Wichtige IT

Wichtige in der Vermögensverwaltung verwandte Programme
Produkt Art* www Ansprechpartner Mail Kommentar
iComps RC www. Gunnar Grape Bietet Reporting und Controlling als Software as a Service. Mit VV-Fallberichten.
vwd portfolio manager PM www. Tilo Th. Stolzenburg Der Marktführer, sicher nicht im Design, dafür aber in der Marktdurchdringung.
Avaloq PM www. Stefan Spannagl Begegnet den meisten VVs als Bankensystem. Große VV zählen zu den Kunden.
Psplus PM www. Dr. Peter Dobler Das PM System soll die Nr.2 im Markt nach dem VWD Portfolio Manager sein.
Munio PM www. Johann Horch Einer der bekannten Anbieter im VV-Markt, mit deutschen Referenz-VV-Kunden.
e-Amis PM www. Peter Klein Produkte von Profidata, die ihren Hauptsitz in der Schweiz haben.
PMS PM www. Much Die Referenzliste führt keinen UVV in Deutschland auf, aber die Südwestbank.
wokal Vermögensbilanz PM www. Wolfgang Kalteis wokalSoftware mit "wokal Vermögensbilanz" und "wokal Depotverwaltung.
Netfolio PM www. Daniela Bachmann Anbieter aus der Schweiz mit einigen Schweizer VV als Referenzkunden.
Allocare AMS Portfolio PM www. Jakob Kamm Schweizer Softwarefirma die 2011 von State Street übernommen wurde.
Portfolio Management PM www. Advent In USA stark vertreten, auch in Europa erfolgreich, in Deutschland eher nicht.
qplix PM www. Kai Linde Bietet Reporting, DMS und Portfolioverwaltung als "Software as a Service".
My Web Depot PM www. Jörg Richard Webbasiertes PMS. Stark in der Schnittstellen-Pflege. Kunden: DJE, Sutorbank etc.
Diva PM PM www. Diva Erweiterung der Beratungssoftware der BCA.
PM1e / PM1CRM CRM / PM www. Dieter Strohm Global tätiger Schweizer Anbieter, mit einem auf Oracle basierenden System.
privé managers CRM / PM www. Kay Behrmann Web-Angebot mit Reporting, Portfolio-Management, CRM und Vermögensplanung.
OMS financial CRM www. Opal CRM Tool, auf Vermittler fokussiert. Wird auch von VV in Deutschland benutzt.
Cobra CRM pro CRM www. Kay Behrmann Die Basis Cobra ist eine starke Software für das CRM im industriellen Mittelstand.
SugarCRM CRM www. Sugar Sugar ist ein bekannter Anbieter. Bis zur Version 6 als Open Source erhältlich.
AdWorks CRM + PM www. Harald Dehn "Beratungstools, (…) Reporting und Kundenverwaltung unter einem Dach".
VuV CRM CRM www. Frank Engel Kooperation von VuV und der isLogic AG. Basiert auf Microsoft Dynamics.
Bloomberg DAP www. Bloomberg Der Giganten-Anbieter macht vor allem Portfolio- und Risikoanalysen einfach.
FVBS DAP www. Dieter Fischer Das Untenrehmen gehört zum Münchener Finanzen Verlag, stellt auf Fonds ab.
Investox TS www. Andreas Knöpfel Bekannte Trader-Software aus Deutschland (zum Beispiel in Verbndung mit Tai-Pan)
Finanzplaner FP www. Michael Gschwind Eine der bekanntesten Finanzplanungstools in Deutschland. Vor allem für Berater.
microplan FP www. Microplan Bietet mit NAVIGATO eine Vermögensplanung mit Markowitz-Optimierung.
XPS FP www. Volker Weg XPS addressiert seine Programme in erster Lnie an Finanzplaner und Berater.

