Autoren: Maxime Darmet, Eric Barthalon; Allianz

Erstes FED Opfer: US-Immobilien

Lutz Siebentag -

 

Zusammenfassung: Die Autoren analysieren die aktuelle Anpassung des US-Immobilienmarkts an die neuen Zinshöhen. Die besteht derzeit im rapiden Rückgang von Hypothekenkredit-Anfragen und einem massiv gestiegenen Überangebot an Immobilien, das auf Nachfrage, auf Käufer wartet. Zwar hätten die Immobilienpreise noch nicht im vollen Ausmaß reagiert, die Autoren erwarten aber, dass sie bald kräftig fallen werden: Sie rechnen mit einem Rückgang in den nächsten 12 Monaten um 15%. Das, so die Autoren, werde dazu beitragen, die US-Wirtschaft 2023 in eine Rezession zu treiben. Allerdings sei die finanzielle Lage der Haushalte und die Qualität der Kredite besser als noch Mitte der 2000er Jahre.

 

Link zur Studie: “US housing market: The first victim of the Fed

Autoren: Mark Kerßenfischer, Maike Schmeling; Deutsche Bundesbank

Bewegte Beweger der Finanzmärkte

Lutz Siebentag -

 

Zusammenfassung: Kerßenfischer, Ökonom in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Deutschen Bundesbank, schreibt in der Kurzzusammenfassung einer mit Maike Schmeling verfassten Studie: „Werden Finanzmarktpreise hauptsächlich durch unerwartete Nachrichten getrieben oder durch andere Faktoren, die nichts mit wirtschaftlichen Fundamentaldaten zu tun haben, etwa Stimmungsänderungen der Marktteilnehmer? In den meisten wissenschaftlichen Modellen spielen Nachrichten über wirtschaftliche Fundamentaldaten eine dominierende Rolle. In empirischen Untersuchungen ist die Erklärungskraft solcher Nachrichten jedoch oft recht gering. Eine neue Studie untersucht dieses Problem anhand einer umfangreichen, mit Zeitstempeln versehenen, Ereignisdatenbank und findet, dass etwa die Hälfte aller hochfrequenten Marktbewegungen auf Nachrichten zurückgeführt werden kann.“ Und weiter unten lesen wir: „Etwa die Hälfte aller Aktien- und Renditebewegungen in den USA und im Euroraum treten in engen Zeitfenstern um eindeutig identifizierbare Nachrichten auf und lassen sich in diesem Sinne durch Nachrichten erklären. Im Vergleich zu vielen früheren Studien ist der Anteil erklärter Marktbewegungen recht hoch. Finanzmarktpreise scheinen also keineswegs von Nachrichten über Fundamentaldaten abgekoppelt zu sein.“

 

Link zur Kurzversion der Studie „Was bewegt die Märkte?“ als „Research Brief“ und Langversion als „Discussion paper (16/2022)“

Autoren: Rohit Goel, Deepali Gautam, Fabio Natalucci, IMF

Nachhaltige Geldanlage in Schwellenländern

Lutz Siebentag -

 Zusammenfassung: Die Studie gibt einen gerafften Überblick über die „multidimensionale“ Evolution nachhaltiger Geldanlagen in Schwellenländern. Es handelt sich nach Angaben der Autoren um den ersten umfassenden Überblick zu diesem Thema, wenngleich das IMF-Arbeits-Papier mit 29 Seiten nicht allzu dick ausfällt. Behandelt werden in separaten Kapiteln die Treiber nachhaltigen Investierens in Schwellenländern, die Größe und das Wachstum der dortigen Nachhaltigkeitsmärkte, Green Bonds, Differenzen zu entwickelten Ländern, Schlüsselbereiche zukünftiger Entwicklung und politische Optionen.

 Link zur Studie: “Sustainable Finance in Emerging Markets: Evolution, Challenges, and Policy Priorities

 

Div. Autoren

Neue Wealth Reports

Lutz Siebentag -

Neue Wealth Reports

 

In den letzten Monaten ist eine Reihe von Wealth Reports veröffentlicht worden. Wir verlinken zu drei dieser Reports.

 

Capgemini

Link zu: “The World Wealth Report 2022”

https://www.capgemini.com/de-de/news/world-wealth-report-2022/

 

 

Credit Suisse

Link zu: “Global Wealth Report 2022” und “Global Wealth Databook 2022”

https://www.credit-suisse.com/about-us/en/reports-research/global-wealth-report.html

 

Boston Consulting Group

Link zu: “Standing Still Is Not an Option – Global Wealth 2022”

https://www.bcg.com/de-de/publications/2022/standing-still-not-an-option

 

Forschungsüberblick

Künstliche Intelligenz im Asset Management

Lutz Siebentag -

Meist werden Beiträge zur künstlichen Intelligenz mit anthropomorphen Roboterköpfen bebildert. Das führt in unserem Fall ein wenig in die Irre. Man sollte sich KI im Portfoliomanagement eher vorstellen wie eine Seite aus einem upgedateten Statistiklehrbuch: oben sehen wir eine Grafik aus dem englischsprachigen Wikipedia-Beitrag zur Support Vector Machine.

Herausgeber: Arne Holzhausen, Allianz Research

Mittelklassen aller Länder vereinigt euch

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Eine saubere Klassenanalyse war das A&O einer Gesellschaftstheorie, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts den tendenziellen Fall der Rendite als den Vorboten des Verschwindens der Kapitalmärkte überhaupt postulierte. Zuzugeben ist allerdings: um von „Class“ zu reden, brauchte man im englischsprachigen Raum nie Ultra-Fan dieser Denkrichtung zu sein. Dass heute auch in Deutschland die Berührungsängste geschwunden sind, ja, dass Probleme des Klassenkampfs sogar ein Anliegen der Mitte der Gesellschaft sind, zeigt sehr schön die Forschungsabteilung der Allianz, die uns jährlich mit der neuesten Klassenanalyse versorgt. In der jüngsten Ausgabe geht sie dem möglichen Problem des tendenziellen Falls des Vermögensanteils der Mittelklasse nach. Was ist die Mittelklasse? Der Allianz-Report fasst darunter die Bevölkerung, die über ein Vermögen von 30 bis 180 Prozent des nationalen Mittelwerts verfügt. Dem Kurzreport zufolge hat diese Mittelklasse in Deutschland einen Anteil am Nettofinanzvermögen von 23%, in der egalitäreren Slowakei von 60%. In den meisten Ländern hat der Anteil der Mittelklasse-Vermögen seit 2008 am Gesamtvermögen abgenommen. Dies hat unterschiedliche Ursachen. Welche, kann der interessierte Leser im Report selber nachlesen.

 

Link: Is the Wealth Middle Class shrinking?

 

https://www.allianz.com/en/economic_research/publications/specials_fmo/2022_02_17_WealthMiddleClass.html

 

Autoren: Baltas, K.; Fiordelisi, F.; Mare D.S.; Universitäten Essex und World Bank U. of Edinburgh B.S.

Alternativlose Alternative bei Naturkatastrophen

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Was tun US-Unternehmen, die von Naturkatastrophen betroffen sind? Offenbar greifen sie in diesem Fall vermehrt auf Möglichkeiten der alternativen Finanzierung zurück – auf Private Equity, Crowdfunding und Venture Capital. Der Hauptgrund hierfür ist, dass bei Unternehmen, die von extremen Naturgewalten betroffen sind, die finanzielle Situation in verschiedenerlei Hinsichten sehr angespannt ist. Das hat zur Folge, dass für diese Unternehmen der Zugang zu klassischen Finanzierungsinstrumenten stark beschränkt ist, insbesondere war Bankkredite anbelangt. Die Autoren zeigen, dass in diesem Fall vor allem große Unternehmen, Nicht-IT-Firmen und Startups auf alternative Finanzierungsinstrumente zurückgreifen.

Link: Alternative Finance after Natural Disasters

http://repository.essex.ac.uk/30406/

Autoren: Mattera, R.; Di Sciorio, F.; Trinidad-Segovia, J.E.; Universitäten Neapel und Almeria

Saubere Klassenanalyse

Lutz Siebentag -

 

Zusammenfassung: Die großen, sehr transparenten Aktienmärkte des Westens gelten als „relativ“ effizient. Aber relativ ist eben nicht absolut. Das bedeutet, dass sie auch Ineffizienzen haben, die von Zeit zu Zeit auch etwas kräftiger ausfallen können. Die Autoren weisen darauf hin, dass Effizienzmaße so zu gestaltet sind, dass sie auch zeitlich variieren können. Ihr Arbeitsmodell ist die Hypothese der adaptiven Märkte. Aber wie können in diesem Rahmen Ineffizienzen bzw. Effizienzen überhaupt definiert, ermittelt, gemessen werden? Mit nur einem Indikator, so finden Mattera und Kollegen, sei Marktineffizienz nur schwer zu erfassen. Daher, so ihr Vorschlag, sollte ein synthetisches Messkonzept für Ineffizienzen verwendet werden. Ein solches, das mehrere gebräuchliche Indikatoren amalgamiert, stellen sie in ihrer Arbeit vor.

Die drei italienischen Wissenschaftler erproben ihren neuen Index sogleich an den Leitindizes der Niederlande, Belgiens, Frankreichs, Spaniens, der Schweiz, Österreichs und Deutschlands. 

Ein Ergebnis ihrer Untersuchung ist, dass Ineffizienzen an den jeweils per Index abgedeckten Märkten nachzuweisen sind, die zeitabhängig sind. Wer darüber mehr erfahren möchte, kann sich gerne in der Studie selber umsehen, sollte sich aber von dem einen oder anderen Formelgebirge nicht abschrecken lassen.

 

Link: A Composite Index for Measuring Stock Market Inefficiency

 

https://www.hindawi.com/journals/complexity/2022/9838850/

Papa Freud und infantile Anleger

Geldanlage: Die paranoid-schizoide Phase

Lutz Siebentag -

Das Unbewusste kam im 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum unter Denkern (u.a. Schelling, Schopenhauer) schwer in Mode. 1869 legte Eduard von Hartmann eine „Philosophie des Unbewussten“ vor. Nietzsche las ihn, trainierte aber seinen „bösen Blick“ lieber am edlen, aber zunehmend fadenscheinigen Mantel von Moral und Werten, unter dem er die „niedrigen“ Motive hervorzerrte; er gab damit der deutenden Psychologie entscheidende Impulse. Auf Nietzsche aufbauend übersetzte Freud Tragödien des Sophokles gewissermaßen neu, überaus kühn und mit außerordentlicher Phantasie in eine tiefenpsychologische Wissenschaftsprosa. Aus Dichtung wurde Deutung mit Erfolgs- und Wahrheitsanspruch. Das Ende des 19. Jahrhunderts war da schon erreicht und das neue begann mit der 1900 veröffentlichen Schrift „Die Traumdeutung“. Damit war eine neue Phase des Unbewussten eröffnet; der ging aber gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein wenig die Puste aus. Mit dem Beginn des dritten Jahrtausends erhielt das Konzept des Unbewussten durch entsprechende Interpretation neurophysiologischer Forschungsergebnisse und die illustrative Macht bildgebender Verfahren einen neuen Schub. Auch ein Begründer von Behavioral Finance, Daniel Kahneman, operiert mit einem psychologischen 2-Subsystem-Konzept, wovon das eine Subsystem nur schwach auf die knappen und energieaufwendigen Bewusstseinsprozesse zugrückgreift. Mit Freud hat das nicht unbedingt etwas zu tun. Explizit auf Freud beruft sich hingegen der Emotional-Finance-Ansatz.    

Herausgeber: Dirk Niepelt, CEPR

Kryptische Zentralbanken

Lutz Siebentag -

Kryptische Zentralbanken

Herausgeber: Dirk Niepelt, CEPR

Zusammenfassung: 19 Fach-Beiträge, die sich mit dem Thema Kryptowährungen und Zentralbank befassen (192 Seiten).

Link zur Studie: Central Bank Digital Currency: Considerations, Projects, Outlook

 

https://voxeu.org/content/central-bank-digital-currency-considerations-projects-outlook

Herausgeber: ThoughtLab / Deloitte

Vermögensverwaltung 4.0

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Auch ThoughtLab / Deloitte identifizieren Megatrends der Vermögensverwaltung, und zwar sechs an der Zahl:

(1) Wandel in Richtung digitaler Interaktion; (2) bewussteres Investieren; (3) Demokratisierung von Produkten und Dienstleistungen; (4) höhere Standards; (5) niedrigere Gebühren; (6) wachsende Bereitschaft zu Anbieterwechsel.

Link zur Studie: Wealth and asset management 4.0

 

https://www2.deloitte.com/global/en/pages/financial-services/articles/wealth-and-asset-management-four-how-digital-social-and-economic-shifts-will-transform-the-industry.html

 

Herausgeber: Capgemini

Schlachtfelder der Vermögensverwaltung 2022

Lutz Siebentag -

 

Zusammenfassung: Capgemini analysiert Toptrends in der Vermögensverwaltung für die nächste Zukunft. Dabei kommt einigen während der Corona-Pandemie gestärkten Trends besondere Aufmerksamkeit zu. Das gilt insbesondere für die Dauerbrenner Digitalisierung, Cybersecurity and human-centered Design. Nachhaltigkeit darf gleichfalls nicht fehlen. Und auch Intelligenzzuwachs im Hinblick auf die analytischen Fähigkeiten und Datenverarbeitung wird als Trend erkannt.

Alles in Allem lautet das Fazit der Capgemini-Strategen: “… client experience is the new battleground.”

Link zur Studie: Top Trends in Wealth Management: 2022

https://www.capgemini.com/resources/top-trends-in-wealth-management-2022/

 

 

Autor: Daniel Waldenström

Vermögen und Geschichte

Lutz Siebentag -

 

Zusammenfassung: In den letzten Jahren schaffte es die Diskussion um die Geschichte des Reichtums bzw. der Verteilung zweimal durch Bücher kurzzeitig in die breitere Öffentlichkeit zu gelangen. Das eine Buch war das 2013 veröffentlichte Opus „Le Capital au XXIe siècle“ (dt. 2014: „Das Kapital“) des französischen Ökonomen Thomas Piketty. Er legte damit eine theoretisch ambitionierte Interpretation von empirischen Studien der jüngeren Zeit vor, die sich mit der Verteilungs- und Kapitalentwicklung etwa seit der Industrialisierung unter Einbezug der obersten 1 und 0,1 Prozent befassten. Das andere Buch wurde 2017 veröffentlicht unter dem Titel „The great leveller. Violence and the history of inequality from the stone age to the twenty-first century” (dt.2018, Nach dem Krieg sind alle gleich) des in Stanford lehrenden österreichischen Alt- und Wirtschaftshistorikers Walter Scheidel. Er identifiziert in seinem Buch in der bisherigen Geschichte der Menschheit vier große Gleichmacher: Krieg; Revolution; Staatszusammenbruch; Seuchen.

