White Label Robo Advisor: Wichtige Anbieter

Übersicht Anbieter Robo Advisor White Label
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* nur Volks- und Raiffeisenbanken
** nur für Sparkassen
               
    eigener Robo Advisor Co-Branding White Label Standard White Label ind. Individuell   Email
elinvar www. N ja ja ja ja Knapp Voith E Mail
Growney www. ja ja ja ja ja Signal Iduna E Mail
Investify www. ja ja N N N Haspa E Mail
Scalable www. ja ja ja ja N KSW E Mail
Meininvest* www. N ja ja N N Hannoversche Volksbank E Mail
VWD www. N n ja ja ja kA E Mail
Weadvise www. N N ja ja ja Jung, DMS & Cie E Mail
Fintego www. ja ja ja N N Wüstenrot E Mail
Bevestor** www. kA kA kA kA kA kA kA
Niiio AG www. ja ja ja N N kA E Mail
fintechcube www. N N ja ja ja dje E Mail
United Signals www. N N N N ja kA E Mail
Moneymeets www. N J N N N kA E Mail

White Label Robo Advisor

Robo Advisor – Labelling

Ein Überblick über die Kooperationsformen zwischen Robo-Anbietern und Vermögensverwaltern.

Vermögensverwaltungen sind so unterschiedlich wie kaum eine andere Dienstleistergruppe. Sie haben unterschiedliche Größen und Anlagestrategien. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Depotbanken und Brokern zusammen, bewegen sich in unterschiedlichen Anlagegebieten und bedienen ganz unterschiedliche Kunden. Kaum verwunderlich, dass sie auch beim Thema digitale Vermögensverwaltung nicht über einen Kamm zu scheren sind und an ihren Robo Advisor individuelle Anforderungen stellen.

Auf der anderen Seite formiert sich gerade eine Gruppe, die Robo Advisor für Vermögensverwaltungen im Angebot hat, zwar noch klein und überschaubar ist, aber die Möglichkeiten der digitalen Vermögensverwaltung ausspielen und die ganze Breite der möglichen Zusammenarbeit mit ihren Kunden, den Vermögensverwaltern, abbilden will. Der Private Banker hat mit Anbietern und Vermögensverwaltern gesprochen und stellt im Folgenden die Anwendungsmöglichkeiten für das konkrete Labelling dar.       

Black Label - Link

Die einfachste Form einen Robo Advisor besteht in der  Verlinkung zur Webseite. Interessierte Anleger kommen so erkennbar auf die Seite des Robo Advisors und werden dessen Kunde. Der Berliner Anbieter Growney nennt das „growney.de“.

Die Vorteile für Vermögensverwalter liegen, so Growney Sales Direktor Sergej Hermoni, auf der Hand: Man kann das sehr schnell einrichten (und wieder entfernen), es kostet wenig, man verdient mit der ersten Nutzung eine wenn auch kleine Provision (etwa als „Tippgeber“) und „haftet“ nicht für die möglicherweise negative Performance des digitalen Verwalters.

Der Nachteil dieser Variante: Der Anleger ist kein Kunde der Vermögensverwaltung. Die kommt mit dem Anleger in vielen Fällen gar nicht in Kontakt, hat keine Chance, eine Leistungsprobe abzugeben und  auch deswegen kaum Chancen, ihn jemals als Kunden zu gewinnen.

 

Black Label - Co-Branding

Die zweite Variante einer Robo Advisor-Lösung betreibt die Nürnberger Verwaltung KSW, die  eine Kooperation mit Scalable eingegangen ist. KSW stellt auf seinen Seiten Scalable grob vor und vermittelt Interessierte („händisch“) dahin. Manuela Rabener von Scalable bezeichnet die Lösung mit KSW als „eine simple Form der Anbindung, da keine technische Integration stattfand“.  KSW-Geschäftsführer Udo Schindler sieht das Angebot als eine Ergänzung und Alternative zugleich. Er erwähnt im Gespräch den Fall eines Kunden, der für seine Enkel (und voraussichtliche Erben) kleinere Depots angelegt sehen will, die KSW allein „nicht kostendeckend darstellen kann“. Mithilfe der digitalen Vermögensverwaltung kann man dem Kunden zumindest eine Alternative bieten.

