Jetzt aber wirklich
Alle Jahre gilt Chinas Aktienmarkt als Geheimtipp. Der Markt sei extrem günstig bewertet und kurz vor einem Turnaround. Doch der blieb jedes Mal aus. Jetzt mehren sich die Anzeichen, dass es tatsächlich so weit sein kann.
Nach dem überlangen Corona-Lockdown und der anhaltenden Immobilienkrise kommt die chinesische Wirtschaft nicht in Schwung. Dem Staat ist es mit bislang nicht gelungen, das Vertrauen der Konsumenten und Investoren nachhaltig zurückzugewinnen. Die chinesischen Konsumenten halten ihr Geld zusammen und sitzen auf Erspartem in Rekordhöhe von geschätzten 20 Billionen Dollar. Gleichzeitig leidet die Gesellschaft unter hoher Jugendarbeitslosigkeit und Überalterung.
Reformen für den Umschwung
Keine andere Region sehen Investoren derzeit so kritisch wie das Reich der Mitte. Über die vergangenen fünf Jahre gesehen liegt die Performance des marktbreiten chinesischen Index CSI 300 bei null. Der MSCI World legte im gleichen Zeitraum rund 80 Prozent zu.
Auch im vergangenen Jahr sah es lange danach aus, dass mit chinesischen Aktien kein Geld zu verdienen ist – bis Ende September ein neues Konjunkturpaket der Chinesischen Zentralbank in Aussicht gestellt wurde. Zinsen sollen gesenkt und Anreize für den Erwerb von Wohneigentum gesetzt werden. Banken sollen mit mehr Bargeld versorgt werden, ein Aktienstabilisierungsfonds ist geplant. Daraufhin sprang der chinesische Aktienindex CSI 300 zeitweise um bis zu gut 30 Prozent nach oben. Weitere Schritte hat die Regierung angedeutet.
Dennoch ist der chinesische Aktienmarkt derzeit einer der am attraktivsten bewerteten Märkte der Welt. Die niedrigen Bewertungen sind Folge der vielfältigen Probleme, die nicht kurzfristig gelöst werden können. Die Risiken bleiben hoch, besonders angesichts eines drohenden Handelskrieges.
China macht sich unabhängig
Wer auf der Suche nach Überrenditen und Alternativen ist, dem bietet China trotzdem interessante Chancen. Denn China hat inzwischen eine führende Rolle in der globalen industriellen Transformation eingenommen. Das Land ist Weltmarktführer bei Solarmodulen, zivilen Drohnen, Lithium-Batterien und Smartphones. Die kürzliche Vorstellung der künstlichen Intelligenz Deepseek warf die Frage auf, wie gut es um die Technologieführerschaft der USA tatsächlich bestellt ist.
Mit BRICS+ baut China mit Partnern wie Brasilien, Russland und Indien ein alternatives Handels- und Währungssystem des globalen Südens auf. Damit machen sich diese Länder unabhängiger von westlichen Industrieländern, Zöllen und Handelsbarrieren.
Enorme Chancen
Seit dem Amtsantritt Trumps ist der Hang Seng Tech um rund 15 Prozent gestiegen, während der Nasdaq100 auf der Stelle tritt. Zugleich sind die chinesischen Technologieriesen wie Alibaba (ISIN US01609W1027), Baidu (ISIN US0567521085) und Tencent (ISIN KYG875721634) deutlich günstiger bewertet als ihre Pendants in den USA. So liegt das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Nasdaq derzeit bei rund 39, während der Hang Seng Tech mit durchschnittlich gut 20 KGV nur halb so hoch bewertet ist. Wenn es China gelingt, die inländischen Konsumenten wieder zu aktivieren, eröffnen sich enorme Chancen.
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