Waldenström arbeitet in dem Forschungsstrang, den Piketty theoretisch auf empirischer Basis zu synthetisieren versuchte. Er stellt aber in seinem neuen Arbeitspapier Thesen sowohl von Piketty wie auch von Scheidel in Frage. Auf einer neuen empirischen Datengrundlage kommt er zu folgenden Ergebnissen: Erstens seien die Reichtums-Einkommens-Ratios vor dem zweiten Weltkrieg geringer gewesen als vielfach gedacht – sogar geringer als in Europa heute. Es habe hier also kein starker Wandel stattgefunden. Zweitens habe sich die Reichtumsstruktur im letzten Jahrhundert verändert. Die zunächst von Land- und Unternehmenseigentum dominierte Reichtums-Zusammensetzung habe sich insbesondere seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Richtung Immobilien und Pensionen verschoben. Mit anderen Worten: der Anteil von Elitenreichtum habe sich vermindert zugunsten von Massenreichtum. Drittens: Die Reichtumskonzentration sei insgesamt im 20. Jahrhundert bis in die 70er Jahre stark gefallen. Sie sei dann in Europa historisch gering geblieben, während sie in den USA gestiegen sei. Viertens: Gewinn- und Lohnquoten seien langfristig relativ konstant geblieben. Insgesamt sei die Rolle der beiden Weltkriege und der progressiven Besteuerung als „Leveler“ kleiner als bisher gedacht.

 

Link zur Studie: Wealth and History: An Update

https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3950101

 

 

Herausgeber: World Bank 2021

Der etwas andere Wealth Report

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Den Vermögens- oder Kapitalbegriff kann man enger fassen oder auch weiter. Relativ weit war die Variante des extrem einflussreichen französischen „Vermögens“-Soziologen Bourdieu, der symbolisches Kapital (Ansehen, Ehre usw.), soziales Kapital (nutzbares Netzwerk), kulturelles Kapital (Kompetenzen im Bereich von Hoch- bis Niederkultur) und ökonomisches Kapital unterschied. Nur Letzteres maß er monetär, die anderen Vermögensformen „maß“ er idiosynkratisch bzw. ziemlich freihändig-sprachlich. Mit der Humankapitaltheorie von Becker wurde aber schon zuvor Wissen / Können (einschließlich Gefühle usw.) monetär bewertbar und damit der ökonomischen Analyse zugänglich gemacht. Die Weltbank hat vor einigen Jahren einen Reichtumsbericht mit erweitertem Kapital- bzw. Vermögensbegriff vorgelegt. Dabei wurden dem im engeren Sinne ökonomischen und von Personen abtrennbaren Vermögen – wie wir es aus den obligatorischen Wealth Reports oder wie es Vermögensverwalter aus ihrer Praxis kennen – zwei weitere Sorten zugefügt: Humankapital (Einheit von Kapital/Vermögen und Person) und Natur-Kapital, das noch nicht intendiert durch menschliche Arbeit transformiert worden ist. Beide Kapitalsorten werden monetär bewertet, so dass sich der Wealth of Nations 2021 aus drei Komponenten zusammensetzt. Aber Vorsicht: der etwas andere Wealth Report hat 504 Seiten. Es gibt jedoch auch noch verschiedene summary-Versionen und den kapitelweisen Zugang.

 

Link zur Studie: The Changing Wealth of Nations 2021 : Managing Assets for the Future. Washington, DC

https://openknowledge.worldbank.org/handle/10986/36400

 

McKinsey

Unproduktive Vermögen

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: McKinsey legt mit dieser Studie eine Bilanzanalyse der Vermögen von 10 Ländern vor, die 60 Prozent des Weltvermögens repräsentieren, darunter auch Deutschland. Die Autoren glauben auf Basis ihrer Datenanalysen ein doppeltes Paradox zu erkennen: Erstens sei der allergrößte Teil des Reinvermögens gleichsam in der seit ewigen Zeiten bekannten Gestalt von „Backstein und Mörtel“ gespeichert, während wir uns doch auf dem Weg in das Digitale Zeitalter befinden würden. Zweitens expandierten in den letzten  Jahrzehnten die Vermögen kräftig, obwohl das Wirtschaftswachstum eher verhalten gewesen sei. Dieser Divergenz und „Ungleichzeitigkeit“ geht die Studie nach, auch um Konsequenzen für „adäquatere“ Vermögensformen im 21. Jahrhundert zu erkunden. Zum deskriptiven Teil der Studie gehört etwa die Feststellung, dass zwei Drittel des erfassten Reinvermögens – Humankapital wird dabei nicht berücksichtigt – in Immobilien stecke und nur 20 Prozent in Formen, die den Autoren eher als Wachstumstreiber geeignet erscheinen. Zudem liege derzeit das Verhältnis von Reinvermögen zu Volkseinkommen um nahezu 50 Prozent höher als im Zeitraum zwischen 1970 und 1999, was Folge unterschiedlicher Wachstumsraten ist. Daraus leiten die Studienautoren verschiedene Fragen ab: Sind die gegenwärtigen Vermögen wirklich produktiv angelegt ist? Wird es in naher Zukunft zu einem Paradigmenwechsel in Richtung neuer Vermögensformen kommen? Welche könnten dabei eine Rolle spielen? Oder bewegen sich die kräftig gestiegenen Vermögens-Bewertungen wieder in Richtung des langfristigen Durschnitts, also nach unten? Mit welchen Szenarien ist in Zukunft zu rechnen? Die Fragen und Antworten werden im 7. Kapitel der insgesamt fast 200 Seiten langen Studie präsentiert. Die Studie kann über den Link, den wir unten setzen, per Freischaltung abgerufen werden. Es reicht allerdings auch, über google den Titel der Studie und eventuell auch noch „pdf“ einzugeben, dann bekommt man einen unmittelbaren Zugang.

 

Link zur Studie: The rise and rise of the global balance sheet: How productively are we using our wealth?

https://www.mckinsey.com/industries/financial-services/our-insights/the-rise-and-rise-of-the-global-balance-sheet-how-productively-are-we-using-our-wealth

Herausgeber: Allianz Research

Wann kommen die Metzger?

Lutz Siebentag -

Sparschweine gemästet wie noch nie

Zusammenfassung: Der im Oktober 2021 veröffentliche Wealth Report der Allianz fokussiert sich auf die Vermögensentwicklung im Jahr 2020. In der Pressemitteilung heißt es: „Das globale Brutto-Geldvermögen stieg 2020 um 9,7% und erreichte damit erstmals die magische Marke von 200 Billionen Euro. Ersparnisse waren der Hauptreiber der Entwicklung. Die Lockdowns reduzierten die Konsumgelegenheiten drastisch und führten zum globalen Phänomen der ‚forced savings‘. Frische Spargelder schnellten um 78% in die Höhe auf 5,2 Billionen Euro, ein absoluter Rekordwert. Zuflüsse in Bankkonten – sozusagen die Standardoption der ‚forced savings‘, nicht-ausgegebene Einnahmen bleiben einfach auf dem Konto liegen – verdreifachten sich nahezu (+187%). Auf Bankeinlagen entfielen in allen untersuchten Märkten die Hälfte oder mehr der frischen Spargelder. Bankeinlagen weltweit stiegen daher erstmals zweistellig mit einer Rate von 11,9%; der bisherige Spitzenwert lag bei 8% 2008 während der großen Finanzkrise. Während auch die Vermögensklasse der Wertpapiere – getrieben von der starken Börsenentwicklung – kräftig um 10,9% zulegte, war die Entwicklung bei Versicherungen und Pensionsfonds deutlich verhaltener (+6,3%).“ Über Deutschland heißt es: „Das Brutto-Geldvermögen der deutschen Haushalte stieg im Jahr 2020 um 6,6%, der zweitstärkste Anstieg seit der Jahrhundertwende (nach 7,8% im vorangegangenen Jahr). Dies war auch (leicht) über dem westeuropäischen Durchschnitt von 5,8%. Treiber der Entwicklung waren die Vermögensklassen Wertpapiere (+9,1%) und Bankeinlagen: Letztere wuchsen dank der Rekordersparnis von knapp 400 Milliarden Euro mit 7,9% so schnell wie nie zuvor. (Versicherungen und Pensionsfonds erzielten ein Plus von 3,5%.) Auch die Verbindlichkeiten erzielten das zweitschnellste Wachstum und wuchsen um 4,3% (2019: 4,6%), mehr als einen Prozentpunkt über dem regionalen Durchschnitt. Für 2021 ist mit einer ähnlich dynamischen Entwicklung zu rechnen – sofern keine kräftige Korrektur an den Aktienmärkten eintritt. Bereits im ersten Halbjahr dürfte das Geldvermögen um gut 4% gestiegen sein.“

Link zur Studie: Allianz Global Wealth Report 2021: Saving from home

https://www.allianz.com/en/economic_research/publications/specials_fmo/2021_10_07_AllianzGlobalWealthReport2021.html

Florian Sommer und Helge Wulsdorf, Forum Nachhaltige Geldanlagen

Impact Investing aus Sicht des FNG

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Das neue FNG-Spezial präsentiert den aktuellen Stand der Forschung des „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ zum Thema Impact Investing. Der Bericht ist in sieben Hauptabschnitte gegliedert.

Der erste Hauptabschnitt enthält einen Überblick über den Markt für Impact Investments; darunter Ergebnisse eine im Rahmen des FNG-Marktberichts 2021 durchgeführten Umfrage.

Der zweite Hauptabschnitt präsentiert einen Literaturüberblick zum Thema und unterschiedliche Definitionen. Das FNG stellt seine eigene Nachhaltigkeitsdefinition vor. Separate Unterthemen sind: „Transformation als Ausgangs- und Zielpunkt der Impact-Debatte“; „Beiträge aus Wissenschaft und Literatur“; „Weitere Erkenntnisse und Impulse für die Impact-Debatte.“

Der dritte Hauptabschnitt handelt von der Dynamik durch Regulierungen. Die Autoren erachten die EU als aktiveste Treiberin einer Regulierung des Impact Investings. Die Subthemen sind: „Transparenz über die wichtigsten nachteiligen Nachhaltigkeitsauswirkungen“; „Gesamtnachhaltigkeitswirkung von Investments“; „Das EU-Taxonomie-Regelwerk“; „Fehlende Marktreife der Taxonomie als Handicap für die Praxis“; „Greenwashing und Irreführung verhindern.“

Der vierte Hauptabschnitt thematisiert den Verbraucherschutz mit den Unterpunkten: „Impact als Qualitätsmerkmal“; „Nicht-nachweisbarer Impact als Reputationsrisiko“.

Der fünfte Hauptabschnitt setzt sich mit dem Stellenwert von ESG-Impact-Maßnahmen in der Politik auseinander, weiter untergliedert in: „Verunsicherung durch Regulatorik“ sowie „Konsistenz und Klarheit Gebote der Stunde“.

Dann folgen eine Zusammenfassung mitsamt Ausblick sowie weiterführende Informationen, Literatur, Studien und Internetlinks mitinbegriffen.

Link zur Studie: Impact. Strategisches Zukunftsthema für den Markt Nachhaltiger Geldanlagen

 

Vincent Giorgis, Tobias Huber und Didier Sornette, ETH Zürich

Finanzblase tut Nachhaltigkeit gut

Elmar Peine -

 

„Rettung und Profit“ – Durchbruchsblase

Zusammenfassung: Finanzblasen lassen sich identifizieren und ihr Platzen lässt sich in Grenzen prognostizieren. Vincent Giorgis, Tobias Huber und Didier Sornette definieren eine Aktienmarktblase über superexponentielles Kurswachstum. Die Wachstumsrate wächst also selber. Zudem existiert eine Singularität: der Kurs wird in endlicher Zeit unendlich. Ein weiteres Blasen-Kriterium ist die steigende Amplitude der Niederfrequenz-Volatilität. Eine empirische Überprüfung des Modells anhand eines Clean-Tech-Aktienindizes bestätigt, dass zwischen 2004 und 2008 eine Clean-Tech-Blase entstand. Eine Blase dieser Art ist inhärent instabil. Deshalb lässt sich der Kollaps der Blase per Wahrscheinlichkeit prognostizieren.

Eine Blase dieser Art bildet sich durch positive Rückkopplungen verschiedener Faktoren. Wesentlich für die Entstehung der Clean-Tech-Blase am Aktienmarkt waren „Risikokapitalisten“, die nach dem Platzen der Dotcom-Blase ein neues Aktionsfeld suchten; im Clean-Tech-Segment wurden sie fündig. Sie rechneten mit einem noch höheren Markt- und Gewinnpotential als im Internetsegment. Blasen-Faktoren waren der Studie zufolge unter anderem: extremer Gewinnoptimismus; eine moralisch und emotional hochgradig aufgeladene „Erzählung“: die katastrophische Deutung des Klimawandels in Verbindung mit der Möglichkeit der Rettung durch Clean Energy; die soziale Ausbreitung von Einschätzungen, Erwartungen und Investitionsverhalten durch Imitation und Herdenverhalten; steigende staatliche Subventionen. Das komplexe Netzwerk gegenseitig sich verstärkender Faktoren trieb die Preise in eine superexponentielle „Kurve“. Die Blase platzte im Jahr 2008. Die Ursache war aber nicht die Finanzkrise, sondern die inhärente Instabilität.

War die Clean-Tech-Blase ein Desaster für die Nachhaltigkeit? Nein, das Gegenteil sei der Fall. Die Clean-Tech-Blase habe Kapital in einem Umfang in ein Energiesegment gelenkt, das bei rationaler Kalkulation viel weniger Kapital attrahiert hätte. Dadurch entstanden Clean-Tech-Strukturen, an die später verändert angeknüpft werden konnte. Die Clean-Tech-Blase hatte also die Funktion eines Katalysators für Nachhaltigkeit, die sonst verzögert oder auch anders aufgebaut worden wäre. Exemplarisch wird immer wieder Musk erwähnt.

Link zur Studie: “Salvation and Profit”: Deconstructing the Clean-Tech Bubble

div.

