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Die Strategie-Kolumne

Zeitenwende?

Elmar Peine -

Krisen können manchmal auch den Keim des Neuen in sich tragen. Viele Vermögensverwalter, mit denen wir reden, erhoffen sich das für die jetzige Krise. Sie warnen seit langem davor, dass die falsche Wirtschafts- und Finanzpolitik in eine Katastrophe münden wird. Die immer stärkere Regulierung im Verbund mit der ewigen Schuldenmacherei, der immer größeren Ausgabeprogramme und vor allem der Politik des furchtbar leichten Geldes gehen für Sie in die falsche Richtung. Jetzt wird es, so die Hoffnung, das große „Reinemachen“ geben. Unternehmen, Währungen, Staatsschulden, alles „kommt auf den Tisch“.  

Dem Aufschwung der letzten 15 Jahre haben diese Vermögensverwalter (und Ökonomen) nie getraut, deswegen bei der Finanzanlage eher auf der vorsichtigen Seite gestanden und viel Geld für die Depot-Sicherung ausgegeben und mit einem eher großen Cash-Anteil auf etliche Renditepunkte verzichtet. Warum das Wachstum der Wirtschaft und der Aktienkurse 15 Jahre lang angehalten hat? Längst hätte es angesichts des leichten Geldes doch eine überbordende Inflation geben sollen, längst hätten Pleiten die Zombie-Unternehmen (und –Staaten), die nur „künstlich am leben gehalten werden, hinwegfegen müssen. Und diese Pleiten hätten dann die Bilanzen der schwankenden Banken und damit das gesamte Finanzsystem durchschütteln sollen. 

So ganz, diesen Eindruck konnten Beobachter gewinnen, haben die Pessimisten und Goldbefürworter den Aufschwung seit Mitte der Nuller Jahre nicht verstanden. Sie sind geprägt worden durch Zeiten, in denen die Inflation das größte Gespenst der Ökonomie war und in denen die Angebotspolitik der Reagan-Jahre Erfolg hatte. Dass die Deflation der Hauptfeind sein soll, haben Sie nie verinnerlicht. Und so wenig, wie die Keynesianer das Phänomen der Stagflation (Inflation und steigende Arbeitslosigkeit) erklären konnten, so wenig konnten Sie erklären, warum die massiven Nachfragestützungsaktionen und die Politik des leichten Geldes so lange funktionieren.  

Schwenken wir nun um in eine eher klassische Marktkonstellation? Nein, die Coronakrise wird keine Zeitenwende bedeuten. Wir leben vor, während und nach der Krise in einer keynesianischen Welt, die von Deflation und Nachfragemangel bedroht ist und daran wird sich nichts ändern, denn die Gründe, warum aus einer Inflationswelt eine Deflationswelt geworden ist, bestehen weiter.  

  1. Die Globalisierung, die die Konkurrenz unter den Anbietern (und das Reservoir an Arbeitskräften) enorm erhöht hat, wird weiter gehen. In deren Folge wird der inflationäre Druck (durch knappes Angebot oder geringe Arbeitslosigkeit) in den einzelnen Ökonomien weiter eher niedrig ausfallen.
  2. Der technische Fortschritt, der lange gleichbedeutend war mit immer mehr und größeren Maschinen also immer größeren Kapitalvorschüssen, wird weiter durch die digitale Revolution bestimmt. Und die führt zu immer kleineren Maschinen und smarteren Programmen. Deswegen bleibt die Nachfrage nach Kapital eher gering und deswegen wird das überbordende Angebot an Kapital die Zinsen auch niedrig halten.
  3. Die Überalterung in den wichtigsten Industriestaaten wird sich fortsetzen und die Wachstumsdynamik eher dämpfen. Das Beispiel Japan zeigt, wie schnell Länder unter solchen Bedingungen in einen deflationären Sumpf geraten können.

Nein, eine Finanz-Katharsis mit und durch Corona ist eher unwahrscheinlich.     

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