Man habe sich den Markt angesehen und sei von der Qualität von Scalable überzeugt. Auch als weitergehende Alternative sieht er den digitalen Vermögensverwalter („… haben keine Schwierigkeit damit, dass einer unserer Kunden auch mal in den Robo Advisor Scalable als Ergänzung investiert“). Dahinter könnten zwei Überlegungen stehen: 1. Statt einen Kunden ganz zu verlieren, hilft beiden Seiten vielleicht eine Erfahrung mit einer (temporären) Alternative.  Und 2. wird die KSW Interessierte und Kunden, die zu Scalable wollen, selbst dorthin begleiten, behält also den Kontakt. Das kann sich später auszahlen, wenn zum Beispiel ein Kunde, der wegen vermeintlich zu hoher Gebühren der KSW unzufrieden ist, zu Scalable wechselt und später eventuell wieder in den „Normalbestand“ integriert werden kann. Jacob Hetzel von Investify erwähnt in dem Zusammenhang auch eine mögliche Glaubwürdigkeitsproblematik für einen alteingesessenen und etablierten Vermögensverwalter. „Beim Thema Robo Adviser mag ein junger Partner überzeugender wirken als die Integration in das eigene Unternehmen.“     

Die Lösung hat noch andere Vorteile: Sie ist schnell (in wenigen Tagen) und sehr preiswert umsetzbar. Die Verwaltung hat so gut wie keine Onboarding-Kosten für die Installation und Integration einer Software, es fallen keine laufenden Lizenzkosten und nicht die Einhaltung von datenrechtlichen Restriktionen an. Und man kann als Verwaltung ein paar Zusatzleistungen in Richtung hybrides Modell anbieten. Dazu gehört etwa das Angebot an den Kunden, neben dem Robo Advisory ein oder zwei persönliche Gespräche mit dem Verwalter pro Jahr führen zu dürfen.          

Dieses Co-Branding Modell ist im Markt nach unseren Beobachtungen durchaus auf dem Vormarsch.  Wir beobachteten es unter anderem auch bei der Zusammenarbeit von Investify und Hamburger Sparkasse. Für Kunden, die über die Haspa zu Investify gelangen, vereinbarten die Partner einen Fee-Split, so Jacob Hetzel von Investify.

 

White label - Standard

Wer die Standard-Variante des White Label Robo Advisors will, dem erstellt der Anbieter eine Verknüpfung auf einer Landing Page („Unser Robo Advisor“) und die Anbindung im Look und Feel der Verwaltungsseiten. Die Verwaltung übernimmt die Depotbank und das Produktuniversum, die von dem Anbieter vorgeschlagen werden.

Noch einfacher ist es für Partner von Investigo, etwa Wüstenrot. Wer den Wüstenrot ETF Managed Depot  anklickt, kommt auf die Seiten von Ebase. Abgesehen vom Namen, dem Logo und den Farben kommt eins zu eins der Investigo zum Einsatz.

Die Verwaltung gibt in aller Regel den Namen des Robo Advisors, die sichtbaren Texte und Auswahlmöglichkeiten vor und sie bestimmt außerdem,  welche Minima zu welchen All-In-Kosten angelegt werden dürfen, ob es Sparpläne geben darf und wie ein Kontakt erreichbar sein soll.

Nach wenigen Wochen ist so eine Variante dann meist implementiert und im Online-Betrieb. Es fallen üblicherweise eine Einrichtungsgebühr, monatliche fixe (Lizenz-) Gebühren für die Verwendung der Software plus einer Umsatzbeteiligung an. Nach unseren Recherchen zeigen sich die Anbieter momentan allerdings sehr kompromissbereit, was die Preise angeht. So werden offenbar auch Verträge ohne Einrichtungsgebühren und dem Vernehmen nach sogar ohne monatliche fixe Zahlungen vereinbart. Die Umsatzbeteiligung im Standardfall liegt dann bei vielleicht 40-50 Basispunkten. Vergleicht man das mit dem White Label Geschäft für Fonds, dann sind die jährlichen Kosten für Robos kaum geringer als die für Fonds. In Anbetracht der niedrigeren Gebühren im Endkundenbereich liegt eine befriedigende Größenordnung von Assets under Management im Robobereich deutlich über den für die Fondsanlage meist als lohnenswert betrachteten 20 Millionen Euro.  