Quelle: 2016 Private Banker; Unternehmensangaben; * PM = Portfolio Management System, CRM = Customer Relationship Manegement, DAP = Daten- und Analyseprogramm, TS = Trading System, FP = Finanz-Plan-Tool,  RC = Reporting und Controlling

 

 

Behrmanns Rat

IT-Consultant Kay Behrmann berät mit seiner Firma vv.de Vermögensverwalter und Finanzdienstleister bei der Implementierung geeigneter IT-Lösungen.  Für den Private Banker hat er zehn Ratschläge für Verwalter zusammengefasst, die überlegen, sich eine IT anzuschaffen.

  1. Informieren Sie sich über das Angebot. Die Systeme haben sehr unterschiedliche Stärken und Schwächen. Fragen Sie Kollegen nach Zufriedenheit mit Ihrer Lösung. Fragen Sie Softwarehersteller nach Referenzkunden.
  2. Unterschätzen Sie den Suchaufwand nicht. Die die Zusammenstellung der eigenen Anforderungen und die Auswahl des Softwareherstellers können ein eigenes und anspruchsvolles Projekt sein. Unabhängige Experten können so einen Prozess begleiten.
  3. Verstehen Sie die IT als Prozess und nicht als Anschaffung. Die Beziehung zum Softwarehersteller funktioniert besser als Partnerschaft statt in der Rolle von Käufer und Verkäufer. Legen Sie Wert auf spätere Betreuung, guten Support und feste Ansprechpartner.
  4. Berücksichtigen Sie Cloud-Anbieter. Vermögensverwalter wollen oft ein eigenes System, weil sie Daten nicht gerne aus der Hand geben. Aber entscheidend sollte sein, wo die Daten sicher sind. Häufig bietet die Cloud mehr Sicherheit als ein eigenes schwach geschützte System.
  5. Überlegen Sie, ob sie weitere Leistungen outsourcen wollen. Einige Anbieter bieten neben dem technischen Betrieb auch weitere Services, wie etwa Schnittstellenüberwachung, Kontenabgleich und sogar Buchungstätigkeiten in Ihrem System.
  6. Seien Sie kompromissbereit. Automatisierung und Standardisierung kosten meist den Verlust liebgewordener Gewohnheiten. Meist kommt mit dem neuen System auch eine Änderung der Arbeitsabläufe.
  7. Orientieren Sie sich nicht primär an den Lizenzkosten. Andere Kosten können noch viel höher sein: Installation, Datenmigration, Konfiguration, individuelle Anpassungen, Schnittstellen, Schulungen, Support, laufender Betrieb, Fehlerbehebungen, Versionsupdates, …
  8. Beauftragen Sie in der Vermögensverwaltung einen Mitarbeiter als „Power-User“, der sich vertieft einarbeitet, Schulungen mitmacht und die Beziehung zum Softwareanbieter steuert. Sie werden jemanden brauchen, der sowohl die Geschäftsabläufe als auch die IT gut kennt.
  9. Testen Sie das System. Nicht nur in einer Präsentation, auch mit eigenen Mitarbeitern in einer Testinstallation. Überlegen Sie sich Testfälle und dokumentieren Sie die Ergebnisse, wie von den MaRisk-Vorschriften verlangt.
  10. Sorgen Sie für das Ende vor. Stellen Sie sicher, dass sie Ihre Daten auch wieder aus dem System heraus bekommen, wenn Sie künftig wechseln möchten. Definieren Sie Sollbruchstellen im Vertrag, zu denen Sie kontrolliert aussteigen können (z.B. nach dem Test).

 

Kurz nach dem Urknall

Der Private Banker hat Vermögensverwalter nach ihrer Zufriedenheit mit IT-Angeboten gefragt. Das Niveau der Dienstleistung ist steigerungsfähig. Die Ergebnisse.  

