Das Schlimmste ist vorbei
Nach starken Verkaufswellen an den Aktienmärkten zeigt sich: Auch wenn kurzfristige Turbulenzen möglich sind, bieten langfristige Investitionen oft lukrative Chancen. Historische Daten belegen, dass nach drastischen Kurseinbrüchen häufig erhebliche Kursgewinne folgen.
Von Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung AG
In den vergangenen einhundert Jahren kam es immer wieder zu starken Verkaufswellen an den Aktienmärkten, wie es 2025 der Fall war. Diese Ereignisse sind zweischneidig: Kurzfristig könnte es noch zu Turbulenzen kommen, muss es aber nicht. Auf lange Sicht ist es jedoch sehr wahrscheinlich, dass sich nun Investments besonders lohnen.
Die Erfahrung lehrt: Nach massiven Verkaufswellen, wie sie 2025 stattfanden, entwickeln sich die Aktienmärkte in den folgenden Monaten und Jahren oft positiv. Blicken wir auf die zehn größten Zwei-Tages-Verluste in den USA seit 1950. Diese Verluste reichten von neun bis 24,6 Prozent, wobei das aktuelle Minus vom 3. und 4. April 2025 mit 10,5 Prozent am unteren Rand liegt.
In allen Ein-, Drei- und Fünf-Jahres-Intervallen nach solchen Kursrutschen kam es zu teils erheblichen Gewinnen. Nach einem Jahr lag der S&P 500 zwischen neun und 62 Prozent höher. Drei Jahre später betrug das Plus zwischen 24 und 73 Prozent. Nach fünf Jahren bewegten sich die Gewinne zwischen 88 und 164 Prozent. Diese Verkaufswellen entpuppten sich nachträglich stets als Kaufgelegenheiten.
Charttechnik bestätigt den Einstiegspunkt
Ein weiteres Phänomen sind die sogenannten Wasserfall-Abschwünge. Dazu zählt auch der Kursverfall der ersten Aprilwoche, den Donald Trump mit seinem Zollhammer ausgelöst hat.
Von den bisher elf Wasserfall-Abschwüngen seit 1929 wurde das Tief nur in vier Fällen ein weiteres Mal getestet, was in Kursgrafiken als „W“ erkennbar ist. In sieben Fällen erholte sich der Markt in Form eines „V“, da das Tief nicht erneut erreicht wurde, wie 2020 während der Corona-Pandemie. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Tief hinter uns liegt, ist damit fast doppelt so hoch wie die gegenteilige Möglichkeit. Ein erneuter Test ist jedoch nicht ausgeschlossen; Vorsicht bleibt geboten.
Charlie Munger, verstorbener Partner des legendären Investors Warren Buffett, nutzte unter anderem den sogenannten 200-Wochen-Durchschnitt, um zu beurteilen, ob der Aktienmarkt günstig bewertet ist. Ist der Kurs nahe dieser Linie, ist der Markt auf sein langfristiges Mittel zurückgekommen und fair bewertet. Derzeit verläuft diese Linie bei 4700 Punkten im S&P 500, während der Tiefstand bei 4800 Punkten liegt. Als der Index diese Zone erreichte, sprang er deutlich nach oben. Käufe in dieser Zone könnten sich daher auf lange Sicht lohnen. Mungers Indikator deutet darauf hin, dass das Schlimmste vorbei ist.
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