Erst mit der White Label Lösung wird der Anleger Kunde der Verwaltung. Dieser Aspekt ist für viele Vermögensverwalter entscheidend. Trotzdem: Da der Robo Advisor sich auch bei dieser Lösung auf den Servern der White Label Anbieter befindet – die Server sind in der Cloud beheimatet – hat prinzipiell auch der Anbieter Zugriff auf die Investoren-Daten. Christian Ropel stellt in diesem Zusammenhang heraus, dass etwa Weadvise auf den Servern der Datev hostet und dass die zum Mutterhaus von Weadvise gehörenden Unternehmen Assets im Wert von mehr als 44 Milliarden Euro in Ihren Systemen administrieren. Vertrauensbildende Argumente.  

 

White Label - Individualisierte Lösung

Stärker individualisierte Robos dauern erheblich länger. Je nach Aufwand muss ein Verwalter von drei Monaten bis zu mehr als einem Jahr an Entwicklungs- und Onboardingzeit einplanen. Wir sprachen mit Vermögensverwaltern, die kurz vor dem Online-Gang stehen, aber angesichts der vielen Verzögerungen (die sich auf mehr als ein Jahr summierten) diesbezüglich nur mit dem Kopf schüttelten.

Im Gegensatz zum Standard-White Label Fall wird in der individualisierten Form meist ein eigener Markenauftritt eingeplant. Das erfordert oft auch einen eigenen Webauftritt, der prinzipiell im Leistungsumfang der Robo Advisor enthalten ist, aber im Detail natürlich sehr präzise auch mit dem Webverantwortlichen des Vermögensverwalters abgestimmt werden muss.

Neben den oben erwähnten Features kann der Verwalter die Zahl der Anlagestrategien sowie die Verknüpfung mit den Risikopräferenzen definieren. Er bestimmt die Depotbank und damit auch das Produktuniversum. Neben den üblichen ETFs kommen aktive Fonds und einzelne Wertpapiere in Betracht. Der Kunde bestimmt den Rechtsmantel (eigene Firma, angebunden an die Verwaltung etc.) und den kompletten Markenauftritt.

Natürlich kann der Verwalter in dieser Variante auch seine Preisvorstellung einbringen, nicht nur die Gebührensätze sondern auch das Gebührenmodell bestimmen. Im Rahmen einer All-IN Fee und bei Kosten von vielleicht 50 Basispunkten werden die meisten kleineren Verwaltungen mit All-In-Sätzen von unter einem Prozent kaum auskommen.

Im Hinblick auf hybride Modelle können in individualisierte White Label-Lösungen auch traditionelle Vermögensverwaltungselemente eingeflochten werden. Nur hier ist es möglich, die Strategien des Vermögensverwalters auch treffsicher digital abzubilden. Nur hier können Strategieänderungen schnell und unkompliziert digital umgesetzt werden. Das ist der große Vorteil dieser White Label Variante: Der Vermögensverwalter kann auch weniger kapitalstarke Kunden in den Genuss seiner Expertise kommen lassen. In den anderen Fällen ist der Robo Advisor immer eine Alternative zur eigenen Strategie mit den damit verbundenen Risiken (und Chancen). Hier erfolgt die (händische und digitale) Verwaltung aus einem Guss ähnlich wie bei den White Label Fonds.

 

Eigenentwicklung

Für die allermeisten Vermögensverwaltungen dürfte eine Eigenentwicklung keinen Sinn machen, solange man mit einer individuellen White Label Lösung alle gewünschten Ziele erreichen kann. Friedrich Wilhelm Kersting, der einst bei der Quirin Privatbank den Robo Advisor Quirion mitentwickelt hat, rät davon schon allein wegen der Kosten (im Millionenbereich) ab.

