Interview

Wir sind bereit

Elmar Peine -

Gerade hat der niederländische Spezialist für nachhaltige Kapitalanlagen, die Triodos Bank, ein Büro in Berlin eröffnet. Vorerst nur, um von dort das Immobilien-Kreditgeschäft zu betreiben. Aber auch das Private Banking steht in den Startlöchern. Ein Gespräch mit dem Chef der Sparte, Albert van Zadelhoff.

 

Private Banker: Warum betreibt eine der wichtigsten Nachhaltigkeitsbanken Europas kein Private Banking in Deutschland?

Albert van Zadelhoff: Wir sind bereit und glauben, uns hier gut positionieren zu können. Und schon jetzt müssen die Deutschen nicht ganz auf uns verzichten. Wir bieten Private Banking bislang in Deutschland zwar nicht aktiv an, sind aber für einzelne Kunden aus den Niederlanden aktiv.

    

PB: Was unterscheidet Hollands Wohlhabende von den Deutschen?

vZ: Aus meiner Erfahrung sind die Deutschen in Sachen Nachhaltigkeit bewusster und kritischer. Hier wird stärker nachgefragt und tiefer nachgeschaut, ob da nur ein grüner Anstrich ist oder Nachhaltigkeit in den Produkten und Dienstleistungen glaubwürdig enthalten ist. Ich bin da übrigens oft auch ein Lernender. Ich lerne von unseren Kunden bei dem Thema täglich dazu. Insofern sind die Deutschen fordernd und befruchtend gleichermaßen.

 

PB: Nur Gutes?

vZ: Nun ja. Im Verhältnis zu unseren niederländischen Kunden scheinen mir die deutschen Vermögenden noch ein Stück stärker auf ihren Heimatmarkt fokussiert zu sein. Ich wünschte, dass es da manchmal etwas leichter wäre, die globalen Märkte und Assets in die Vermögensstruktur einzufügen.

 

PB: Banken haben ja seit den verschiedenen Krisen, von Lehman angefangen, keinen besonders guten Ruf, insbesondere nicht bei kritischen Kunden. Wie erleben Sie da das Standing von Triodos?

vZ: Ich glaube, dass man da unterscheidet zwischen den Großbanken, die etwa in  den Niederlanden alle vom Staat gerettet wurden und den kleineren Instituten, die nicht systemrelevant sind und sich auf Nischen des Marktes konzentrieren. Ich glaube sagen zu können, dass Triodos in den Niederlanden einen guten Ruf als glaubwürdig der Nachhaltigkeit verpflichtete Bank hat. In Deutschland sind wir noch nicht so bekannt. Aber wir sind gut vorbereitet, hierher zu kommen.

 

PB: Gibt es in Deutschland neben GLS, Sarasin und den vielen Anderen noch genügend Platz für eine Nachhaltigkeitsbank?

vZ: Das glauben wir schon. Das Potenzial ist riesig, vor allem wenn man bedenkt, dass in Deutschland bislang nur 0,2 bis 0,3 Prozent aller Girokonten bei einer Nachhaltigkeitsbank geführt werden. In den Niederlanden hat allein die Triodos Bank einen Marktanteil von etwa zwei bis drei Prozent. Auch der Markt für nachhaltige Investments, ist in 2015 laut den vom Fachverband Forum Nachhaltige Geldanlagen veröffentlichten Jahresstatistiken in der Dachregion um 65 Prozent auf 326 Milliarden Euro angewachsen. Das bietet für wirklich nachhaltige Anlagemöglichkeiten enorme Wachstumspotentiale.

PB: Was macht Triodos denn anders als die anderen, die es schon gibt?

vZ: Als Nachhaltigkeitsbank bieten wir unseren Kunden eine doppelte Rendite. Wir wollen nicht nur eine attraktive finanzielle Rendite mit unseren Anlagen erwirtschaften, sondern auch im Investitionsprozess ökologische und soziale Entwicklungen fördern. Und zwar nicht nur, indem wir in bestimmte Unternehmen investieren und in andere nicht, sondern auch, indem wir aktiv mit Unternehmen in die wir investieren oder dies vorhaben, in den Dialog gehen, sich nachhaltiger zu verhalten.

 

PB: Was heißt das konkret?

vZ: Konkret heißt das, dass wir im letzten Jahr im Rahmen unserer Engagement- und Dialogpolitik mehr als 650 Gespräche mit fast 300 Unternehmen geführt haben mit dem Ziel, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei den betreffenden Unternehmen zu erhöhen und ihnen gesagt haben, was wir als Investoren und Eigentümer von ihnen erwarten.

 

PB: Geht’s noch konkreter?

vZ: Wir veröffentlichen jedes Jahr unseren Engagement-Report, in dem wir auch Beispiele nennen, in denen wir das Verhalten von Unternehmen konkret beeinflussen konnten. Dabei kann es um unterschiedlichste Themenfelder, wie Steuerfragen, Arbeitsrechte, Verwendung von bestimmten Rohstoffen, Investitionsverhalten oder den Klimawandel gehen. Ganz konkret haben wir zum Beispiel mit einigen anderen Investoren und Organisationen Druck auf eine ganze Reihe von Finanzinstitutionen ausgeübt, deren dokumentierte Investitionen in Unternehmen aus der Rüstungsindustrie und speziell Hersteller von Atomwaffen und geächteten Waffen wie Streubomben, zu beenden. 

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