Das Grünium oder der Nachhaltigkeitsabschlag

Elmar Peine -

Das Grünium – drei Studien

Kurzzusammenfassung: Als „Greenium“ oder „Green Bond Premium“ wird eine Prämie bezeichnet, die Investoren bereit sind, für eine grüne Anleihe an die Emittenten zu „zahlen“, indem sie zu Abstrichen bei der Rendite bereit sind. Üblicherweise lautet ja das Argument im Zusammenhang mit nachhaltiger Geldanlage, dass Renditeziele und ESG-Kriterien durchaus ohne solche Abstriche vereinbar sind. Viele Studien zeigen denn auch, dass nachhaltige Produkte insbesondere im Aktienbereich bei der Finanzperformance zumindest nicht schlechter abschneiden als konventionelle Anlagen. Allerdings scheint das bei Green Bonds vielfach nicht der Fall zu sein. Hier scheint häufiger ein Substitutionsverhältnis zwischen Rendite und Nachhaltigkeit zu bestehen. Im Folgenden verlinken wir zu drei Studien, die in jüngerer Zeit zum Green Bond Premium bzw. Greenium veröffentlicht worden sind.

 

Studie 1: Einer Studie von Löffler, Petreski und Stephan liegen 2000 grüne Anleihen und 180.000 nichtgrüne Anleihen zugrunde. Ihre Untersuchung ergibt, dass die Erträge von grünen Anleihen sowohl auf Primär- als auch auf Sekundärmärkten im Schnitt 15 bis 20 Basispunkte tiefer liegen als die von konventionellen Anleihen.

Link zur Studie „Drivers of green bond issuance and new evidence on the ‚greenium‘”

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s40822-020-00165-y.pdf

 

Studie 2: Die Studie von Dorfleitner, Utz und Zhang zeigt, dass gerade bei grünen Anleihen, die einer externen Evaluation durch Dritte unterliegen, Investoren bereit sind, eine geringere Rendite oder einen höheren Preis zu akzeptieren. Dorfleitner et al. schätzen generell das Greenium schwächer ein als Löffler et al. nämlich auf 1 Basispunkt. Bei extern begutachteten grünen Anleihen liege dieser Wert aber bei 3 bis 4 BP, bei hoher Grün-Bewertung bei 4 oder 5 BP. 

Link zur Studie „The pricing of green bonds: external reviews and the shades of green“

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11846-021-00458-9.pdf

 

Studie 3: Eine Untersuchung von Silmane, Da Fonseca und Mahtani findet gleichfalls überwiegend ein Greenium zwischen 2,2 und 4,7 Basispunkten. Dabei unterscheiden die Autoren auch nach Unterkategorien der Bonds und nach Marktsegmenten. Sie beobachten ebenfalls einen Zusammenhang zwischen Greenium und Grad des ESG-Ratings.

Link zur Studie „Facts and Fantasies about the Green Bond Premium“

https://www.researchgate.net/publication/348650560_Facts_and_Fantasies_about_the_Green_Bond_Premium

Vineer Bhansali, LongTail Alpha, LLC.

Anomalie oder keine Anomalie?

Elmar Peine -

 

Kurzzusammenfassung: Der gelernte theoretische Physiker Vineer Bhansali publizierte 1992 noch Artikel wie „A New Anomaly Matching Condition?“. Bei dieser Anomalie handelt es sich um „Witten’s global SU(2) anomaly“. Diese Anomalie bezieht sich auf eine mathematische Inkonsistenz im Kontext von Eichtheorien. In den letzten Jahrzehnten verschob allerdings Bhansali seinen intellektuellen Schwerpunkt von der theoretischen Physik der Elementarteilchen zur Geldanlage. Auch in diesem Fachgebiet scheint ihn eine Art Anomaly zu interessieren, die zwar nicht mathematisch inkonsistent ist, aber doch vielen Beobachtern ökonomisch zumindest so seltsam erscheint, dass ihre Normalvorstellungen lange vor einer gewissen Herausforderung standen und oft immer noch stehen. Schnell wurde von „A New Normal“ gesprochen, um das unangenehme Anomalie-Gefühl loszuwerden. Ob aber der Intellekt vollumfänglich mitziehen konnte, ist nicht ganz so sicher, wie die beschwörende und Zweifel wegdrängende Redewendung suggerieren möchte. Gemeint sind in unserem Fall nämlich negative Zinsen. Bhansali, Gründer und Chef von LongTail Alpha, hat soeben ein weitgehend nichttechnisches, über 100-seitiges e-Buch veröffentlicht mit dem Titel „The Incredible Upside-Down Fixed-Income Market. Negative Interest Rates and Their Implications“. Das Buch gibt einen Überblick der Debatte um negative Zinssätze und Anleihe-Renditen. Er schaut auf Rentenmärkte mit negativer Rendite und auf die verschiedenen Gründe für das negative Vorzeichen. Er stellt sich die Frage, wer negativ rentierende Bonds kauft. Er geht auf die Rolle der Zentralbanken ein. Er diskutiert die vielfältigen Konsequenzen für die Preise auf Geld- und Vermögensmärkten insgesamt – auch Derivate und digitale Währungen werden miteinbezogen – und für das Risikomanagement. Die Abhandlung schließt ab mit einer summarischen Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse und einem kurzen Nachwort.  

Link zur Studie „The Incredible Upside-Down Fixed-Income Market. Negative Interest Rates and Their Implications“

https://www.cfainstitute.org/-/media/documents/book/rf-publication/2021/rf-bhansali-negative-interest-rates.ashx

Maximilian Ambros, Michael Frenke

Fallen Zinsen langfristig doch nicht?

Lutz Siebentag -

Kurzzusammenfassung: Vor einiger Zeit erlangte eine 2019 abgeschlossene Dissertation von Schmelzing eine gewisse Prominenz zuerst in der englischsprachigen Finanzpresse, dann auch in der deutschsprachigen. Schmelzing untersuchte den langfristigen Verlauf der Zinsen vom Beginn des 14. Jahrhunderts bis heute. Sein Ergebnis: die (Real-)Zinsen fallen in einem „supersäkularen“ Trend stetig. Im Kontext dieses 7 Jahrhunderte übergreifenden tendenziellen Falls des Realzins interpretierte er auch die gegenwärtige Niedrig- und Negativzinsphase als ein nicht außergewöhnliches, weil trendgemäßes Phänomen. Ambros und Frenke wenden gegen Schmelzing ein, dass seine Ergebnisse auf Basis einfacher graphischer Konstruktionstechniken zustande gekommen seien, ohne auf gängige mathematische Methoden der Zeitreihenanalyse zurückzugreifen. Ambros und Frenke möchten dieses Defizit beseitigen, indem sie die Daten von Schmelzing einer ökonometrischen Analyse unterziehen. Sie legen ihrer empirischen Hypothesenprüfung ein einfaches ökonomisches Modell zugrunde, den sogenannten Fisher-Effekt. Dieser besagt, dass langfristige Änderungen der Inflationsraten sich in anpassenden Änderungen der Nominalzinsraten niederschlagen, so dass die Realzinsen keinem Trend folgen. Was ergab die empirische Analyse? Die Autoren können die These eines supersäkularen Falls der Zinsraten nicht bestätigen. Aufgrund der verlässlicheren Datenlage seit dem 19ten Jahrhundert untersuchen sie den Zeitraum zwischen 1800 und 2018 gesondert. Für diesen Zeitraum können sie insgesamt den Fisher-Effekt nicht bestätigen. Aber für Teilabschnitte schon. Für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg gilt der Fisher-Effekt, Realzinsen folgen also keinem Trend. Für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bestätigen sie allerdings den Fisher-Effekt nur für vier Länder.    

Link zur Studie „Are (Real) Interest Rates Stationary in the Super-Long Run?“

https://www.world-finance-conference.com/papers_wfc/762a203e86c940f39efae8627eb6d4e2.pdf

Credit Suisse

Global Wealth Report

Lutz Siebentag -

[

Global Wealth Report 2021

Herausgeber: Credit Suisse

Kurzzusammenfassung: “Der Vermögensaufbau zeigte sich im Jahr 2020 weitgehend immun gegenüber den weltweiten Herausforderungen im Zuge der von Regierungen und Zentralbanken eingeführten Massnahmen zur Minderung der wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19. ….

Das weltweite Gesamtvermögen stieg bis zum Jahresende um USD 28,7 Bio. auf USD 418,3 Bio. Zum aktuellen US-Dollar-Kurs stieg das Gesamtvermögen um 7,4 % und das Vermögen pro Erwachsenem um 6,0 %. Die allgemeine Abwertung des US-Dollar trug jedoch mit 3,3 Prozentpunkten zum Wachstum bei. Bei gleichbleibenden Wechselkursen gegenüber dem Jahr 2019 wäre das Gesamtvermögen um 4,1 % und das Vermögen pro Erwachsenen um 2,7 % gewachsen.

Die Aufschlüsselung nach Regionen zeigt, dass das Gesamtvermögen in Nordamerika um USD 12,4 Bio. und in Europa um USD 9,2 Bio. gestiegen ist. Auf diese beiden Regionen entfiel der Grossteil der Vermögenszuwächse im Jahr 2020, wobei China weitere USD 4,2 Bio. und der asiatisch-pazifische Raum (ohne China und Indien) weitere USD 4,7 Bio. beisteuerte.

Indien und Lateinamerika verzeichneten im Jahr 2020 beide Vermögenseinbussen. Das Gesamtvermögen sank in Indien um USD 594 Mia. bzw. 4,4 %. Verstärkt wurde diese Abnahme durch Wechselkursabwertungen: Bei festen Wechselkursen hätte der Verlust 2,1 % betragen. Lateinamerika weist mit einem Rückgang des Gesamtvermögens um 11,4 % oder USD 1,2 Bio. die schlechteste Entwicklung auf.“ (Pressemitteilung Credit Suisse)

Link zum Global Wealth Report 2021, Credit Suisse

https://www.credit-suisse.com/about-us/en/reports-research/global-wealth-report.html

Capgemini

World Wealth Report 2021

Elmar Peine -

 

Kurzzusammenfassung: „Weltweit ist die Anzahl der High Net Worth Individuals (HNWI) um 6,3 Prozent gestiegen und überschritt damit die 20-Millionen-Grenze. Gleichzeitig ist auch das Gesamtvermögen dieser Personengruppe im Jahr 2020 um 7,6 Prozent auf fast 80 Billionen US-Dollar gewachsen. Begünstigt durch steigende Kurse an den Aktienmärkten und staatliche Konjunkturprogramme hat die Region Nordamerika den asiatisch-pazifischen Raum überholt und war 2020 sowohl bei der Anzahl der HNWI als auch bei der Höhe des Gesamtvermögens führend. … In Deutschland wuchs die Anzahl der HNWI von 2019 bis 2020 um 4,7 Prozent (2018-2019: 8,6 Prozent) auf 1.535.100 Dollar-Millionäre. Das sind 69.100 HNWI mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Gesamtvermögen der deutschen HNWI stieg um 6,8 Prozent, nachdem es im Vorjahreszeitraum (2019) noch um 8,8 Prozent gestiegen war. ….. HNWIs tendieren dazu, Investitionen in einem bullischen Markt verstärkt selbst zu verwalten, aber in Krisen und bei Marktvolatilität wieder Beratung in Anspruch zu nehmen. … Da sich die Profile der Kunden schnell weiterentwickeln und diese vermehrt Vermögende aus der Generation der Millennials und Generation Z, Frauen, LGBTQ+[5]-Familien und mehr umfassen, müssen die Vermögensverwalter ihrerseits mehr auf Diversität bei ihren Beraterinnen und Beratern setzen.“ (Pressemitteilung Capgemini).

Link zum World Wealth Report, Capgemini

https://worldwealthreport.com/resources/world-wealth-report-2021/

G. Cookson, T. Jenkinson, H. Jones, J. V. Martinez, Review of Financial Studies Vol. 34, Is. 1

Zeitbombe Inflation?

Lutz Siebentag -

 

Kurzzusammenfassung: Die Studie untersucht Fonds, die auf den immer beliebteren Investment-Plattformen im Vereinigten Königreich angeboten werden. Im Fokus stehen dabei die Fonds-Empfehlungen dieser Plattformen. Ein Befund der den Zeitraum zwischen 2006 und 2016 abdeckenden Untersuchung ist, dass die Empfehlungen das Investitionsverhalten erheblich beeinflussen. Offenbar werden bevorzugt Fonds mit geringeren Kosten empfohlen, aber auch solche, die mit den Plattformen in engerer Interessen-Verbindung stehen – entweder indem die Plattform vom Fondsanbieter selber betrieben wird oder – bis 2014 insbesondere über verdeckte Provisionen – erheblich am Umsatz beteiligt wird. Die Untersuchung ergab, dass die empfohlenen Fonds im Mittel besser performen als die nichtempfohlenen; das gilt aber nicht für die empfohlenen Fonds, die von Betreibern von Plattformen selber gemanagt werden. Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass die ab 2014 geltenden erhöhten Transparenzanforderungen die bis dahin praktizierte kickback-Praxis im Wesentlichen beendet haben. Damit hat sich nicht nur die Empfehlungsstruktur der Plattformen verändert, sondern auch die Kostenlast für Investoren reduziert.

 

Link zur Studie (Preview-Version): Best Buys and Own Brands: Investment Platforms’ Recommendations of Mutual Funds (https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3024128)

P. Barrett, M. Bondar, S. Chen, M. Chivakul, D. Igan; IMF WP/21/79

Soziale Unruhen und Aktienkurse

Lutz Siebentag -

 

Kurzzusammenfassung: Die Studie ist gemäß Eigenauskunft die erste, die den Zusammenhang zwischen sozialen Unruhen und Aktienmarktreaktionen auf einer sehr breiten Datenbasis einer Vielzahl (72) von Ländern untersucht. Untersuchungszeitraum ist 2011 bis 2020. Die Studie prüft insbesondere, ob in Phasen sozialer Unruhen ereignisspezifische abnormale Returns auf Aktienmärkten eines Landes festzustellen sind. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass im Durchschnitt eine Episode sozialer Unruhen den kumulativen abnormalen Return über zwei Wochen um 1,4 Prozentpunkte senkt. Der Effekt ist stärker, wenn die Unruhen länger dauern und wenn sie in Schwellenländern stattfinden. Je robuster das politische System, je stärker die voice- und bottom-up-Rückkopplungsmöglichkeiten (vulgo: Demokratie), umso geringer ist der negative Effekt.