Für DJE gelten solche Finanzrestriktionen natürlich nicht. Der große Münchener Vermögensverwalter ließ sich von Finteccube seinen Robo Advisor Solidvest bauen. Die Entwickler um die beiden Geschäftsführer Gregor Puchalla und Florian Oswald gingen dafür sogar auf die Straße und befragten in mehreren Großstädten Passanten nach ihren Präferenzen. Herausgekommen ist dabei unter anderem die Berücksichtigung von Einzeltiteln und die Möglichkeit, individuell besondere Investmentthemen zu gewichten. 

 

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Robos - was geht?

Robo Advisor haben 2021 bei unabhängigen Vermögensverwaltern einen schweren Stand 

Flossbach von Storch hat das Thema auch in Angriff genommen. Letzte Woche verkündeten die Giganten unter den deutschen Unabhängigen, dass sie schon im Januar, also weitgehend unbemerkt, eine Vermögensverwaltung gestartet haben, bei der es ein digitales Onboarding, sieben unterschiedliche standardisierte Vermögensstrategien sowie ein digitales Reporting gäbe. Nein, man sei kein Robo, hieß es aus Köln. Das Angebot „Flossbach von Storch One“ solle auch nicht auf digitale Vermögensverwaltung reduziert werden. Natürlich wollen FvS aber in genau diesem Wettbewerbsfeld dabei sein und künftig gegen die Scalables, Liqids und Solidvests dieser Welt antreten, die digitale Zukunft nicht verpassen. Ähnlich erfreuliche Botschaften gibt es auch von der Kölner Maiestas. Die hat zusammen mit Investify eine digitale Verwaltung aufgesetzt. Das ist schon das zweite Angebot für Kunden Seit einiger Zeit ist man auch auf dem digitalen Marktplatz V-Check vertreten (s.a. den Gastbeitrag in dieser Ausgabe). Für Maiestas-Chefin Petra Ahrens ist das auch eine Folge der immer noch nicht befriedigend gelösten Schnittstellen-Problematik in der Verwaltung, die Voraussetzung, um Wachstum wirklich skalierbar zu machen.

Die Zahl der Robos wird sich durch diese Marktzugänge auf Jahressicht aber wohl dennoch nicht erhöhen, denn auf der anderen Seite haben einige unabhängige Vermögensverwalter ihre Programme wieder abgeschaltet oder planen dies zu tun.  

Ganz vom Netz ist Instafolio gegangen, der Robo der Hamburger DGK. Geschäftsführer Christian Gritzka, sieht dies mit gemischten Gefühlen. „Ohne sehr hohen Marketingaufwand lässt sich aktuell keine hohe Sichtbarkeit am Markt mehr erreichen. Wann sich eine solche Investition dann für den Vermögensverwalter rechnen würde, steht in den Sternen.“ Unterschiedliche Auffassungen über die Funktionalität der Plattform zwischen DGK und dem Technologie-Partner waren laut Gritzka am Ende ausschlaggebend für den Schlussstrich. Für kleinere Anlagesummen bietet DGK Interessenten jetzt eine standardisierte Anlagealternative auf der Basis von ETFs, in der Kunden die Expertise der Hamburger Verwaltung erleben können.

„Nicht mehr ganz so aktiv“ wird auch die Robo-Investmentmöglichkeit der KSW angeboten. Das Angebot der Nürnberger bestand darin, Interessenten mit kleineren liquiden Vermögen an Scalable weiterzuleiten. Über Scalable hatte dieses Kundenklientel die Möglichkeit kostenoptimiert eine vernünftige Depotstruktur aufbauen zu können. Die Mandatsgrößen im kleineren Bereich sind für den Nürnberger Vermögensverwalter nicht kostendeckend, weshalb man auf den Aufwand einer Lösung im eigenen Gewand bewusst verzichtet hatte. Nach gut vier Jahren äußert sich Geschäftsführer Wolfgang Köbler vom Interesse an dieser Leistung eher verhalten. „Die Kunden wünschen sich in ihrem Segment die gewohnte persönliche Ansprache“, sagt er.