39 Häuser beteiligten sich an der ersten Umfrage zum IT-Einsatz bei der Kundenpflege (CRM) und dem Portfolio-Management (PM). Die erste Überraschung: Es sind immer noch viele, die in Excel selbst konfigurieren oder schlicht die Angebote der Banken nutzen. Diese Erfahrung von Experten fanden wir in unserer (nicht repräsentativen) Befragung bestätigt. „Wir nutzen ein selbst entwickeltes PM-System“, sagten rund ein Sechstel der Verwalter. Einer aus dem Osten berichtet stellvertretend für andere, das er ‚seit langen Jahren die Banken (bei jedweder Bewegung auf Konto oder Depot, inklusive regelmäßiger Portfolioaufstellungen) berichten‘ lasse. „Ich habe nach wie vor Einblick in die bei der Bank geführten Konten/Depots und führe zusätzlich einfache Excel-Listen. Das ist vollkommen ausreichend.“

Eine deutliche Mehrheit benutzt mittlerweile professionelle Software und spezialisierte Programme, meist ein CRM- und ein Portfoliomanagement-Programm. Bei den sogenannten CRM (Customer Relationship Management)-Systemen, mit denen die Verwalter ihre Kunden organisieren,  Beratungsprotokolle anlegen, Weihnachtsgeschenke ermitteln, Depotgrößen und Handelserfahrungen ablegen und etwa Gruppierungen nach verschiedensten Kriterien vornehmen, sind es 56 Prozent der Verwalter, die ein spezialisiertes Programm benutzen. Favorit ist schon jetzt das vom Verband (VuV) in Zusammenarbeit mit der IS Logic AG entwickelte CRM-Modul. Einige Verwalter, die das Tool nutzen, zeigten sich in Kommentaren „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“. Consultant Kay Behrmann beschreibt das VuV-Programm als „groß angelegt und wirkungsmächtig“. Seine Firma vv.de ist mit dem Hersteller Cobra eine Partnerschaft eingegangen, um deren System auf die Anforderungen der Finanzbranche zu trimmen. Ein Verwalter aus München äußerte sich ‚sehr zufrieden‘ über die entstandene Lösung. Gerade im CRM-Bereich sind die Verwalter auch früh in den Entwicklungsprozess integriert, so etwa beim VuV-System oder auch beim Opal-System, an dem ein süddeutscher Vermögensverwalter sogar beteiligt ist.

OMS heißt die von der Tochtergesellschaft Opal angebotene CRM-Software. Verwalter, die es preiswerter möchten und diszipliniert genug sind, kommen, so Behrmann, auch mit den Bordmitteln von Outlook ‚unter Umständen recht weit‘. Daneben gibt es auch kostenfreie CRM-Programme wie etwa SugarCRM Open Source.   

Bei den Portfolio Management Systemen (PMS) gibt es einen eindeutigen Platzhirschen, den VWD- Portfolio Manager. Mindestens fünfzig Prozent der Verwalter, so VWD-Mann Torsten Reischmann, nutzten dieses Tool. Geht man nach der Bewertungshäufigkeit in unserer Befragung, dann liegt der VWD-PM weit vorne. 18 von 39 Befragten gaben für ihn eine Note ab. Die Durchschnittsnote für das Tool lag bei 2,4. „Wir kommen mit unserer VWD Software gut bis sehr gut aus und sind zufrieden“, äußert sich stellvertretend einer aus dem Rheinland lobend. Aber wir hörten auch andere Meinungen: „Hatten wir einmal, sind aber nie richtig damit warm geworden“, sagte einer aus München. Ein Kölner Verwalter, der das VWD-Tool nach eigener Aussage vor allem nutzt, weil er damit gegenüber der Aufsicht den Nachweis der Einhaltung der Verlustvorgaben führen kann, äußert sich generell skeptisch: „Die meisten PMS erlauben zu wenig, mit den Daten aktiv zu arbeiten, d.h. Analysen unter bestimmten Gesichtspunkten (Beispielsweise wirkliche Analyse der Währungsallokation – oder Volatilität des einzelnen Wertpapiers oder Was wäre wenn Szenarien) zu erstellen.“ Wie auch immer: Alle anderen Systeme kommen nicht einmal zusammengenommen auf die Bewertungshäufigkeit des VWD PM. Das Nächstfolgende nach Häufigkeit ist noch das Avaloq-System, das im Moment nur mit 3 minus bewertet wird („Besserung in Sicht“, sagte ein süddeutscher Verwalter). Ein großer Münchener Verwalter lobt Psplus des gleichnamigen Herstellers aus Rödermark : „Unseres Erachtens das beste System auf dem Markt, allerdings auf Grund des Preises/der Anpassungs- und Wartungskosten wohl nur für Wenige eine echte Alternative.“ Bloomberg Port wurde für seine Performance im Handel gelobt. Investox löste ebenfalls Zufriedenheit aus. 