 

Link zur Studie „Pricing Protest: The Response of Financial Markets to Social Unrest“

https://www.imf.org/en/Publications/WP/Issues/2021/03/19/Pricing-Protest-The-Response-of-Financial-Markets-to-Social-Unrest-50146

Boston Consulting Group (BCG)

Reiche I

Lutz Siebentag -

 

Kurzzusammenfassung: Der jüngste Wealth Report der BCG rückt wieder einmal die Klienten ins Zentrum. Aber welcher Wealth Report der Berater tut das nicht? Hier geht dies einher mit der Behauptung, dass Finanzdienstleister Klienten immer noch in erster Linie durch die Produktbrille betrachteten. Drehe man die Blickrichtung um, wechsle man also die Perspektive, dann sei man auf dem rechten Weg. Dieser rechte Weg der Kundenfreundlichkeit wird dann im Report näher spezifiziert. Die Botschaft der Verheißung lautet schließlich: Wer dem skizzierten rechten Weg folge, der könne die nächsten fünf Jahre in eine Phase der beispiellosen Prosperität eintreten.     

 

Link zum Report: When Clients Take the Lead – Global Wealth 2021

https://web-assets.bcg.com/d4/47/64895c544486a7411b06ba4099f2/bcg-global-wealth-2021-jun-2021.pdf

Ernest & Young (EY)

Reiche II

Lutz Siebentag -

 

Zusammenfassung:  Auch im Global Wealth Report von EY sind die Kunden Könige, nach denen sich die Wealth Manager richten sollten. Das werde aber erschwert durch raschen Wertewandel auf der Klientenseite. Durch die Pandemie sei dieser Prozess beschleunigt worden. Das Maßgeschneiderte sei gefragter denn je, zumal auch Nachhaltigkeitsbedürfnisse befriedigt werden wollen. Das zeigt EY anhand einer Befragung von 2500 nicht ganz armen Klienten aus 21 Regionen der Welt.

 

Link zum Report: Where will wealth take clients next?

https://assets.ey.com/content/dam/ey-sites/ey-com/en_gl/topics/wealth-and-asset-management/ey-2021-global-wealth-research-report-optimized-for-web-v2.pdf

European Securities and Markets Authority (ESMA)

Kosten und Performance

Lutz Siebentag -

 

Kurzzusammenfassung: Die jüngste Ausgabe des jährlich veröffentlichten Anlageprodukte-Reports der ESMA ist Ende April 2021 erschienen. Der neue Report deckt den Zeitraum zwischen 2010 und 2019 ab. Er gibt Auskunft über drei Kategorien von Anlageprodukten in der EU: Investmentfonds gemäß UCITS, Alternative Investmentfonds (AIFs) und strukturierte Produkte (SRPs). Im Zentrum des Interesses der ESMA-Statistiker stehen Performance und Kosten, darüber hinaus wurden Nachhaltigkeitsfonds separat untersucht. In ihrer Zusammenfassung etwa zu den UCITS-Fonds schreiben die Autoren, dass die Kosten weiterhin ein kritischer Punkt seien. Die Kosten seien, wie zu erwarten, bei aktiven Fonds höher gewesen als bei passiven. Nicht überraschend ist zudem, dass aktive Aktien- und Rentenfonds im Durchschnitt schlechter abschnitten als Index-Fonds. Interessanter dürfte sein, dass das beste Viertel der aktiven Aktien-Fonds besser war als das beste Viertel der passiven Aktien-Fonds – aber eben nur über einen kürzeren Zeithorizont. Denn nur ein Fünftel der aktiven Top-Performer unter den Aktienfonds im Jahr 2019 war auch im Jahr 2018 in dieser Spitzengruppe. Das mache es, so die Studienautoren, für Investoren sehr schwierig, erfolgreiche Produkte zu identifizieren. Bei den Rentenfonds lag im Zeitraum von ein bis drei Jahren die Durchschnitts-Nettoperformance der Top-25-Prozent der aktiv gemanagten Vehikel etwas unter jener der passiv gemangten Fonds. Weitere Ergebnisse etwa zu kostengünstigen ESG-Fonds, zu AIFs und SRPs, zu regulatorischen Veränderungen im EU-Raum oder auch zur Auswirkung von Inflation sind im neuesten ESMA-Report enthalten.     

 

Link zum ESMA Annual Statistical Report: Performance and Costs of EU Retail Investment Products

https://www.esma.europa.eu/sites/default/files/library/esma_50-165-1710_asr_performance_and_costs_of_eu_retail_investment_products.pdf

 

D. Folkerts-Landau; P. Hooper; J. Reid; Deutsche Bank Research

Explodierende Inflation?

Lutz Siebentag -

 

Kurzzusammenfassung: Die Autoren der Researchabteilung der Deutschen Bank machen sich Sorgen über eine Rückkehr unerwünscht hoher Inflation. Sie erinnern an die ihrer Ansicht kaum noch erinnerten Zeiten hoher bzw. akzelerierender Inflation vor einem halben Jahrhundert. Dabei sehen sie derzeit inflationstreibende ökonomische „Grundgesetzlichkeiten“ am Werk: denn das explosive Wachstum der zentralbankinduzierten Verschuldung weltweit mache eine Inflationsdynamik wahrscheinlich. Es scheine aber, so die Autoren, dass die Zentralbank-Verantwortlichen diesen Zusammenhang derzeit ignorierten. Entweder, weil sie wirklich glauben, dass gilt: „this time is different“. Oder weil sie einem neuen Paradigma eines permanent niedrigen („natürlichen“) Zinssatzes anhängen. Oder weil sie sich aufgrund eines institutionellen Schutzinteresses mächtigen politischen Tendenzen nicht entgegenstellen. Jedenfalls glauben die Autoren, dass der Inflationsdruck in den nächsten Jahren zunehmen wird, zumindest sofern der Leitwolf aller Zentralbanken, die Fed, mit einer abwartenden, bislang noch inflationstoleranten Politik fortfährt und der Deutung anhängt, dass es sich hier nur um ein temporäres Phänomen handelt. Eine gewisse „Tragik“ sehen die Autoren darin, dass die Fed ihre Politik mit hehren sozialen Zielen begründet und dabei die sozial-ökonomische „Zeitbombe“ Inflation vernachlässigt.

 

Link zur Studie: „Inflation: The defining macro story of this decade“

https://www.dbresearch.com/PROD/RPS_EN-PROD/RPS_EN_DOC_VIEW.calias?rwnode=PROD0000000000464258&ProdCollection=PROD0000000000518691

A. Gehringer; K. Lehmann; Floßbach von Storch Research Institute

Bond-Index schlagen

Lutz Siebentag -

 

Kurzzusammenfassung: „Das rasante Wachstum von passiven Investmentlösungen im Bereich festverzinslicher Anlagen in den letzten Jahren wirft die Frage nach der Performance gegenüber aktiven Anlagestrategien auf. In der vorliegenden Studie analysieren wir die Wertentwicklung aktiv gemanagter globaler Anleihefonds über den Zeitraum von 2010 bis 2020. Wir vergleichen die Wertentwicklung einer breiten Stichprobe von Fonds mit dem Bloomberg Barclays Multiverse Index, der die Performance passiver Instrumente repräsentieren soll. Im Durchschnitt liegen die aktiven Anleihemanager und der Index in etwa gleichauf. Die Verteilung der Renditen verdeutlicht jedoch, dass es einige der einbezogenen Manager vermögen, den Index häufig bzw. über viele Jahre hinweg zu schlagen.“ (Studie)

 

Link zur Studie: „Aktiv versus passiv: Bond-Investoren aufgepasst!“

https://www.flossbachvonstorch-researchinstitute.com/fileadmin/user_upload/RI/Studien/files/2021/210330-aktiv-versus-passiv-bond-investoren-aufgepasst.pdf

 

S. Goldbach, V. Nitsch; Deutsche Bundesbank, Discussion Paper No 17/2021

Covid und Kapitalflüsse

Lutz Siebentag -

 

 

Kurzzusammenfassung: „Die vorliegende Studie untersucht, wie sich Politikmaßnahmen ausländischer Regierungen als Antwort auf die Coronavirus-Pandemie auf die bilateralen Finanzströme mit Deutschland auswirken. … Wir stellen fest, dass die deutschen bilateralen Kapitalströme negativ von ausländischen Eindämmungs- und Schließungsmaßnahmen beeinflusst werden, vor allem je länger die Pandemie anhält. Wirtschaftliche Unterstützungsmaßnahmen scheinen dagegen die Kapitalströme zu stützen. Diese stabilisierenden Effekte der wirtschaftlichen Unterstützung ergeben sich vorwiegend während der Anfangszeit der Pandemie. Wir schlussfolgern, dass die grenzüberschreitenden Kapitalströme sensitiv auf die Politikmaßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie reagieren“ (Studie). Der Untersuchung zufolge besteht zwar eine beträchtliche Heterogenität der geschätzten Effekte in den unterschiedlichen Assetklassen. Jedoch haben die politischen Maßnahmen insbesondere die Aktivitäten auf Geld-, Renten- und Aktienmärkten beeinflusst, also in den größten und liquidesten Segmenten des Finanzsystems.

 

Link zur Studie: Covid-19 and capital flows: The responses of investors to the responses of governments

https://www.bundesbank.de/resource/blob/867186/02adf245437de462f51d73f78a31b745/mL/2021-05-28-dkp-17-data.pdf

 

A. Madhavan, A. Sobczyk , A. Ang; Financial Analysts Journal 77/1

ESG und Factor Investing

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Die Autoren untersuchten Fonds mit hohem Nachhaltigkeitsrating aus der Faktor-Perspektive. Zugrunde lagen der Studie 1.312 aktiv verwaltete Publikumsfonds in den USA mit einem Gesamtvolumen von 3,9 Billionen (trillion) USD. Geschaut wurde, inwiefern Faktoren einen Mehrertrag (active Return / Faktorladung und Alpha) über den Markt (bzw. die Benchmark) hinaus in Abhängigkeit vom ESG-Rating erklären. Hierzu wurde auf die „klassischen“ Faktoren Momentum, Value, Quality, Low Volatility, Size zurückgegriffen. Zudem wurde eine davon unabhängige „idiosynkratischer“ ESG-Komponente des Ertrags konstruiert, die von den genannten Faktoren unabhängig ist. Die Untersuchung ergab, dass ein Zusammenhang zwischen ESG-Rating und den Faktoren bestand. Der war vor allem bei Fonds mit hohem Umwelt(E)-Rating ausgeprägt. Hier erklärten dann insbesondere Quality und Momentum die Mehrerträge. Es ergab sich aber kein signifikanter Zusammenhang von active Return und Alpha mit der idiosynkratischen ESG-Komponente.    

Studie: Toward ESG Alpha: Analyzing ESG Exposures through a Factor Lens

Herausgeber: PwC

Die Revolution

Lutz Siebentag -

 

Zusammenfassung: Wie häufig bei Studien von Beratungsunternehmen macht es auch dieser Report nicht unter einer Revolution. Das Berufsbild des Berufsrevolutionärs hat sich im Laufe der Zeit revolutioniert. Lenin würde sich wundern. Im Report von Pricewaterhouse Coopers geht es um nichts weniger als die „Asset and wealth management revolution“ in der jüngsten Vergangenheit und der nächsten Zukunft. Der Report hat eine sehr übersichtlich angeordnete Textgestalt und bereitet seine Kernbotschaften sehr bildhaft per Grafiken und Zahlen auf, die dann auch noch von etlichen Fotos flankiert sind.

Studie: Asset and wealth management revolution: The power to shape the future.

Auroren: Peter P. Rohde und andere

Quantenkryptoökonomie

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Quantenchromodynamik oder Schleifenquantengravitation sind gewaltig klingende Wörter. Hinter diesen verbergen für den Laien unermessliche Formelgebirge. Wo der Sinn beim Anblick der Zeichensprache der Physik sich kryptisch verschließt, muss der Schall geheimnisvoller Wörter genügen. Von der Aura dieses Schallphänomens möchte wohl auch die Quantenkryptoökonomie zehren. Die Autoren der unten verlinkten Arbeit bringen zwei technologische Wege in die Zukunft der Wirtschaft in Kontakt: Zum einen die Blockchain-Technologie; zum anderen Quantencomputer. Letztere könnten für erstere eine ernsthafte Gefahr darstellen. Wer genauer wissen möchte, weshalb, sollte sich vielleicht den Beitrag via Link selber anschauen. Man braucht für das Verständnis des Beitrags kein Quantenphysiker zu sein, aber Quant zu sein wäre schon auch hilfreich. 

Studie: Quantum crypto-economics: Blockchain prediction markets for the evolution of quantum technology.

Knight Frank

Weltreiche 2021

Lutz Siebentag -

 

Kurzbeschreibung: Kürzlich veröffentlichte die Immobilienberatungsgesellschaft Knight Frank ihren jährlich vorgelegten „Wealth Report“. Es ist die 15. Ausgabe. Den besten Überblick gewährt ein Klick auf den Link zum Report und der Blick ins Inhaltsverzeichnis.

Report: The Wealth Report 2021

Kryptowährungen

Bitcoin als Geldanlage

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Wie häufig bei Studien von Beratungsunternehmen macht es auch der hier anzuzeigende Report nicht unter einer Revolution. Das Berufsbild des Berufsrevolutionärs ist offensichtlich im Laufe der Zeit selber einer Revolution ausgesetzt gewesen, über die sich selbst Lenin wundern würde, würde in seinem mumifizierten Leib noch die angestammte Seele wirken. Im unlängst erschienen Report von Pricewaterhouse Coopers geht es um nichts weniger als die „Asset and wealth management revolution“. Der Report beleuchtet die jüngste Vergangenheit des Assetmanagements und prognostiziert dessen nähere Zukunft. Er hat eine sehr übersichtlich angeordnete Textgestalt und bereitet seine Kernbotschaften gekonnt bildhaft per Grafiken und Zahlen auf, die dann auch noch von etlichen Fotos als Zierrat flankiert sind. Es genügt deshalb hier, wenn wir auf den Link verweisen.

Studie: Asset and wealth management revolution: The power to shape the future.

https://www.pwc.com/gx/en/industries/financial-services/assets/wealth-management-2-0-data-tool/pwc_awm_revolution_2020.pdf

PWC

Noch ne Revolution

Lutz Siebentag -

 

Zusammenfassung: Wie häufig bei Studien von Beratungsunternehmen macht es auch der hier anzuzeigende Report nicht unter einer Revolution. Das Berufsbild des Berufsrevolutionärs ist offensichtlich im Laufe der Zeit selber einer Revolution ausgesetzt gewesen, über die sich selbst Lenin wundern würde, würde in seinem mumifizierten Leib noch die angestammte Seele wirken. Im unlängst erschienen Report von Pricewaterhouse Coopers geht es um nichts weniger als die „Asset and wealth management revolution“. Der Report beleuchtet die jüngste Vergangenheit des Assetmanagements und prognostiziert dessen nähere Zukunft. Er hat eine sehr übersichtlich angeordnete Textgestalt und bereitet seine Kernbotschaften gekonnt bildhaft per Grafiken und Zahlen auf, die dann auch noch von etlichen Fotos als Zierrat flankiert sind. Es genügt deshalb hier, wenn wir auf den Link verweisen.