Mit dem Gedanken, den eigenen Robo abzuschalten, beschäftigt sich seit einer Weile auch Marc-Oliver Lux von der Dr. Lux & Präuner Vermögensverwaltung aus Grünwald. Lux hatte die digitale Vermögensverwaltung als einer der ersten in der Gilde der Unabhängigen eingeführt. Mittlerweile hält sich seine Begeisterung bei dem Thema sehr in Grenzen. Selbst im Corona-Jahr konnte man keinen entscheidenden Zuwachs an dem ohnehin bescheidenen Kundeninteresse feststellen. Es fehle, so Lux, insbesondere den kleineren Verwaltern an Marketingkapazitäten. Er rechnet damit, dass das Thema digitale Vermögensverwaltung in Zukunft wohl nur noch von einigen Großen gespielt werden wird, die über die entsprechenden Vertriebskapazitäten verfügten.

Tatsächlich hat sich der Markt schon gehörig aufgespalten. Von den einst spezialisierten Robos sind mittlerweile einige, zuletzt etwa der Vaamo-Nachfolger Moneyfarm aus Deutschland verschwunden. Auch die Lieferanten von Robos für unabhängige Vermögensverwalter treten weniger offensiv auf und sind entweder wie Elinvar dabei, sich auf Banken und Gesamtlösungen zu kaprizieren. Oder man wandelt sich wie Growney mehr und mehr vom Dienstleister zum Wettbewerber. Es gibt auch wachsende Robos, insbesondere Scalable und Liqid. Beide zusammen kommen auf Assets von etwa vier Milliarden Euro, wahrscheinlich mehr als der gesamte Rest der Robos in Deutschland. Die Performance kann für diese Entwicklung kaum verantwortlich sein, denn ausgerechnet der Marktführer konnte in dieser Disziplin bislang kaum überzeugen. Es war wohl eher die kluge Geschäftspolitik, insbesondere das Marketing, mit dem Scalable bei Geldgebern und Kunden punktet. Liqid, die aus dem Umfeld der (ohnehin innovativen) Bad Homburger HQ Trust, dem Family Office der Quandt-Familie stammt, konnte insbesondere mit der Integration von Anlageklassen, die für kleinere Anlagen unerreichbar sind, punkten. In einer Befragung, die unsere Schwesterpublikation RenditeWerk bei Robos im vergangenen Monat veranstaltete, meldete Liqid in der Risikoklasse bis 30 Prozent Aktien das beste Ergebnis.

Ebenfalls sehr gut schnitt eine andere digitale Vermögensverwaltung ab, Vividam aus dem Hause der Marburger Finet. Vividam bezeichnet sich seit der Implementierung 2018 selbst als den grünen digitalen Verwalter, das passt gerade bestens zum ESG-Hype. Auch wegen dieser Ausrichtung konnte man von deren Boom im vergangenen Jahr profitieren. Nach Auskunft von Frank Huttel, dem CIO von Finet, der auch die Strategie für den Robo festlegt, hat man in diesem Jahr immerhin schon rund zehn Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln gewonnen. Ein guter Teil davon dürfte von den angeschlossenen Vermittlern der Marburger kommen, denn aufgrund der eher hohen Gebühren von knapp über einem Prozent für Vividam sind auch Tippgeber-Provisionen und Service-Pauschalen darstellbar. Auch die digitale Verwaltung von Maiestas ist nach Aussage von Petra Ahrens hoch genug bepreist, um den Vertrieb angemessen zu entlohnen. Das gilt auch für Flossbach von Storchs One:  Anlagebeträge zwischen dem Minimum von 100.000 und einer Million Euro kosten 1,2 Prozent. Beträge über eine Million Euro werden pauschal mit 0,95 Prozent berechnet. Selbst verglichen etwa mit den Angeboten, die unabhängige Verwalter und Banken für Individual-Mandate auf der Ausschreibungsplattform Finanzausschreibung.de abgeben, liegen diese „digitalen“ Gebühren in der oberen Hälfte der VV-Sätze.

Frank Huttel, CIO Finet

Das Finden eines Alleinstellungsmerkmales ist wohl für künftige Erfolge neben der Performance ein entscheidendes Kriterium für marketinglimitierte Wettbewerber. Ob die Aussage, man sei ja kein Robo, weil das Assetmanagement händisch erfolge, ausreicht, muss nach den bisherigen Erfahrungen bezweifelt werden. Auch die Aussage, man verwende keine ETFs, sondern auch aktive Fonds und Einzeltitel wird bei der Kundschaft wohl kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eher könnten schon spezialisierte Strategien wie etwa das Edelmetall-Depot von Maiestas zünden.   

