermögensverwalter zur aktuellen Marktsituation, dem Brexit, zu Edelmetallen und Öl, der Berichtssaison und dem US-Wahlkampf. 

 

Carsten Riehemann, Vorstand Albrecht, Kitta & Co., Hamburg

Allgemein:

Wir registrieren große Sorgen um die Konjunktur in China und wachsende Sorgen wegen der ins Stottern geratenen Konjunktur in den USA. Wegen der Zinssituation gibt es bei unseren Anlegern weiter eine starke Verunsicherung. Bei Renten sind wir weiter klar untergewichtet. Wir bevorzugen jetzt im Anleihenbereich marktneutrale Total-Return-Strategien. Wir sind klar übergewichtet bei Sachwerten, insbesondere bei Aktien, haben aber auch Edelmetalle.

Zum Brexit:

„Das wagen wir uns heute noch gar nicht auszumalen. Es gilt, die Daumen zu drücken und zu hoffen.“

Zum Gold/Rohstoffe:

Wir haben Anfang des Jahres Statoil gekauft und damit sind wir auch in der norwegischen Krone engagiert. Gold ist für uns Wertaufbewahrungsmittel, das immer stärker in Konkurrenz zum Cash tritt. Wir empfehlen bei Edelmetallinvestments einen Basket aller vier Edelmetalle.

Zu Brasilien:

Wir würden da im Moment nicht investieren. Wir wissen nicht, welche Katastrophen da noch kommen und raten deswegen zum Abwarten. Wir überlassen die ersten Prozente einer Erholung anderen.

 

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Björn Siegismund, GF Laransa Private Wealth Management, Berlin

Zinstief und Alternativen

Das Zinsniveau bleibt die größte Herausforderung für Monate, ja vielleicht für Jahre. Ich fürchte, dass Zentralbanken zunehmend ihren Einfluss auf den Markt verlieren. Wir sind bei Anleihen klar untergewichtet. Es geht angesichts der aktuellen Marktsituation vor allem um Kapitalerhalt und Kapitalschutz. Wir versuchen das zu gewährleisten durch breitgemischte Investments, investieren deswegen nicht nur in liquiden, sondern auch in illiquiden Werten. Im illiquiden Bereich ist für uns Private Equity ein Thema, ebenso Beteiligungen in Infrastruktur, Edelmetalle und auch Immobilien. Im liquiden Bereich investieren wir in einen breiten Mix aus Absolute Return Strategien sowie Aktien aus unterschiedlichen Regionen und Branchen. So erreichen wir eine robuste Wertentwicklung auch in einem volatilen Marktumfeld.

Zum Brexit:

Eine Wette in diesem digitalen Entscheidungsfall machen wir nicht. Die Abstimmung ist auch deswegen so unberechenbar, weil sie außerhalb der politischen Strukturen verläuft. Wir machen da keine Wetten, hoffen nur, dass die Briten letztendlich ihre wirtschaftlichen Interessen im Auge haben.

Zu Trump:

Das Phänomen Donald Trump geht einher mit einer tiefen Enttäuschung über die Politik. Das Vertrauen in die Politik ist in den vergangenen Jahren entlang solcher Fälle wie LuxLeaks und den Panama Papers gesunken. Dieser Vertrauensschwund macht sich fast bei jeder Wahl in Europa oder Nordamerika bemerkbar. Trump ist nur ein Profiteur. Rein ökonomisch fürchte ich auch mit einem Präsidenten Trump keine Verschärfung des Währungskrieges. Auch mit Trump werden die Amerikaner nicht auf eine Abwertungspolitik a la China einschwenken.

Zu Rohstoffen:

Aus Sicherungsgründen ist in vielen Depots unserer Kunden Gold in physischer Form vorhanden. Das sind strategische Bestandteile. Taktisch haben wir auch Silber-Positionen aufgebaut. Die haben uns Freude gemacht und bleiben noch erhalten, werden aber Gold schon wegen der höheren Nachfragesensibilität aus der Industrie nicht als strategisches Investment ersetzen.

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Manfred Piontke, MPPM, Frankfurt

Allgemein und Einschätzung Daimler und Lufthansa:

Die Volatilität ist in 2016 und erst Recht nach dem missratenen Jahresanfang das entscheidende Thema. Unsere Prognose lautet: Es wird volatil bleiben, aber am Ende ein gutes Börsenjahr werden. Der Grund für unseren Optimismus ist die Alternativlosigkeit der Aktie. In der Kurs-Gewinn-Bewertung sind wir im historischen Vergleich im DAX sogar leicht unterbewertet. Die Dividendenrendite ist auch besser als der Durchschnitt. Für Stockpicker wie uns gibt es jetzt schöne Chancen. Einer unserer Favoriten: Daimler. Das Unternehmen leidet momentan kostenseitig zwar unter der Einführung der neuen E-Klasse,  aber auf etwas längere Sicht ist Daimler extrem niedrig bewertet. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei fünf Prozent. Wir sehen  ein vergleichsweise geringes Risiko in der Abgasproblematik, allein deswegen, weil der US-Diesel-Anteil von Daimler nicht mehr als ein Prozent des US-Umsatzes ausmacht. Selbst wenn da noch etwas kommt, kann es nicht die Dimension wie bei VW haben. Wir raten auch dazu, sich die Lufthansa näher anzusehen. Das Unternehmen ist ein Profiteur der niedrigen Ölpreise. Und Kerosin ist der größte Kostenblock bei Lufthansa.