Link zur Studie: Asset and wealth management revolution: The power to shape the future.

https://www.pwc.com/gx/en/industries/financial-services/assets/wealth-management-2-0-data-tool/pwc_awm_revolution_2020.pdf

Richard M. Ennis

Alternative ausgedient?

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Ennis präsentierte jüngst in „The Journal of Portfolio Management“ eine Kritik gängiger Anlagestrategien von Pensions- und Universitätsfonds. Er zielt dabei vor allem auf die vor etlichen Jahren noch als innovativ gefeierten Elemente des Yale-Modells ab, die heute als Norm fortschrittlicher Geldanlage gelten. Denn von Alternativen Investments hält Ennis wenig, da ihre Diversifikationseffekte im Laufe der Zeit stark abgenommen hätten. Er erachtet sie heute eher als Hemmnisse, man könnte auch sagen: als zu teure Erinnerung an eine Zeit, die vorüber ist. Die Diversifikation der genannten Fonds lasse sich ohnehin größtenteils „konservativ“ mit zwei breiten Aktien- und einem breiten Bond-Index reproduzieren. Ein Hauptaugenmerk legt Ennis auf die Kosten dieser aktiv gemanagten Fonds, die im Verhältnis zur Rendite zu hoch seien. Von der Jagd nach Alpha hält Ennis nicht allzu viel. Der Artikel ist ein begründetes Plädoyer dafür, mehr passives Management zu „wagen“.

Zur Studie: Institutional Investment Strategy and Manager Choice: A Critique

https://www.nakedcapitalism.com/wp-content/uploads/2020/07/00-EnnisPubJune20.pdf

 

Autoren: Matt Hougan und David Lawant, Bitwise Asset Management / CFAInstitute

Kryptowährungen

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Bei dem elektronischen Büchlein im Umfang von 54 Seiten handelt es sich um eine Einführung und einen Überblick zu Kryptowährungen aus Anlegerperspektive. Schwerpunkt ist also deren Funktion als Krypotassets. Die Studie schaut deshalb aus dem Blickwinkel professioneller Investoren – das sind explizit die Adressaten der Schrift – auf die Kryptowelt. Das Büchlein ist in fünf Kapitel unterteilt: Das erste Kapitel präsentiert Basics der Kryptowelt. Das zweite Kapitel beleuchtet die Kryptolandschaft, d.h. die Vielfalt unterschiedlicher Kryptowährungen. Im dritten Kapitel wenden sich die Autoren den Kryptos als Assetklasse der Geldanlage zu. Das vierte Kapitel behandelt Fragen zu Kryptos im Rahmen von Portfolio-Entscheidungen. Das fünfte Kapitel diskutiert Risken für Investoren. Das Buch ist Einführung, Auffrischung und Überblick über bisherige Erfahrungen mit Kryptoassets in einem. Es verzichtet dabei auf formale Darstellungen und beschränkt sich auf Text sowie Schaubilder. 

Link zur Studie: Cryptoassets. The guide to bitcoin, blockchain, and bryptocurrency for investment professionals.

https://www.cfainstitute.org/-/media/documents/article/rf-brief/rfbr-cryptoassets.ashx

Autoren: Ankit Kalda, Benjamin Loos, Alessandro Previtero, Andreas Hackethal

Smartphone schlecht für Portfolio

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Die Studie von Kalda und Kollegen untersucht, wie sich der Smartphoneeinsatz auf Investitionsentscheidungen auswirkt. Untersucht wurde das Verhalten von 15.000 Kunden von zwei deutschen Banken, die eine Smartphone-App für die Geldanlage anbieten. Zeitraum der Untersuchung war von 2010 bis 2017. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von Smartphones für Anlageentscheidungen die Wahrscheinlichkeit für den Kauf riskanter Assets und die Präferenz für Lotterie-Aktien (unter dem Median-Preis, aber über der Median-Volatilität und -Schiefe) erhöhte. Smartphones verstärken zudem die Neigung, Assets zu kaufen, die in der Vergangenheit erfolgreich waren. Kalda et al. konnten darüber hinaus nachweisen, dass Personen, die Smartphone-bedingt riskanter anlegten, dieses Investitionsverhalten auch an den Tag legten, wenn sie keine Smartphones zur Exekution ihrer Anlageentscheidungen nutzten. Das bedeutet mit anderen Worten, dass Smartphone-Nutzung zu einer generellen Verhaltensänderung führt. Die gefundenen Smartphone-Effekte bei der Geldanlage erwiesen sich nämlich als dauerhaft.

Offenbar neigen Smartphone-Nutzer dazu, ihre Anlage-Aktivitäten auf Zeiten nach „offiziellem“ Börsenschluss zu verlegen. Also auf die Zeit nach Feierabend, so dass der Handel des Öfteren in entspannter Situation „nebenher“ oder in geselliger Runde erfolgen dürfte. Die Studienautoren verbinden dies mit einer möglichen psychologischen Erklärung des beobachteten Smartphone-Effekts, die auf dem 2-System-Ansatz der neueren Kognitionspsychologie beruht: demnach werden die Entscheidungen bei Smartphone-Benutzung stärker durch das psychische System 1 – das für spontane Entscheidungen steht – bestimmt, während der Einfluss von System 2 – das für Rationalität steht – schwächer ist. Die Autoren vermuten, dass sich deshalb durch Smartphone-Einsatz die Portfolio-Effizienz verschlechtern könnte.

Link zur Studie: “Smart(phone) investing? A within investor-time analysis of new technologies and trading behavior.“

https://www.nber.org/system/files/working_papers/w28363/w28363.pdf

 

Herausgeber: Capgemini, Autor: Pedro Matos, University of Virginia Darden School of Business

Literaturüberblick: ESG bei Institutionellen

Lutz Siebentag -

Was wären wir ohne das CFA, das immer wieder ganze e-Bücher für Interessierte online stellt, die ein ganzes Thema umfassend abdecken. Dieses Mal geht es um einen insgesamt über 80 Seiten langen kritischen Literaturüberblick zur nachhaltigen Geldanlage bei institutionellen Investoren.

 

 

Herausgeber: Capgemini

World Wealth Report

Elmar Peine -

Capgemini hat sich mit dem im Juli veröffentlichten Wealth-Report ebenfalls mit der Struktur und Dynamik der Vermögenden weltweit und der Lage des Wealth Managements auseinandergesetzt. Eine praktische Besonderheit: die vielen Quellen und Literaturreferenzen werden verlinkt.

 

 

INVV (Institut für Vermögensverwaltung)

Gutes Jahr 2019

Elmar Peine -

Ergebnisse der siebten Befragung deutscher unabhängiger Vermögensverwaltungen durch das Institut für Vermögensverwaltung.

HERAUSGEBER: Boston Consulting Group

Wealth-Management Trends

Lutz Siebentag -

Die Boston Consulting Group hat bereits im Juni die hauseigene Studie zu Trends bei Vermögenden und die daraus resul- tierenden Herausforderungen für das Wealth Management veröffentlicht. Dabei blickt man 20 Jahre zurück und voraus

HERAUSGEBER: Morgan Stanley, Oliver Wyman

Wealth-Management Report 2020

Lutz Siebentag -

Morgan Stanley und Oliver Wyman veröffentlichten im Sommer die neue Ausgabe ihres globalen Wealth-Management-Reports. Auch in dieser Analyse der Branche sowie der Kundengruppe der HNWI werden die Covid-19-Effekte mitberücksichtigt.

 

HERAUSGEBER: McKinsey

Covid als Katalysator im Private Banking

Elmar Peine -

ZUSAMMENFASSUNG: McKinsey hat kürzlich einen neuen Private Banking Survey für Europa vorgelegt. Eine zentrale These des Berichts lautet, dass die Covid-19-Pandemie die Transformation des Private Bankings beschleunigt. Die Studie gibt einen Überblick über die Entwicklung und die aktuelle Lage des europäischen Private Bankings unter Berücksichtigung der Covid-19-Effekte im ersten Quartal 2020.

 

Autoren: Knight Frank

Wealth Report 2020

Lutz Siebentag -

ZUSAMMENFASSUNG: Knight Frank hat im März 2020 zum 14ten Mal einen hauseigenen Wealth Report veröffentlicht. Die
Lektüre des Reports einschließlich des Inhaltsverzeichnisses erfordert nur einen Klick.

Autoren: Philipp Wackerbeck, Utz Helmuth, PwC

Vermögensverwaltungen an Covid 19 erkrankt.

Lutz Siebentag -

ZUSAMMENFASSUNG: Eine kurze, grafisch aufbereitete Einschätzung der Schwere der Covid-19-„Infektion“ des Asset Managements, Stand Mitte April 2020, und diverse „Therapie“Vorschläge.

 

Autoren: Carl Bacon, StatPro, CFA-Publikation

Woher kommen Mehrerträge?

Lutz Siebentag -

ZUSAMMENFASSUNG: Der Autor gibt einen sehr gut strukturierten, historisch ordnenden Überblick über „Performance  Attribution“. Dabei steht nicht, wie der englische Begriff suggeriert, die gesamte Performance einer Investition im Fokus  des Forschungsinteresses, sondern nur der Mehrertrag relativ zu einer Benchmark. „Performance Attribution“ setzt sich zum Ziel, Mehrerträge sinnvoll in Komponenten zu zerlegen und auf Investitionsentscheidungen aktiver Manager bzw. auf  entsprechende Ertragsfaktoren zurückzuführen. Der Literaturüberblick geht zunächst kurz auf frühe Entwicklungen der Attribution und die Grundlagen ein, wobei hier auch der dosierte Einsatz von „Struktur“-Formeln beginnt. Dem schließt sich eine Mehrperioden-Analyse an. Sodann werden Währungseffekte adressiert, verschiedene Attributionstypen  unterschieden. Daran anschließend wird speziell die risikoadjustierte und Festverzinslichen-Attribution sowie diverse weitere Fragen im Zusammenhang mit Performance-Attribution, wie Transaktionskosten oder Zeitskalen der Analyse, behandelt. Den Abschluss des Literaturüberblicks bildet eine Literaturliste, in der die einzelnen Literaturbeiträge jeweils mit wenigen  Sätzen kurz zusammengefasst werden.

Autoren: div.

Kryptos besser als Gold?

Lutz Siebentag -

VERSCHIEDENE STUDIEN


ZUSAMMENFASSUNG: Insbesondere Fans von Kryptowährungen vertreten die These, die neuen währungsartigen Konstrukte seien bei der Geldanlage nicht nur bei der Diversifikation von Nutzen, sondern seien geradezu als sichere Häfen geeignet und könnten in dieser Funktion Gold beerben. Skeptischere Zeitgenossen, die in Kryptowährungen vor allem eine hochspekulative Anlageklasse mit rudimentären Währungsfunktionen ohne klar identifizierbarem inneren Wert erachten, halten die Sichere-Hafen-These günstigstenfalls für Marketinggerede. Bislang konnte die Frage, ob Kryptowährungen gerade in Zeiten eines extrem starken negativen Schocks auf die Finanzmärkte Eigenschaften einer sichern Anlage aufweisen, aufgrund mangelnder Gelegenheiten nicht überprüft werden. So jung sind die neuen „Währungen“. Mit der Covid19-Krise änderte sich das. Man kann nun die Sichere-HafenThese im Zusammenhang mit Kryptowährungen einem  Corona-Test unterziehen. Dementsprechend ist in den letzten Wochen eine Vielzahl von Studien erschienen, die diese Frage  untersuchen. Wir stellen im Folgenden die Ergebnisse von drei Studien in sehr verkürzter Weise vor. Daraus geht hervor, dass es darauf ankommt, für welche Portfolios man einen sicheren Hafen sucht und welche Kryptowährungen man wählt. Und methodische Differenzen dürften auch eine Rolle spielen.

STUDIE 1 Conlon und McGee kommen in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Bitcoin kein sicherer Hafen ist. Sie zeigen, dass eine Bitcoin-Beimischung zu einem S&P-500-Aktien-Portfolio in der Corona-Krise das Downside-Risiko des Portfolios erhöht hat. Daher gelangen sie zu dem Urteil, dass sich Bitcoin nicht als sicherer Hafen eignet.

Link zur Studie: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3560361

 

STUDIE 2 Kristoufek hat gleichfalls Diversifizierungseigenschaften von Bitcoin untersucht und mit der von Gold, dem Klassiker, verglichen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Bitcoin in den meisten der untersuchten Zeitabschnitte nicht mit dem S&P500 korrelierte, so dass eine Eignung zur Diversifikation nicht abgesprochen wird. Aber in der Corona-Turbulenz nahm die Korrelation  zu, jedoch in Grenzen. Im Vergleich zu Bitcoin schnitt Gold deutlich besser ab: die Korrelationen blieben im Negativbereich. Kirstoufek zieht aufgrund seiner Untersuchung den  Schluss, dass sich Bitcoin nicht als sicherer Hafen („digitales  Gold“) eignet, Gold hingegen sehr wohl.

Link zur Studie: https://arxiv.org/pdf/2004.00047.pdf

 

STUDIE 3 Cheema und Szulczuk untersuchen mehrere Vermögenssorten auf ihre Eignung als sichere Häfen, darunter auch Stablecoin bzw. Tether – und zwar relativ zu Aktienmärkten und Bitcoin (BTC). Ihr Befund lautet (anders als der von Kristoufek), dass Gold seine Eignung als sicherer Hafen eingebüßt hat, weil es mit den gewählten Referenzportfolios positive Korrelationen aufwies. US-Geldmarktpiere, kurz T-Bill, eigneten sich während der Corona-Krise als starker sicherer Hafen für alle untersuchten Aktienmarktindizes und als schwacher sicherer Hafen für BTC.  Tether (ist als Stablecoin 1:1 an den US-Dollar gebunden) habe sich als schwacher sicherer Hafen für alle getesteten Aktien-Indizes und für BTC erwiesen. Das Fazit von Cheema und Szul-czuk: Profis präferierten während der Pandemie eher Liquidität als Gold, kurz gesagt war „Flüssiges“ ein sicherer Hafen.   