Petra Ahrens, CEO Maiestas

 

Trotz der durchwachsenen Erfahrungen mit digitaler Vermögensverwaltung: Alle Beobachter sind sich sicher, dass das Digitale in der Vermögensverwaltung der Zukunft unaufhaltsam eine größere Rolle spielen wird. Auch Wolfgang Köbler von KSW zweifelt nicht daran. Und er testet schon neue erfolgversprechende Bausteine. Auf der Website des Verwalters haben Kunden verschiedene Möglichkeiten, digitale Angebote in Anspruch zu nehmen. Unter dem Befehlsreiter KSW Bankenportal können sie beispielsweise direkt auf vier verschiedene Depotbanken zugreifen und zur Depoteinsicht gelangen.

Unter dem Befehlsreiter KSW digital gelangen Interessierte und Kunden zu drei weiteren Angeboten. Das eine ist ein Tool für eine digitalisierte Finanzplanung, KSW Privatfinanz. Die Software stellt der Münchener Dienstleister XPS bereit. Nach Auskunft von Köbler nutzen „noch nicht übermäßig viele“  die eigenständige Eingabemöglichkeit, „weil Kunden hier gerne den Service der Beratung in Anspruch nehmen“. Köbler, dessen Analog-Kunden immerhin zu 60 Prozent „verplant“ werden, ist damit noch nicht ganz zufrieden, weil für die KSW „Finanzplanung eine Kerndienstleistung ist, mit der wir uns dauerhaft vom Wettbewerb abheben können“.

Wer sich über aktuelle Börsenkurse informieren möchte, gelangt mit einem Klick auf das „KSW Börsenportal“ auf die „Analyse und Trading-Plattform Guidance“, die zur Börse AG-Gruppe gehört. Anleger können sich Musterdepots anlegen, Experten-Tipps einholen oder einfach die Börsenkursentwicklung studieren.

Am zufriedensten scheint Köbler bislang mit dem Angebot von Wealthpilot auf seiner Seite zu sein. Der Dienstleister bietet Vermögensverwaltern individualisierte Analyse- und Informationsmöglichkeiten an. Endkunden können etwa auf einen Blick aggregierte Vermögenspositionen (ganz unterschiedlicher Provenienz) sehen, individuelle Vermögens- und Zahlungsziele einstellen und vieles mehr. KSW bietet den Dienst als Administrator in Zusammenhang mit der V-Bank an. Zusätzlicher Vorteil: Als Administrator hat die Vermögensverwaltung, mit Einwilligung des Vermögensinhabers selbstverständlich, Zugriff auf alle Seiten und der Kunde hat dann die Möglichkeit direkt mit einem Berater der KSW zielgerichtet zu sprechen.

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Empfehlung

Unsere Schwesterpublikation RenditeWerk befragte zwischen dem 26. Mai und dem 9. Juni insgesamt 21 digitale Vermögensverwaltungen nach den Erträgen 2020 in drei verschiedenen Risikoklassen. Wir empfehlen daraufhin:

 

Bis 30% Aktien: Liqid (7,66 Prozent, nach Kosten)

Bis 60% Aktien: Vividam (10,55 Prozent, n.K.)

Bis 100% Aktien: Vividam (17,67 Prozent, n.K.)

 

 

 

Robo Advisor - Der Markt 2018

Das Potenzial von Innovationen wird auf Fünfjahressicht meist überschätzt, auf Zehnjahressicht meist unterschätzt. So ist es auch beim Thema Robo Advisor, meint der Experte für digitale Vermögensverwaltung Friedrich-Wilhelm Kersting. Die digitale Vermögensverwaltung entwickelt sich, nachdem erste euphorische Schätzungen über das Marktvolumen nicht realisiert werden konnten, jetzt allmählich als fester Bestandteil der Wealth Management Landschaft. Den Eindruck unterstrich zuletzt eine Befragung der KPMG.

