Die IT-Kolumne

Schon wieder diese DATEV-Idee

Kay Behrmann -

Ach ja, die Steuerberater. Gegenüber unserer Branche der Vermögensverwaltung haben sie locker 49 Jahre voraus, was die Kooperation im Rechenzentrum angeht. Damals gründeten sie die DATEV, um ein paar gemeinsame EDV-Probleme zentral zu lösen. Bemerkenswert dabei:  Gewinnorientierung stand nicht an erster Stelle, die DATEV sollte vornehmlich für ihre Mitglieder Leistungen erbringen. Ein Unternehmen zu gründen, das keine Erträge generieren soll? Das muss einem gestandenen Vermögensverwalter instinktiv schon verdächtig vorkommen.

 

Ach ja, die Vermögensverwalter. Wir Techniker erleben die Veränderungen der Branche ja auch sozusagen aus dem Maschinenraum heraus. Egal ob der Markt neue Produkte hervorbringt, die Kunden neue Dienstleistungen fordern oder die Aufsicht neue Vorschriften erfindet, am Ende gibt es immer irgendwo einen IT-ler, der es programmieren muss. Oder implementieren. Oder anpassen an die individuellen Vorgaben seines Hauses.  Und so sitzen in den IT-Abteilungen der verschiedenen Institute viele, viele Techniker, die alle das Gleiche tun. Im Moment ist MiFID-2 angesagt. Und wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis unter den Finanz-IT-lern umhöre, so arbeiten gerade alle daran, die neuen Vorgaben in technische Lösungen zu übersetzen. Jeder für sich. Dabei erweitern alle übrigens ihr CRM-System, oder führen gleich ein neues ein. Was dagegen die Programmierer bei den Steuerberatern gerade machen, kann ich nicht wirklich sagen, ich sehe da nie einen. Die sitzen wohl alle in Nürnberg bei der DATEV.

 

Nun kann man nicht behaupten, es läge an der Finanzbranche. Die Volksbanken haben ihre Fiducia, die Sparkassen ihre SI und die anderen Banken den Bankverlag in Köln. Jeweils gedacht für Aufgaben, die man besser einmal gemeinsam löst statt jeder für sich. Die Vermögensverwalter haben zwar einen gemeinsamen Branchenverband, aber noch keine gemeinsamen IT-Dienstleister. Immerhin gibt es dominante Softwareanbieter, die so etwas wie Standardsoftware bieten, aber...

 

Ach ja, die Softwareanbieter. Man darf nicht so streng mit ihnen sein. Sie wurden eben gerade nicht gegründet, um Probleme zu lösen. Sie existieren, um Geld zu verdienen. Und so erstellen sie das, wofür Kunden die größten Budgets locker machen. Je mehr ein Kunde für individuelle Wünsche zu zahlen bereit ist, desto besser – aus wirtschaftlicher Sicht. Schade nur, dass das Ergebnis dem Wunsch nach Standardisierung entgegen wirkt. Und dann gibt es da noch die Situationen, da denkt sich der Techniker: „dieses Problem löse ich in einer halben Stunde mit einer Datenbankabfrage in drei Zeilen SQL“. Aber der Techniker eines Softwarehauses verkauft die Lösung nicht. Der Vertrieb verkauft, und der sieht nicht die drei Zeilen SQL, sondern eine strategische Schnittstelle zur Erfüllung regulatorischer Auflagen. Das wird teuer. Analysephase, Entwurf, Implementierung, Test, Dokumentation, und die vielen Meetings erst. So viele Tagessätze. Der Preis wird nicht bestimmt vom nötigen Aufwand zur Lösung, sondern von der Bedeutung der Lösung für den Kunden und seiner Zahlungsbereitschaft. Und am Ende wundert sich der Programmierer, warum alles so viel länger dauert als gedacht.

 

Eine DATEV für Vermögensverwalter, künftig eingerichtet als IT-Dienstleister für ihre Mitglieder, hat die Chance auf einen besseren Ansatz.  Damit es soweit kommt, sind drei Dinge nötig: Handlungsdruck, Lösungsmöglichkeit und Kooperationswillen. Mit der aktuellen Dynamik im Markt, den strukturellen Problemen der Finanzbranche und Regulierungsdruck der Aufsicht gab es selten mehr Druck zu gemeinsamen Lösungen als heute. An neuen Lösungsansätzen, siehe Fintech-Szene, mangelt es auch nicht. Aber ob die Vermögensverwalter sich die Hand zur Kooperation reichen werden? Womöglich noch als Genossen in einer eG? Schreiben Sie mir eine Email, wenn Sie mitmachen wollen – kay.behrmann@vv.de.

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