Link zur Studie: https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3590015

Autoren: Holzmeister, Huber, Kirchler, Lindner, Weitzel, Zeis- berger, verschiedene Universitäten

Risikowahrnehmung immer gleich

Lutz Siebentag -

ZUSAMMENFASSUNG: Theorien, Lehrbücher, professionelle Ratgeber und regulatorische Vorgaben bauen meist auf dem Risikomodell der Volatilität bzw. Standardabweichung auf. Die Autoren der vorgestellten Studie haben experimentell die finanzspezifische Risikowahrnehmung von 2213 Finanzprofis und 4559 Laien aus 9 Ländern erforscht. Es zeigte sich, dass auch Finanzprofis in ihrer Risikowahrnehmung vom verbreiteten Theorie-Modell abweichen und dabei ein ähnliches „Profil“ aufweisen wie Finanzlaien. Die Standardabweichung spielt kaum eine Rolle bei der Risikowahrnehmung, dafür aber die statistische Kenngröße der (positiven) Schiefe, also eine „rechtsschiefe“ Asymmetrie – bei Profis wie bei Laien. Es zeigt sich somit, dass Risiko von Laien wie von Fachleuten, vor allem mit Verlust und Verlustwahrscheinlichkeit verbunden wird. Das umgangssprachliche Verständnis von Risiko lässt sich offenbar durch die am weitesten verbreitete Risikovariante der Finanzwissenschaft – aus sehr gutem Grund – nicht verdrängen.

Autoren: M. Kolrep, H.Lohre, E. Radatz, C. Rother; Invesco Quantitative Strategies

Clusteranalyse bei Diversifikation

Lutz Siebentag -

Kurzzusammenfassung: Die Autoren des Beitrags wenden die Clusteranalyse auf das Problem der risikobasierten Diversifikation eines Portfolios im Rahmen eines Multi-Faktor-Ansatzes an. Die Clusteranalyse ist ein etabliertes Verfahren der multivariaten Statistik, das etwa in der Biologie, der Astronomie oder auch diversen Zweigen der Sozialwissenschaft breit genutzt wird, das aber wohl im Finanzbereich bisher eher wenig Verwendung fand. Motiviert wird der Einsatz der Cluster-Analyse im Rahmen der Asset-Allokation durch den Umstand, dass die bei etablierten Strategien verwendeten Korrelations-Matrizen gewisse Nachteile haben und zu komplex sind, um vollständig durchanalysiert zu werden. Daher werden komplexitätsreduzierende Strategien gesucht, die diese Probleme nicht haben. Die einfachste dieser Strategien ist z.B. die berühmt-berüchtigte 1/N-Heuristik, es geht aber dann doch auch ein wenig komplexer: und dann bietet sich die hierarchische Clusteranalyse an, die erstmals von de Prado 2016 für die Assetallokation als nützliche Technik vorgeschlagen und skizziert wurde. Die Autoren stellen zunächst diese Strategie im Zusammenhang mit der Portfoliodiversifikation vor und vergleichen dann die Ergebnisse dieses Verfahrens mit einigen anderen Strategien: 1/N; Minimum-Variance, Diversified Risk Parity. Sie zeigen Leistung sowie Vor- und Nachteile auf, und testen auch eine Methode, um den Nachteil hoher Transaktionskosten beim Clusteranalysen-Portfolio in einem modifizierten Ansatz zu mildern.

Studie in „Risk and Reward 01, 2020“, S. 26

Autor: Paul Schmelzing, Bank of England

500 Jahre supersäkulare Stagnation

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Die hier angezeigte Arbeit ist die aktuellste online erhältliche Version der Forschungen von Schmelzing zur langfristigen historischen Entwicklung von Realzinsen. Ergebnisse zirkulieren seit 2017 unter Finanzexperten und auch in der breiteren englischsprachigen Öffentlichkeit; seit Beginn dieses Jahres werden sie auch in deutschen Medien rezipiert. Anlass für die Resonanz in Deutschland war wohl unter anderem das hier vorliegende Arbeitspapier des deutschsprachigen Autors. Um es gleich vorweg zu sagen: Wer Anhänger der modernen These der säkularen Stagnation ist, wird von Schmelzings Befunden herausgefordert. Seine Forschungen führte er überwiegend im Rahmen seiner 2019 abgeschlossenen Dissertation in Harvard durch, wobei er davon profitierte, dass er durch den Staub der Archive und vieler bisher nicht ausgewerteter Originalunterlagen in Europa ging. Ein Ergebnis dieser nur im wörtlichen Sinne staubtrockenen Arbeit an den historischen Quellen ist, dass die Realzinsen nicht erst seit Ende der 1980er Jahren rückläufig sind, sondern im Großtrend schon seit Beginn der Neuzeit. Demnach waren z.B. die 1980er Jahre eher Abweichungen nach oben von diesem sehr langfristigen Großtrend. Es sei daher auch kein langfristiger Wiederanstieg der sicheren Realzinsen auf angebliches Normalniveau zu erwarten – egal mit welchen Maßnahmen aus der Handwerks- und Trickkiste der Geld- oder Fiskalpolitik man dies auch versuche. Damit richtet sich Schmelzing auch gegen Auffassungen, wie sie in den USA von prominenten Ökonomen vertreten werden, die insbesondere fiskalpolitische Instrumente empfehlen, um die Realzinsen wieder nach oben zu bugsieren. Vielmehr hält es der Autor durchaus für möglich, dass man aufgrund des 500jährigen Großtrends fallender Zinsen auch langfristig in den Bereich der Negativ-Realzinsen eintauchen wird. Wo wir dann in 500 Jahren theoretisch landen könnten, möchte man dann gar nicht ausrechnen – obwohl es dazu gleichfalls schon ironische Kommentare gibt. Schmelzing beobachtet aber nicht nur einen tendenziellen Falls des Realzinses – um es in Anspielung an Marxens tendenziellen Fall der Profitrate zu formulieren, sondern auch einen tendenziellen Fall der Returns bei anderen Assets. Er zieht daraus aber nicht die Folgerungen von Marx, vielmehr bleibt er streng an der Empirie orientiert und erwägt für diese langfristigen Trends vorsichtig verschiedene Ursachen als Möglichkeiten. Eine Kausalerklärung ist offenbar nicht ganz einfach. Schmelzing widerspricht auch explizit der These von Marxens Wiedergänger im 21. Jahrhundert, Thomas Piketty, der von einer historisch langfristig stabilen realen Rendite ausgeht.

Autoren: M. M. Habib, L. Stracca, F. Venditti, ECB WP No. 2355 / Jan. 2020

Sichere Häfen

Lutz Siebentag -

Zusammenfassung: Die Autoren gehen in ihrer Studie der Frage nach, was einen sicheren Hafen der Geldanlage ausmacht. Gemeint sind damit sichere Staatsanleihen. Die Autoren untersuchten zur Beantwortung dieser Frage Staatsanleihen in 40 modernen Volkswirtschaften und Schwellenländern im Zeitraum zwischen 1990 und 2018. Die statistische Analyse ermittelt die Interaktion von Fundamentalgrößen auf Länderebene mit einem finanzmarktspezifischen Maß der erwarteten Volatilität, dem VIX (des S&P 500). Generell ist der Status eines sicheren Hafens hauptsächlich abhängig von: a) einem Trägheitseffekt, d.h. der Funktion als sicherer Hafen in der Vergangenheit; b) dem Rating des politischen Risikos eines Landes, das von dessen Institutionenstruktur abhängig ist; c) der Größe des Bond-Marktes; wobei dieser Punkt insbesondere die Sonderrolle der USA in der Weltwirtschaft reflektiert – auch wenn es keinen Einzelfaktor gibt, der diese Sonderrolle in Zeiten finanzieller Spannungen und Krisen adäquat abbildet. Die Relevanz dieser Faktoren ist in entwickelten Ländern und Schwellenländern teilweise unterschiedlich. Nur in modernen Volkswirtschaften spielen der statistischen Analyse der Studie zufolge die Punkte b) und c) eine Rolle, der Trägheitseffekt, Punkt a) also, ist nur in Schwellenländern bedeutsam; bei Letzteren spielt ferner das Bruttoinlandsprodukt und die Leistungsbilanz eine Rolle.

Autor: Volker Brühl, Center for Financial Studies, Goethe Universität Frankfurt

Klarheit im Begriffswirrwarr: Big Data und dergleichen

Elmar Peine -

Titel: Big Data, Data Mining, Machine Learning und Predictive Analytics – ein konzeptioneller Überblick 

Zusammenfassung: Brühl gibt einen sich an Praktiker und Entscheider wendenden definitorischen Überblick über verschiedene Begriffe, die im Zusammenhang mit der Digitalisierung im Finanzbereich oft als Schlagwörter verwendet werden, ohne dass immer klar ist, was damit genau gemeint ist. Brühl schreibt in seiner eigenen Kurzzusammenfassung: Mit der fortschreitenden Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft wächst die Bedeutung von Big Data Analytics, maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz für die Analyse und Pognose ökonomischer Trends. Allerdings werden in wirtschaftspolitischen Diskussionen diese Begriffe häufig verwendet, ohne dass jeweils klar zwischen den einzelnen Methoden und Disziplinen differenziert würde. Daher soll nachfolgend ein konzeptioneller Überblick über die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Interdependenzen der vielfältigen Begrifflichkeiten im Bereich Data Science gegeben werden.

P.Tetlock, D.Gardner

Die Superprognostiker

Lutz Siebentag -

Titel: Superforecasting. The Art and Science of Prediction

Zusammenfassung: Die Autoren gehen der Frage nach, wie man überdurchschnittlich gute Prognostiker identifizieren und bewerten kann, welche Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Prognosegüte es gibt und was insbesondere für Finanzmarktprognosen gilt.

K. Bräuer, A. Hackethal, T. Hanspal, Universitäten Frankfurt und Wien

Dividenden da, ab zum Shoppen

Lutz Siebentag -

Titel: Consuming Dividends

Zusammenfassung: Die Autoren gehen der Frage nach, wie sich Dividendenzahlungen auf das Konsumverhalten von privaten Anlegern auswirken. Basis ist ein sehr großer und in Bezug auf die Erträge der Forschung auch sehr wertvoller, von der Gruppe um den Frankfurter Finanzwissenschaftler Andreas Hackethal schon vielfältig „ausgebeuteter“ Datenschatz über deutsche Bankkunden. Es zeigt sich, dass viele Anleger nicht nur Dividendeneinkommen irgendwann für Konsum verwenden, sondern mit ihrem Konsumverhalten recht pünktlich auf den Eingang von Dividendenzahlungen reagieren – d.h. um den Tag herum, an dem die Dividenden dem Empfängerkonto gutgeschrieben wurden. Es ist wohl – so die Interpretation der Autoren – nicht allein die Budgetrestriktion von Barmitteln, die durch Dividendenzahlungen temporär gelockert wird, was einen kurzfristig erhöhten Konsum zur Folge hat. Dieser kurzzeitig nachlassende Knappheitszwang spiele, so die Forscher, bei weniger wohlhabenden Personen durchaus eine Rolle. Aber eine gestiegene Konsumneigung als Reaktion auf Dividendenzuflüsse lasse sich auch bei anderen Vermögensgruppen erkennen. Besonders ausgeprägt sei die Reaktion des dividendenabhängigen Konsums bzw. von entsprechenden Geldabflüssen bei Investoren mit höherem Vermögen und höherer Finanzbildung, während Anleger der mittleren Vermögensgruppe Dividendenzuflüsse häufiger reinvestieren. Hackethal und Mitarbeiter deuten die vielfältigen empirischen Einzelbefunde ihrer Untersuchung so, dass es sich bei der vermögenden, finanziell gebildeten Gruppe nicht um impulsive Konsumenten handelt, die knappheitsbedingt angesichts eines Dividendenzuflusses von mangelnder Selbstkontrolle „übermannt“ werden. Vielmehr deuten die Daten darauf hin, dass der Konsum in dieser Gruppe planend antizipiert wird, schon bevor die Dividenden eingehen. Die idealtypische Gegenfigur hierzu wäre der finanzielle Analphabet, der impulsiv auf seine momentane finanzielle Situation reagiert. Dieser würde irgendwann „plötzlich“ unerwartete Dividendenbeträge auf seinem Konto entdecken, also mehr oder weniger deutlich zeitverzögert reagieren, und er würde zeitgleich damit ein spontanes zusätzliches Konsumverhalten an den Tag legen. Die finanziell gebildeten Dividenden-„Konsumenten“ planen hingegen – so die Studienautoren – die Dividenden schon vor Eingang der Zahlungen für Zusatzkonsum ein.

Aber man kann sich bei dieser Interpretation auch fragen, ob sich spontanes Handeln und mangelnde Selbstkontrolle – oder die unwiderstehliche Neigung, eine Budgeterweiterung für Konsum zu verwenden – bei kenntnisreichen, informierten Investoren nicht zwingend als antizipierendes, planendes Verhalten äußert, d.h. als Zweckursache (causa finalis), die in die Zukunft ragt. Der Unterschied zum finanziellen Toren, der von der Wirksursache (causa efficiens) seiner Gier ohne subtilere Zwischenreflexion beherrscht wird, würde dann vielleicht nur darin bestehen, dass sich die finanzspezifisch besser Gebildeten subjektiv einer Kontrollillusion hingeben (mit der sie in der Befragung dann ihr Verhalten rationalisieren und zugleich motivisch missverstehen), weil Antizipation und nur scheinbar kontingente Planung mit Rationalität und Kontrolle verwechselt werden. Denn wenn die Reaktion immer gleich ausfallen würde, würde dies eher gegen rationale Kontrolle und für eine causa efficiens (im Sinne eines Reiz-Reaktions-Musters) sprechen, die sich manifest als causa finalis (im Sinne zweckrationaler Überlegung) tarnt. Denn wahre Kontrolle ist nur dann gegeben, wenn man den punktuellen Zusatzkonsum, den eine Budgeterweiterung zu einem Zeitpunkt gewährt, auch jederzeit in Abhängigkeit von den rational reflektierten Umständen unterlassen kann. Ob dies hier unterstellt werden kann?  

Herausgeber: Deutsche Bundesbank

Finanzstabilität – unterschätzte Risiken

Elmar Peine -

Titel: Finanzstabilitätsbericht 2019

Zusammenfassung:  In der Pressemitteilung vom 21.11.2019 heißt es: „Das deutsche Finanzsystem bleibt verwundbar gegenüber schlechten wirtschaftlichen Entwicklungen. Zukünftige Kreditrisiken könnten unterschätzt und die Werthaltigkeit von Kreditsicherheiten wie Immobilien überschätzt werden.“  Als mögliche Gefährdungen für die Finanzstabilität identifiziert der Bericht u.a. Zinsrisiken: eventuell abrupt steigende wie aber auch anhaltend niedrige Zinsen würden das Finanzsystem unter Druck setzen. Die damit verbundenen Folge-Risiken könnten sich bei einem unerwarteten Konjunktureinbruch – etwa aufgrund von bad news zu den Aussichten der Weltwirtschaft – verstärken und verschärft manifestieren. Dann sei auch mit einem Durchschlagen auf die inländische Nachfrage zu rechnen, was zu mehr Kreditausfällen führen und den Wert von Kreditsicherheiten mindern würde.

