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Die Strategie-Kolumne

Rutscht da was?

Elmar Peine -

Gerade hat das Bankhaus August Lenz den Rückzug auch aus dem Private Banking verkündet. Davor wurde die alte traditionelle Merck Finck „näher“ an Quintet gebunden. Das Bankhaus Lampe gliedert sich gerade in einen Gemischtwarenkonzern ein. Auch das Stühlerücken bei den großen Playern (s. Credit Suisse oder Deutsche Bank) scheint sich immer weiter zu beschleunigen. Kommt da was ins Rutschen im Private Banking und trifft das auch die Unabhängigen?

Sieht man sich die Entwicklungen bei Deutschlands Unabhängigen Vermögensverwaltern an, dann gehört die sinkende  Zahl an Zugelassenen (Finanzportfolioverwaltern) schon seit Jahren zum scheinbar unumstößlichen Trend. Dazu kommen irritierende Meldungen über Insolvenzen (z.B. Wamsler) oder Fusionen (z.B: Wertefinder/Frankfurter Vermögen). Zwar versichern einem Gesprächsteilnehmer, dass die Aussichten dennoch „glänzend seien“, weil die privaten Vermögen ja weiter wachsen.

Aber es gibt einige Indizien, die insbesondere die Unabhängigen warnen sollten.  

Zum einen ist die Konkurrenz der Anbieter größer geworden. Zu den traditionellen Playern kommen insbesondere zwei neue Akteure. 1. Die digitalen Kollegen. Das Geschäft mit den den Robo Advisorn ist insgesamt noch klein und unbedeutend, aber kaum jemand zweifelt daran, dass diese Plattformen sich früher oder später auch nennenswerte Teile aus dem traditionellen VV-Kuchen schneiden werden.  2. Eine zunehmende Konkurrenz könnte den Finanzportfolioverwaltern auch von den Kollegen erwachsen, die unter einem Haftungsdach agieren. Die Grenzen zwischen Beratung und Verwaltung, zwischen standardisierter und individueller Verwaltung werden kleiner und undeutlicher, das macht die Markenbildung der (unabhängigen) Vermögensverwaltung zunehmend schwieriger und es hilft auch den Fonds, die sich weiter explosionsartig vermehren und sich den Privaten als „vermögensverwaltend“ präsentieren.   

Neben der vermehrten Konkurrenz macht sich aber auch eine Entwicklung bemerkbar, die den Professionellen stärker zusetzen könnte: Sinkende Renditen. Was zunächst den Vermögensverwaltern eher zugute kam, - für eine gute Rendite braucht es Profianleger, die den Markt sehr gut kennen  – schadet ihnen mittlerweile eher. Denn: Weite Bereiche der Anleihenmärkte sind mittlerweile von rationalen Anlegern nicht mehr bespielbar. Die Aktienmärkte sind bis zum letzten Bewertungspunkt ausgepresst. Und auch das gute Private Equity-Geschäft wird immer schwieriger. Wenn die Vermögensverwalter aber kaum mehr als die eigenen Gebühren verdienen, schwindet ihre Existenzberechtigung. Ohne Rendite für den Kunden macht Private Banking keinen Sinn.

Das heißt für die Vermögensverwaltung umgekehrt: Nur wer in Zukunft mit den sinkenden Renditen zurecht kommt, wird überleben. Auf bessere Margen zu warten, wird nicht funktionieren, weil damit entweder die Kundschaft murrt oder die Verwaltung nicht überlebt. Kosten werden in Zukunft eine noch wichtigere Steuerungsgröße. Wer das nicht beachtet, muss über Fusion oder Verkauf nachdenken.

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