Zum Brexit:

Selbstverständlich würden durch einen Brexit Unternehmen, die viel Geschäft in UK haben, Einbrüche erleiden. Aber wo Schatten ist, ist auch Licht, Gewinner werden die Banken und der Standort Frankfurt sein. Britische Unternehmen werden gegen viele deutsche Konkurrenten relativ verlieren.

Großbritannien wird aber keine neue Schweiz werden. Die Briten werden Teil der europäischen Gemeinschaft bleiben. Das Problem der Briten ist, sie wollen wichtiger sein, als sie sind.

 

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Dr. Marc-Oliver Lux, GF Dr.Lux & Präuner, München

Zur Zinsentwicklung:

Die Situation rund um die Zinsen ist weiterhin das interessanteste Thema. Im Trend gehen die US-Zinsen sicher nach oben. Wie stark dieser Trend ist, wie stark die FED die Zinsen anziehen wird, ist dabei noch offen. Bei den Euro-Zinsen läuft es eher noch in eine andere Richtung. Wir investieren auf der Suche nach Alternativen wieder stärker in offene Immobilienfonds.

Zu Emerging Markets/Brasilien:

Die Emerging Markets standen ja lange im Schatten. Die Märkte haben in diesem Jahr aber einen ordentlichen Schnaps aufgelegt. Das könnte interessant bleiben. Wir sind seit drei Jahren mit einer unserer Strategien in Brasilien investiert. Endlich tut sich da mal was in diesem Jahr, obwohl die Stimmung im Land noch schlecht ist. Auch in Argentinien, mit sehr beschränkten Anlagemöglichkeiten tut sich nach dem Politikwechsel etwas. Davon konnte ich mich vor kurzem überzeugen.  

Zu Rohstoffen:

Rohstoffe, etwa Öl, könnten interessante Investment werden. Unsere Systeme stehen kurz vor einem Kaufsignal. Fundamental läßt sich der starke Preisanstieg ja kaum erklären, nachdem nichts auf eine Angebotsverknappung hindetuet. Immerhin konnte sich die Opec nicht auf eine Reduzierung der Förderquoten einigen und in den USA gehen auch keine Fracking-Unternehmen pleite.

 

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Rainer Beckmann, GF FICON, Börsebius, Düsseldorf

Zur Berichtssaison:

Es ist für uns faszinierend zu beobachten, wie schlechte Unternehmenszahlen, etwa von Apple oder Microsoft, vom Gesamtmarkt, dem S&P 500, ausgeglichen werden. Interessant auch, welche Werte den Index nach oben ziehen. Im S&P-Fall waren dies zum Beispiel Procter oder auch eine 3M. Dieser Fall bestätigt mich darin, dass die Anleger momentan angesichts der Zinssituation keine wirkliche Alternative zur Aktie haben. Wir erleben das mit unseren Kunden jedes Mal, wenn wieder eine Anleihe ausgelaufen ist und eine Neuanlage ansteht. Da ist die Aktie die beste Alternative. Die im historischen Vergleich etwas höhere Bewertung nehme ich da in Kauf, insbesondere bei Werten, die noch Luft nach oben haben, also nicht im Bereich ihrer historischen Höchstkurse notieren. BASF oder Bayer erfüllen die Kriterien für mich. Die Gewinne sind in beiden Fällen weniger stark als die Kurse gefallen.

Zum Brexit:

Die britische Währung könnte bis zu 30 Prozent einbrechen. Ein Brexit würde Europa nicht gut tun. 

Zu Edelmetallen:

Haben uns da positioniert und bei Minen Kursgewinne von bis zu 300 Prozent und mehr erlebt.

Zu Trump:

Für mich stehen Clinton und Trump als Kandidaten fest. Aber Importzölle von 45 Prozent auf Waren aus China sehe ich auch nicht im Fall einer Trump-Präsidentschaft. Das nichts so heiß gegessen wie gekocht wird, sieht man auch an der der finanziellen Folgen der Trump-Ankündigungen. Würde dessen Programm umgesetzt, kostete es jedes Jahr eine Billion Dollar zusätzlich. Bei Frau Clinton muss sich niemand in Europa ängstigen. Sie macht eine berechenbare Politik. Andererseits: Schon Euro-Dollar-Wechselkurse von 1.20 bis 1.25 würden der deutschen Börse nicht gut tun.

 

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Die Marktrunde ist eine monatlich stattfindende Online-Diskussionsrunde von unabhängigen Vermögensverwaltern. Private Anleger können an den Diskussionen teilnehmen, Fragen stellen und online mitdiskutieren. Die nächste Veranstaltung findet am 25.5. um 17:30 statt. Mehr Informationen und Anmeldung. https://attendee.gotowebinar.com/register/4803961289011014146

 

 

 

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