Der Bericht geht ausführlich auf die einzelnen Gefährdungen und ihre Wirkungskreisläufe ein, er thematisiert darüber hinaus die Risiken für das Finanzsystem im Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Eine Zusammenfassung enthält die Rede der Vizepräsidentin der Bundesbank zu Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts 2019, Claudia Buch. https://www.bundesbank.de/de/presse/reden/rede-bei-der-vorstellung-des-finanzstabilitaetsberichts-2019-der-deutschen-bundesbank-815272

Die Langversion ist unter „weiterlesen“ abrufbar.

Autoren: Huaizhi Chen, Lauren Cohen, Umit G. Gurun – Notre Dame, Harvard, Dallas

Morningstar: Beim Rating von Fondsanbietern hinters Licht geführt?

Friedhelm Hellmer -

Titel: Don’t Take Their Word For It: The Misclassification of Bond Mutual Funds

Zusammenfassung:  Die drei Wirtschaftswissenschaftler Chen, Cohen und Gurun erhärten in einer kürzlich (seit 1.11.2019 auf der Plattform ssrn) als Vorabdruck veröffentlichten Studie die Hypothese, dass Morningstar die Risiken von Renten-Fonds unterschätzt. Grund dafür sei, dass Morningstar den Fondsportraits bzw. -Sternebewertungen Eigenangaben von US-Fondsgesellschaften zugrunde lege. Die Eigenangaben zu Bond-Risiken weichen aber der Studie zufolge von den realen Risiken dieser Wertpapiere systematisch nach unten ab. Denn nicht wenige Fondsanbieter nutzen demnach die Chance, durch geschönte Risikoangaben bei Anleihen Morningstar dazu zu bringen, ihre Fonds weniger riskant erscheinen zu lassen als sie faktisch sind. Dementsprechend würden für viele Bond-Fonds überdurchschnittliche risikoadjustierte Renditen ausgewiesen, obwohl diese in Wahrheit nur eine mediokre Performance hätten. Die daraus resultierenden Fehlklassifikationen durch Morningstar führten zu Fehlallokationen bei Investoren, die auf Morningstar-Daten oder -Bewertungen bei ihren Anlageentscheidungen zurückgreifen. Morningstar entgegnete auf die Ergebnisse der Studie laut Angaben der Financial Times (FT) vom 11.11.2019, dass die Wissenschaftler die Methodologie des Hauses nicht verstanden hätten. Ein anderer Professor, den die FT zitiert, stützt jedoch die Studienautoren. Laut FT verhält sich Morningstar jedoch mehr als generös: Der Rating-Gigant bietet den Universitätswissenschaftlern Nachhilfestunden in Sachen Morningstar-Methodologie an – und das ganz umsonst, wie es scheint.

Herausgeber: IWF

Globaler Finanzmarkt: Risiken

Elmar Peine -

Titel: Global Financial Stability Report: Lower for Longer

Zusammenfassung: Der Finanzstabilitätsbericht der IWV vom Oktober identifiziert vor dem Hintergrund sich abschwächender wirtschaftlicher Dynamik und einer sich wieder lockernden Geldpolitik drei wesentliche Risiken für das Weltfinanzsystem. Erstens steigende Verschuldung von Unternehmen und damit einhergehende hohe Ausfallrisiken bei massiver Verschlechterung der wirtschaftliche Lage, was in einem Krisenszenario simuliert wird. Zweitens ein erhöhter Anteil riskanterer und illiquider Assets in den Portfolios institutioneller Investoren. Drittens die gestiegene externe Schuldenlast von Schwellenländern. Der Report untergliedert sich in sechs Kapitel: 1) Überblick über die globale Finanzmarktstabilität; 2) Risiken der Schuldenlast von Unternehmen; 3) Risiken im Bereich Institutioneller Investoren; 4) Schuldenlast in Schwellenländern; 5) Dollar als Finanzierungsmittel von Nicht-US-Banken; 6) Nachhaltigkeit im Finanzbereich.

Deutsche Bundesbank

Krypto-Token: noch kryptisch, bald Standard der Vermögensverwaltung?

Friedhelm Hellmer -

Titel: Krypto-Token im Zahlungsverkehr und in der Wertpapierabwicklung

Zusammenfassung: Assoziierte man bis vor kurzem in der Öffentlichkeit mit Blockchain automatisch Kryptowährungen und somit die mögliche Geldfunktion, hat sich dies in letzter Zeit stark verändert. Inzwischen hat sich Blockchain auch in der öffentlichen Kommunikation vom Thema „Währung“, das die Technologie populär machte, emanzipiert: Kryptowährungen sind nur ein möglicher Anwendungsfall im Kontext der in sich stark differenzierten Blockchain-Technologie. Dementsprechend ist in jüngster Zeit ein anderer Begriff rasant en vogue geworden, der im System von Ethereum eine zentrale Rolle spielt: Der Token. Auch wenn es offenbar für Token keine einheitliche Definition gibt, ist es üblich geworden, Token in verschiedene Untergruppen zu differenzieren. Etwa in Payment Token (Kryptowährungen), Utility Token (im Zusammenhang mit Initial Coin Offerings), Security Token (digitale Wertpapiere) und Equity Token (Spezialfall der Security Token).

Die Bundesbank veröffentlichte in ihrem Monatsbericht vom Juli einen 22seitigen Überblick über den aktuellen Stand der Krypto-Token.  In der Einleitung heißt es: „Mit der Blockchain-Technologie können seit rund zehn Jahren digital definierte Werteinheiten wie Bitcoin  mittels  kryptografischer  Verfahren  innerhalb  eines  Netzwerks  als  sogenannte  ‚Krypto-Token‘  elektronisch  übertragen  werden,  und  zwar  eindeutig  nachvollziehbar  und  ohne  Zuhilfenahme von Intermediären. Die Finanzbranche sieht in der Blockchain-Technologie vor allem das Potenzial, die komplette Abwicklung von Finanztransaktionen auf Basis digitalisierter Werte vorzunehmen. Bestehende Werteinheiten, wie zum Beispiel Geld oder Wertpapiere, könnten durch einen digital erzeugten Token abgebildet und digital übertragbar gemacht werden (Tokenisierung).“ Die Studie führt zunächst in die Grundbegriffe der Krypto-Token ein und erklärt ihre Bedeutung. Sodann wird das Potenzial als Zahlungseinheit, insbesondere der Stable Coins, diskutiert – hier motiviert durch das Libra-Projekt. Zum andern erkundet der Überblick die Möglichkeiten der Tokenisierung im Zusammenhang mit Wertpapieren. Dabei geht es zum einen um „die digitale Repräsentation bereits in klassischer  Weise  emittierter  Wertpapiere,  zum  anderen  (um) ausschließlich  digital  erzeugte  Wertpapiere in Form eines Tokens.“ Der Überblicksartikel geht auch auf damit zusammenhängende regulatorische Aspekte und wahrscheinliche Änderungen in nächster Zeit ein.

Herausgeber: Credit Suisse Research Institute

Vermögen: Goldenes Zeitalter unwiederbringlich vorbei?

Friedhelm Hellmer -

Titel: The Global Wealth Report 2019

Zusammenfassung: Die zehnte Ausgabe des Global Wealth Report der Research-Abteilung der Credit Suisse präsentiert einen umfassenden Überblick über Stand und Entwicklung der Privatvermögen und deren Verteilung weltweit. Die Gesamtvermögen der Haushalte wuchsen über den jüngsten Jahreszeitraum (bis Mitte 2019) global betrachtet um 2,6 Prozent auf 360 Billionen US-Dollar. Das Vermögen pro erwachsene Person erreichte mit einer Jahressteigerung von 1,2 Prozent ein neues Rekordhoch von 70.850 USD. Mehr als 50 Prozent dieser Personen verfügen aber nur über ein Gesamtvermögen im Wert von 10.000 USD oder weniger, dem reichsten einen Prozent gehören hingegen über 44 Prozent des globalen Vermögens. Der Report analysiert zudem eingehend die Vermögensentwicklung im bisherigen 21. Jahrhundert und kommt zu dem Schluss, dass das Jahrhundert mit einem "Goldenen Zeitalter " begonnen habe, das durch robuste und inklusive Vermögensakkumulation charakterisiert gewesen sei; dieses Regime sei aber in der Finanzkrise kollabiert und habe sich seither auch nicht wieder eingestellt.

Neben dem Global Wealth Report (siehe „weiterlesen“) veröffentlichte Credit Suisse auch ein Datenhandbuch im doppelten Umfangs des Reports, zu dem wir an dieser Stelle verlinken: https://www.credit-suisse.com/media/assets/corporate/docs/about-us/research/publications/global-wealth-databook-2019.pdf

Autoren: C. Uhr, S. Meyer, A. Hackethal; Goethe Universität Frankfurt und University of Southern Denmark

Rauchende Anleger: unbeherrschte Händler?

Lutz Siebentag -

Titel: Smoking Hot Portfolios? Overtrading from Self-Control Failure

Zusammenfassung: Die Autoren entwickeln und prüfen die These, dass sich Rauchen auch auf die Handelsneigung von Anlegern auswirkt – und zwar nachteilig dergestalt, dass Raucher zu viele Käufe und Verkäufe pro Zeitperiode tätigen, so dass erhöhte Transaktionskosten die Erträge ihres Wertpapier-Portfolios mindern. Hackethal und Kollegen haben schon vor einiger Zeit in einer Studie suboptimal hohe Transaktionsaktivitäten bei Privatanlegern, die in ETFs investieren, gefunden. In der hier zu besprechenden Studie gehen sie wiederum dem Problem der (zu starken) Handelsaktivität von Privatanlegern nach. Aber sie tun das erstens in Bezug auf deren Wertpapier-Portfolien generell, zweitens prüfen sie einen vermuteten Zusammenhang von Handelsaktivität und beobachtbaren Verhaltenseigenschaften (Rauchen) bzw. daraus erschlossenen Persönlichkeitsmerkmalen der Privatanleger. Mangelnde Selbstkontrolle (Persönlichkeitsmerkmal) operationalisieren sie in ihrer Studie über die Unterscheidung Raucher / Nichtraucher (Verhaltensmerkmal). Demnach sind Raucher Personen, die einen kurzfristigen Nutzengewinn aus der Befriedigung des Rauchbedürfnisses um den Preis eines höheren langfristigen Nutzenverlustes ziehen. Rauchen interpretieren die Autoren in diesem Sinne in einem ersten Schritt als mangelnde Selbstkontrolle. In einem zweiten Schritt verallgemeinern sie diese These: demnach sei Rauchen Indikator für mangelnde Selbstkontrolle generell. Darüber hinaus verweisen sie darauf, dass geringere Selbstkontrolle mit höherer Impulsivität einhergeht. Bei höherer Impulsivität folgen Personen spontan ihren unmittelbaren „Regungen“ oder dem gerade entstehenden Affekt oder Bedürfnis. Damit wird Rauchen auch zum Indikator für höhere Impulsivität. Daraus wird dann die These abgeleitet, dass Rauchen (beobachtbares Verhaltensmerkmal) Indikator für mangelnde Selbstkontrolle / höhere Impulsivität beim Anlegen in Gestalt zu vieler Transaktionen (beobachtbares Verhaltensmerkmal) sei.

Die Studie kann nun auf der Basis der verwendeten Daten einer Bank (Die Raucheridentifikation erfolgt über die von der Bank registrierten online-Käufe von Tabakwaren) in der Tat einen Zusammenhang zwischen Rauchen, einer höheren Transaktionszahl und einer suboptimalen Portfolio-Performance aufgrund erhöhter Transaktionskosten feststellen. Mit anderen Worten: das Rauchen / mangelnde Selbst- und Impulskontrolle schlägt sich nach dieser Interpretation der statistischen Zusammenhänge in suboptimal hohen Kosten von Portfolios nieder.  

Autoren: Christa Hainz, Lars Hornuf, ifo-Institut, Universität Bremen

§ 2 VermAnlG – Die Crowd und der Kleinanlegerschutz

Elmar Peine -

Titel: „Praxiserfahrungen mit den Befreiungsvorschriften des Kleinanlegerschutzgesetzes:  Eine aktuelle Bestandsaufnahme“

Zusammenfassung: „Das Kleinanlegerschutzgesetz aus dem Jahr 2015 soll durch eine stärkere Regulierung für mehr Transparenz für Anlegerinnen und Anleger auf dem ‚grauen Kapitalmarkt‘ sorgen. Das Gesetz beinhaltet jedoch auch Ausnahmeregelungen. Diese entbinden Unternehmen, die sich über eine Crowdinvesting-Plattform finanzieren, sowie soziale, gemeinnützige und kirchliche Projekte von der Pflicht einer Prospekterstellung bei Ausgabe einer Vermögensanlage. Im vorliegenden Bericht werden die Auswirkungen der Ausnahmeregelungen analysiert. Grundlage bilden eine Crowdinvesting-Datenbank sowie Befragungen von sozialen und gemeinnützigen Organisationen.“ (ifo-Institut, München)

Herausgeber: Allianz

Geldvermögen rückläufig

Friedhelm Hellmer -

Titel: Allianz Global Wealth Report 2019

Zusammenfassung: Die Research-Abteilung von Allianz fasst die Ergebnisse des neuen hauseigenen, sich über 130 Seiten erstreckenden globalen Wealth Reports 2019 wie folgt zusammen: „2018 sind erstmals die Geldvermögen in Industrie- und Schwellenländern gleichzeitig zurückgegangen; selbst 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, war dies nicht der Fall. Weltweit befanden sich die Anleger in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und China, die endlose ‚Brexit-Saga‘ und zunehmende geopolitische Spannungen, auf der anderen Seite die Verschärfung der monetären Bedingungen und die (angekündigte) Normalisierung der Geldpolitik. Die Reaktion der Börsen fiel entsprechend aus: Global gaben die Aktienkurse 2018 um etwa 12% nach. Dies schlug direkt auf die Vermögensentwicklung durch. Die Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte gingen um 0,1% zurück und stagnierten bei EUR 172,5 Billionen.“

German Wealth Management Research Report (EY)

Gewinnt digital?

