Die Strategie-Kolumne

Wie in Frankreich

Gastautor -

Markus Frohmader

Deutschland – ein attraktives Ziel für ausländische Fondsspezialisten

Was macht den deutschen Anlagemarkt so attraktiv, dass er von so vielen ausländischen Investmentspezialisten und –boutiquen erobert werden möchte? Ist es das hohe Geldvermögen deutscher Haushalte mit mehr als 5,2 Billionen Euro, was hierzulande die Investorensuche befeuert, oder ist es möglicherweise die Nachfrage aufgrund „weißer Flecken“ auf der Investmentlandkarte, welche Boutiquen und Nischenanbieter für sich entdecken und mit ihren Anlagelösungen bedienen möchten?

Die deutliche Zunahme insbesondere eigentümergeführter Fondsanbieter aus dem Ausland spricht deutliche Worte. Die Adressen aus Frankreich bilden hierbei keine Ausnahme. Ob Carmignac, Mandarin oder DNCF – alle haben eines gemeinsam: Sie kommen aus Frankreich, sind konzernunabhängige und eigentümergeführte Investmentspezialisten und sind auch in Deutschland vertreten.

 

Ein österreichischer Schwabe aus Paris

So auch die Société de Gestion Prévoir aus Paris mit ihrem Aktienspezialisten Herrn Armin Zinser – oder, wie er in Kollegenkreisen auch genannt wird, „Monsieur Mittelstand“. Seine Nische ist der Mittelstand. Er sucht aussichtsreiche Firmen mittelständischer Coleur in den Euro-Ländern, die ihm ein Outperformancepotenzial von 10 bis 15 Prozent gegenüber der entsprechenden Benchmark in Aussicht stellen und hält an den Unternehmen solange fest, wie dieses Ziel weiterhin möglich erscheint.

Der Aktienspezialist kennt die meisten seiner Kandidaten von früheren Zeiten, als er noch verantwortlich für die Vergabe von Firmenkrediten bei einer süddeutschen Bank war. Zwischenzeitlich arbeitete Zinser auch für andere Versicherungsunternehmen in Frankreich und baute den Pensionsfonds der OECD auf und aus. Seiner Leidenschaft zum Aktienmanagement blieb er allerdings immer treu – und auch seiner Vorliebe eben für diese eigentümergeführten Unternehmen.

Ein pragmatischer Denkansatz, geprägt von der österreichischen Schule, ist seine Leitlinie beim Aufspüren erfolgreicher Unternehmer. Diese spiegelt sich ebenso in soliden Unternehmensbilanzen wider wie auch in zufriedenen Kunden und Mitarbeitern – all dies analysiert der gebürtige Schwabe und lässt die Ergebnisse in seine Anlageentscheidung einfließen. „Ein 360°-Grad-Rundumblick ist für mich wichtiger als der bloße Blick auf den letzten Quartalsbericht“, betont Zinser seine Vorgehensweise.

 

Mittelständler haben Vorteile

„Mit ihrem langfristigen Denkansatz können Mittelständler wesentlich flexibler auf Marktveränderungen reagieren und Chancen in Wachstumsmärkten generationenübergreifend für sich nutzen, im Gegensatz zu vielen Standardwerten, die dem Quartalsdiktat unterworfen sind“, differenziert Zinser. Attraktive Ziele findet er dabei nicht nur in kleinkapitalisierten Werten, sondern auch durchaus bei etablierten Big-Caps, die aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind. „Henkel ist ein hervorragend geführtes Unternehmen“, bestätigt Zinser hierzu.

 

„Deutschland ist Kapital“

Warum so viele seiner Landskollegen auch den Weg zu den deutschen Ersparnissen suchen ist für Zinser klar: „Deutschland ist Kapital – in Frankreich versucht man den Kapitalismus ohne Kapital“. Dies wirkt sich seines Erachtens nicht nur in einer tendenziell solideren Bilanz- und Finanzierungsstruktur bei deutschen Unternehmen aus, die er für seine Fonds aus dem mehrere tausend Unternehmen umfassenden Universum findet, sondern eben auch in der Finanzkraft der Bevölkerung – und die wiederum ist die Basis für eine funktionierende Aktienkultur. Auch wenn diese in den zurückliegenden 20 Jahren aufgrund der Krisen am Finanzmarkt Federn lassen musste, hat sich die Anzahl der Aktionäre in der jüngeren Vergangenheit wieder etwas erholt.

 

Der Re-Import-Spezialist

Auch Zinser ist regelmäßig als Investor in Deutschland unterwegs, auf der Suche nach interessanten Ideen und zum Besuch seiner Portfoliounternehmen. Der Perspektivenwechsel, den er dabei regelmäßig vornimmt, vom reinen Beobachter aus einiger Distanz hin zum Marktakteur mittendrin, ermöglicht ihm einen Re-Import à la „Deutsche Qualität fabriqué en France“: „Meine Ergebnisse wären mit Sicherheit andere, säße ich heute nicht in Paris, sondern in Frankfurt“, resümiert Zinser.

Ob es nun der Kulturunterschied zwischen den beiden Ländern ist, der einen anderen Blick auf das Marktgeschehen ermöglicht, oder auch der Rundumblick aus der Mitte Europas, lässt Zinser offen. Auf Sicht der vergangenen fünf Jahre konnten die Investoren in den beiden Zinser-Fonds einen Mehrwert aufgrund der marktüberdurchschnittlichen Wertentwicklung erzielen. Auch deswegen wagte die Société de Gestion Prévoir den Schritt nach Deutschland, um auch deutsche Investoren von ihrem Re-Import zu überzeugen.

Tatsache ist, dass auf der Suche nach Qualitätsunternehmen in Europa kein Weg an Deutschland vorbeiführt und dabei vor allem der Mittelstand eine entscheidende Rolle spielt. Nicht ohne Grund stellt daher Deutschland den größten Anteil an der regionalen Allokation innerhalb der Fonds von Herrn Zinser dar. Die Innovationskraft deutscher Mittelständler setzt international Maßstäbe und sorgt für Wettbewerbsvorsprünge. Dieser Nische hat sich Zinser verschrieben – auf die Suche nach Qualitätsunternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell und einer vernünftigen Bewertung.

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