 

Akzeptanz  bei Endkunden

80 Prozent aller Anleger, so fand die USA-Filiale der KPMG kürzlich heraus, würden in einen Robo Advisor investieren. In Deutschland rechnen Experten wie Kersting damit, dass in absehbarer Zeit ein Drittel aller Wealth Management Dienstleistungen von digitalen Vermögensverwaltern übernommen werden.

Die Überraschung dabei: Robo Advisor sind nicht nur etwas für junge Erben oder überzeugte Nerds.  Laut KPMG nutzen zu 75% überdurchschnittlich Vermögende aller Altersgruppen die digitale Vermögensverwaltung. Weil man heute von einer älteren Kundengruppe ausgeht, haben viele Robos etwa von „Du“ auf „Sie“ umgestellt.

 

Verbreitung bei Wealth Managern

Laut KPMG-Umfrage hat bislang rund jeder sechste Wealthmanger/Asset Manager/ Insurance Asset Manager einen Robo Advisor. Weitere 35%, so KPMG, planen die Anschaffung. Unter den von der KPMG befragten Wealthmanagern beträgt die Beschaffungsabsicht sogar 100%! Bei unabhängigen Vermögensverwaltungen, so der Eindruck des Private Bankers nach einer stichpunktartigen Befragung, dürfte die Verbreitung noch deutlich unter zehn Prozent liegen.  

Fragt man unabhängige Vermögensverwalter, dann scheint bei ihnen gerade so etwas wie der Point of no Return erreicht zu sein: Robo Advisory ist keine Mode, die man aussitzen kann. Der Meinungsbildungsprozess über den richtigen Umgang mit digitaler Verwaltung scheint jetzt in vollem Gange zu sein.

Anbieter sehen den Markt sogar schon wesentlich weiter. Einer sagte zu uns: „Die grundsätzlichen Entscheidungen Pro oder Contra sind gefallen und viele haben sich auch schon für ein Modell entschieden.“

 

Vermögensverwalter - Motive zur Einführung eines Robos

Die Motive, einen Robo zu integrieren, sind unterschiedlich. Experte Kersting, der das Geschäft aus Sicht der Großbanken und der Wissenschaft (als Professor) kennt und einst den Robo Advisor der Quirin Privatbank mitentwickelt hat, warnt vor zu großen Erwartungen: „Wer glaubt, dass einen die Kunden mit dem 20ten Robo Advisor nur so bestürmen werden, wird sich täuschen“, sagt Kersting. Den Akquiseaufwand von 400 bis 500 Euro pro Kunde werden nicht alle Robos wieder einspielen.“

Die, die den Robo bereits haben, sind nach KPMG-Angaben entsprechend bescheiden. Wünsche nach Verbreiterung des Kundenportfolios und die Ergänzung der Dienstleistungspalette sind demnach vorherrschend.  Immerhin: 75% der Investmentmanager, die einen Robo Advisor haben, sind damit sehr zufrieden, weitere 25% zufrieden. Und: Alle wollen ihren Robo weiterentwickeln

Die, die ihn nicht haben, versprechen sich vor allem das Wachstum der Assets und einen insgesamt höheren Automatisierungsgrad vom Robo. Immer wichtiger scheint auch ein anderer Grund zu werden: 17% der Wealth Manager gaben in der KPMG-Befragung an, ohne Robos negative Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation (Stichwort: Imageschaden) zu fürchten.

Geringer scheint dagegen ein Vorbehalt zu werden, der noch vor einigen Jahren eine große Rolle gespielt hat: Die Angst, sich die eigene und viel billigere Konkurrenz ins Haus zu holen und damit das ureigene Geschäft zu kannibalisieren. „Berater und Verwalter sehen Robos am Anfang häufiger als Konkurrenz denn als Ergänzung zur althergebrachten Vermögensverwaltung“, berichtet Kersting. „Wir haben allerdings bei Quirion erlebt, dass mehr Kunden von Quirion zur Bank gewechselt sind als umgekehrt die Bank Kunden an Quirion verloren hat.“ Über die Entwicklung der Margen macht sich der Experte allerdings keine Illusionen. „1,5 Prozent werden Kunden in der herkömmlichen Vermögensverwaltung nicht dauerhaft akzeptieren, wenn man für 0,5 Prozent auch keine schlechteren Ergebnisse erzielt.“