Keine Frage: VWD führt das Feld mit weitem Abstand an. Die Quasi-Monopolstellung hat aber offenbar auch Schattenseiten: „Die Preispolitik von Vwd in Verbindung mit der Marktstellung ist uns ein Dorn im Auge. Weitere Wettbewerber, die aus der Fintech-Bewegung entstehen, wären sehr wünschenswert.“ Zurzeit macht der etwa von der Baader Bank geförderte Privé Managers von sich reden. Zu einer nennenswerten Verbreitung hat das, nimmt man die Ergebnisse dieser, selbstverständlich nicht repräsentativen, Umfrage zur Grundlage, bislang aber noch nicht geführt.

Der Private Banker fragte auch nach den Verbesserungspotenzialen bei den Programmen und die Verwalter äußerten viele Wünsche, zuvorderst die Verbesserung der Schnittstellen. Denn: „Viele Korrekturbuchungen aus nicht übertragenen Transaktionen sind notwendig.“ Fast 49 Prozent der Befragten sehen hier Verbesserungsbedarf. Allerdings bedarf es dazu nicht nur einer Verbesserung der Programme und einer intensiveren individuellen Anpassung interner Abläufe. Gefragt sind auch die Banken, Broker und Depotstellen. „Auf der Bankenseite (z.B. Commerzbank) gibt es leider weiterhin Schnittstellenaversionen, die dringend beseitigt werden müssten“, teilt  einer mit. Ein anderer fordert: „Fondsdepotbank muss sich endlich öffnen!“. Consultant Behrmann warnt in dem Zusammenhang außerdem vor überzogenen Erwartungen der Vermögensverwalter an die Technik (s. Interview). Und er bringt so etwas wie ein zentralisiertes Schnittstellenmanagement ins Spiel, das die Mühen und Kosten der Anpassung auf mehrere Schultern verteilt und in der Lage sein könnte, einheitliche Standards durchzusetzen. Auch Verwalter machen sich Gedanken und fordern etwa „standardisierte Schnittstellen zu Lagerstellen, die nicht jeweils einzeln gezahlt werden müssen sowie Matching von Kundenportfolios, wenn der Kunde mehrere Lagerstellen nutzt.“ Auch externe Dienstleister bieten Softwaresysteme und deren Betrieb im Outsourcing an. Einige gehen sogar so weit, sich dabei auch um Schnittstellenbetrieb zu kümmern und Konten abzustimmen, wie etwa die iComps GmbH aus Bad Schwalbach. Welche Bedeutung sie aktuell im Markt haben, ist allerdings unklar. 

Neben den Schnittstellen geht es den Verwaltern auch um die Verbesserung des Reportings „Archivierung und Verwaltung der statistischen Berichte zum Reporting-Stichtag“ und um die Online-Anbindung von Kunden: „Anbindung von Endkunden, Reporting, Archiv, Ablagefunktionalitäten, App-Einbindung“ sind nur zwei konkrete Verbesserungsvorschläge von vielen.

Die Anforderungen an die Entwickler kommen nicht nur aus dem immer komplexer werdenden Zusammenhang zwischen Banken und Vermögensverwaltern. Hürden bauen sich auch wegen der immer präsenteren Regulatorik auf. Das zeigt sich am Beispiel Transparenz und Fonds. Ein wirklich transparentes Depot erfordert die zeitnahe Kenntnis der Zusammensetzung von  Fonds. Ein Verwalter fordert explizit den „look through Publikumsfonds“.

Fazit

Verglichen mit den Befragungen, die der Private Banker regelmäßig über KVGs und Depotbanken durchführt, präsentiert sich bei der Software noch ein eher chaotischer Markt. Bis sich einheitliche Standards, ein klares Feld der Anbieter und entwickelte, abgegrenzte Dienstleistungen herausgebildet haben, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Bislang so, scheint es, ist man noch nicht sehr weit gekommen.