Elmar Peine -

Wechselwillige Private Banking Kunden fassen Robo Advisor ins Auge

 

Die jährliche Studie von Ernst & Young 

37 Prozent aller deutschen Private Banking Kunden, so der neueste Wealth Management Report der Beratungsgesellschaft Ernst & Young, haben in den vergangenen drei Jahren ihren Wealth Manager gewechselt. 33 Prozent wollen das in den nächsten drei Jahren tun. Profitieren von den Wechselabsichten könnten vor allem digitale Anbieter (inkl. Robo Advisor). Der mögliche Zuwachs für diese PB-Gattung könnte über 54 Prozent betragen. Leicht profitieren könnten Privatbanken (+1,1%). Die übrigen banken müssen größere Verluste durch die Wechsel befürchten. Auch unabhängige Vermögensverwalter, oe ie Studie, müssen mit einem Verlust von 4,4 Prozent rechnen.     

EY befragte insgesamt 150 Private Banking-Investoren in Deutschland, die mindestens über ein Vermögen von 250.000 USDollar verfügen. 

 

Autor: Institut für Vermögensverwaltung (InVV)

Kleine VVs performen stark

Elmar Peine -

Kleinere Vermögensverwalter mischen bei der Rendite vorne mit

Untersuchung des InVV: Performance hängt nicht von Zahl der Analysten ab

Klein, aber fein: Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass Vermögensverwaltungen mit weniger als 50 Millionen Euro Assets under Management das Geld ihrer Kunden sehr erfolgreich managen. Die Performance für die Kunden hängt demnach nicht zwingend von der Größe des Unternehmens ab.

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung des Instituts für Vermögensverwaltung (InVV) an der Technischen Hochschule Aschaffenburg zeigt: Vermögensverwaltungen in dieser Kategorie haben seit 2014 in drei von fünf Jahren bessere Renditen erwirtschaftet als die größere Konkurrenz. Dabei untersuchte das InVV die Rendite nach Abzug aller Kosten.

Konkret erzielten die kleineren Vermögensverwaltungen in den Jahren 2014, 2015 und 2017 jährliche Renditen zwischen 5,2 und 5,8 Prozent nach Abzug aller Kosten. Damit lagen sie bis zu 0,8 Prozentpunkte vor der Performance der Häuser mit mehr als 150 Millionen Euro an Assets under Management (AuM). Im Jahr 2016 landeten sie mit knapp vier Prozent indes auf dem letzten Platz. Das turbulente Börsenjahr 2018 schlossen sie demgegenüber mit einem überschaubaren durchschnittlichen Verlust von 4,1 Prozent ab. Damit erreichten sie den zweiten Platz hinter der AuM-Kategorie „50 bis 150 Millionen Euro“.

Für Prof. Dr. Hartwig Webersinke, Leiter des InVV und Dekan für Wirtschaft und Recht an der Hochschule Aschaffenburg, belegt die Untersuchung eines ganz klar: „Die Performance einer Vermögensverwaltung hängt nicht von der Zahl der Analysten oder der Größe des Unternehmens ab.“ Kleinere Vermögensverwaltungen seien durchaus konkurrenzfähig und aus Sicht der Kunden „attraktiv“.

Das Institut hat die Untersuchung unter 154 der schätzungsweise 400 Vermögensverwaltungen in Deutschland inzwischen zum sechsten Mal in Folge durchgeführt. Die befragten Unternehmen verwalten ein Vermögen von rund 100 Milliarden Euro.

Das Institut für Vermögensverwaltung untersucht seit 2014 die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter und führt in jährlichem Turnus eine Umfrage durch. Befragt werden unabhängige Vermögensverwalter mit einer Zulassung nach §32 Kreditwesengesetz (KWG). Das Institut unter Leitung von Prof. Dr. Hartwig Webersinke ist an der Technischen Hochschule Aschaffenburg angesiedelt und wird finanziert durch die V-BANK (www.v-bank.com) als Drittmittelgeber und vom Verband unabhängiger Vermögensverwalter (www.vuv.de) unterstützt.

Autor: Mark Kerßenfischer, Bundesbank

Neue Theorie des kommunikativen Handelns?

Lutz Siebentag -

Titel: Information effects of euro area monetary policy: New evidence from high-frequency futures data

Zusammenfassung: Wenn auch die sozialphilosophische „Theorie des kommunikativen Handelns“ von 1981 eine ganz andere Stoßrichtung hat – ihr Schöpfer wurde vor kurzem 90 Jahre alt und landauf, landab gefeiert – ist die Zentralbankkommunikation doch zweifelsohne gleichfalls eine Art von kommunikativem Handeln, dem man eine Theorie widmen könnte. Eine empirische gesättigte Theorie der Geld- und Finanzmarktkommunikation auf der Höhe der Komplexität ihres Gegenstandes fehlt unseres Wissens bisher allerdings noch. Einen Schritt in diese Richtung – wenn der steinige, weite Weg überhaupt begangen werden soll – stellt eine Studie des Bundesbank-Forschungsökonomen Mark Kerßenfischer dar, die unter dem Titel „Information effects of euro area monetary policy: New evidence from high-frequency futures data“ erschienen ist. Kürzlich veröffentlichte die Bundesbank dazu einen Forschungskurzbericht (Research Brief) mit dem Titel „Wie Ankündigungen des EZB-Rats die Finanzmärkte beeinflussen“, in dem Kerßenfischer die Ergebnisse seiner Studie zusammenfasst. Ausgangsfrage ist, weshalb die Märkte auf identisch erscheinende Ankündigungen des EZB-Rats unterschiedlich reagieren. So sollten Ankündigungen, die zu sinkenden Marktzinsen führen – geldpolitische Lockerungen – zu steigenden Aktienpreisen führen. Aber häufig fallen Zinsen und Aktienpreise als Reaktion darauf gleichzeitig. Die Erklärung von Kerßenfischer lautet kurzgefasst: Die EZB-Kommunikation kann in zwei Informationskanäle zerlegt werden: einen geldpolitischen und einen konjunkturbezogenen. Achten die Märkte auf die „rein“ geldpolitische Botschaft etwa einer bevorstehenden Lockerung, dann bewegen sich Aktienpreis und Zinsen gegenläufig. Achten die Märkte aber auf die in Statements enthaltene „rein“ konjunkturelle Einschätzung, dann bewegen sich bei Eintrübung der Erwartungen beide Größen nach unten.

Die Kurzzusammenfassung ist unter folgendem Link zugänglich:

https://www.bundesbank.de/resource/blob/799260/6eef3bdc8fef801a114f01c734f5dcbd/mL/2019-26-research-brief-data.pdf

Die Langversion der Studie ist unter „Weiterlesen“ verlinkt.

Herausgeber: CFA Institute Research Foundation

Die Welt gerockt – Ten Years After

Elmar Peine -

Titel: Ten years After. Reflections on the Global Financial Crisis

Zusammenfassung: Vergangenen Herbst, vom 8. bis 9. November 2018, trafen sich in der Stern Business School der New York University hochkarätige Experten in Sachen Finanzkrise, um zu jener Krise, die 10 Jahre zuvor begonnen hatte, vorzutragen und darüber zu diskutieren.  Die Vorträge der Konferenz mit dem Titel „2008 Financial Crisis: A Ten-Year Review“ können auch per Video auf der Konferenz-Homepage abgerufen werden (https://www.stern.nyu.edu/experience-stern/news-events/2008-financial-crisis-ten-year-review). Das die Konferenz mit ausrichtende CFA Institute hat nun auch eine schriftliche Kurzzusammenfassung der Referate als PDF veröffentlicht. Die Zusammenfassung pro Vortrag beschränkt sich auf maximal 2 Seiten. Protokolliert wurden 12 Konferenzbeiträge, die jeweils auf 10 Jahre Forschung zur Krise zurückblicken können und daher nicht immer oder in jeder Hinsicht die konventionellen Krisenerzählungen – eine unumstrittene einzige gab es offenbar nie – bestätigen. Themen sind u.a. Deglobalisierung, Finanzkrisen, Banken, Regulierungen, Immobilien- und Hypothekenmärkte, Assetpreise, Bailouts, systematische Risiken und Zentralbanken. Wer einen schnellen Überblick gewinnen möchte, für den ist diese Zusammenfassung über insgesamt rund 30 Seiten gut geeignet.

Autorin: Annamaria Lusardi, George Washington University

Finanzbildung: Note mangelhaft

Lutz Siebentag -

Titel: Financial literacy and the need for financial education: evidence and implications; Swiss Journal of Economics and Statistics (2019) 155:1

Zusammenfassung: Die geringe Finanzbildung der breiten Bevölkerung wird häufig beklagt. Aber muss man sich in Finanzdingen überhaupt auskennen, denn in der Technik des Smartphones kennt sich von denen, die das Gerät so virtuos bedienen, doch auch niemand aus? Annamaria Lusardi beantwortet die Frage mit einem klaren Ja: man muss die Finanzkenntnisse in der Bevölkerung, und zwar weltweit, verbessern. Die Gründe, die sie dafür angibt, sind vielfältig, nicht zuletzt ergeben sie sich aus der Tendenz eines langfristigen Bedeutungszugewinns von Finanz(markt)-Fragen für alle soziale Schichten. Lusardi präsentiert einen Überblick über die Literatur, insbesondere aber Ergebnisse des FLat(Financial Literacy around the)-World-Projekts, das Lusardi mit Kollegen koordinierte. Grundlage sind drei einfache Fragen zu den Themenkomplexen a) Zins, b) Inflation plus Zins sowie c) Risiko/Diversifikation. Diese drei Fragen, die man am besten der Studie entnimmt, bezeichnet sie als „Big Three“ (in der Persönlichkeitspsychologie gibt es die in Stein gemeißelten „Big Five“, die hier offenbar als Vorbild dienen), und diese seien universell einsetzbar, d.h. als Test in jedem Land der Welt geeignet. Gefragt wurden im Rahmen des FLat-World-Projekts – das das Ergebnis marketingbewusst bereits mit seinem Namen vorwegnimmt – u.a. Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz, der USA und Japans. Lusardi präsentiert einige der Ergebnisse tabellarisch (siehe in der Studie für die einzelnen Länder). Heraus kommt beispielsweise ein Gender-Gap, d.h. Frauen schneiden schlechter ab, wählen aber auch häufiger die Option „weiß nicht“. Lusardi referiert die Befunde und vor allem auch Korrelationen mit einer Vielzahl von ökonomischen oder auch soziologischen Variablen. Ein konzentrierter, nur über 8 Seiten sich erstreckender Überblick über die Finanzbildung weltweit.

Autor: Barry Eichengreen, University of California, Berkeley

Das globale Geldsystem – Harvard und Berkeley

Lutz Siebentag -

Titel: Two Views of the International Monetary System

Zusammenfassung: Der Altmeister der Wirtschaftsgeschichte in den USA befasst sich in dieser relativ kurzen Arbeit mit zwei idealtypisch unterschiedenen US-Perspektiven auf das internationale Geldsystem der letzten 75 Jahre. Er nennt das eine Paradigma „Harvard View“ (HV), das andere „Berkeley View“ (BV). Die HV sei, so Eichengreen, stark empirisch ausgerichtet – also vor allem an Daten der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit und deren Analyse mit Werkzeugen der Statistik orientiert. Die BV, die Eichengreen selber mitentwickelt hat, sei stärker historisch orientiert, nehme also längere Zeiträume in den Blick. Den methodischen Differenzen entsprechen auf der Ebene der Erklärung, der Modellierung von Wirkungszusammenhängen und der Diagnose gleichfalls charakteristische Unterschiede, die er in groben Zügen vorstellt. Während sich die HV vor allem mit der Dominanz und Monopolstellung des Dollar sowie neuerdings der „chinesischen Herausforderung“ in einem unterstellten bisherigen unipolaren Währungssystem (d.h. mit nur einer dominanten „Welt“-Währung) befasse, gehe die BV sowieso von einem multipolar ausgerichteten System – in dem es aber dominierende Währungen gibt – aus. Aus Sicht der BV erscheine daher die starke Dominanz des US-Dollar in den letzten 75 Jahren als Ausnahme.

Eichengreen gibt einen konzentrierten Überblick von nur 7 Seiten über grundsätzliche Argumente der beiden Ansätze (u.a. im Hinblick auf Wechselkurse, Handel, Geldpolitik oder Finanzmärkte) und beschreibt damit auch Unterschiede der Wirkungshypothesen, die sich aus den beiden „Modellen“ ableiten lassen. Ein Kondensat für Leser, die sich für die aktuelle Debatte über das globale Währungssystem aus US-Perspektive interessieren, wobei die Literaturliste auf Möglichkeiten der Vertiefung verweist.

Autoren: Sandeep Dahiya, Georgetown University; David Yermack, New York University

US-Stiftungs-Renditen: schlechter als ihr Ruf

Elmar Peine -

Titel: Investment Returns and Distribution Policies of Non-Profit Endowment Funds

Zusammenfassung: Das Bild der Stiftungsvermögensverwaltung in den USA wird in Deutschland erheblich von der schon beinahe sagenhaften Verwaltung des Yale-Stiftungsvermögens geprägt. Wie sieht es aber für die Stiftungsvermögensverwaltung in den USA insgesamt aus? Erstaunlicherweise konnte diese Frage im Eldorado der Statistik bisher nicht zuverlässig beantwortet werden. Der Grund dafür war der Mangel an aussagekräftigen und verlässlichen Daten, denn fast alle Studien (die sich meist auf US-Universitäten beschränkten) mussten auf Datensätze zurückgreifen, die auf freiwilliger Selbstauskunft beruhten. Das hat sich aber seit Beginn des Jahres verändert, jedenfalls wenn wir einer Studie von David Yermack (New York University; Stern School of Business) und Sandeep Dahiya (Georgetown University, Washington) vertrauen. Die Autoren hatten Zugriff auf die (Form 990-) Daten des Internal Revenue Service – das ist die US-Bundessteuerbehörde – zu Renditen und Ausschüttungen von 28.696 Stiftungen im Zeitraum zwischen 2009 und 2016. Die Ergebnisse der Analyse dieser Daten sind durchaus überraschend.

Der Median der Rendite der untersuchten US-Stiftungen lag für den untersuchten Zeitraum – der sich größtenteils als Bullenmarkt charakterisieren lässt – bei 3,75% pro Jahr; das waren 5,53 Prozentpunkte weniger als die Benchmark, ein 60/40-Prozent-Mix von US-amerikanischen Aktien/Staatsanleihen. Die Studienautoren geben die risikoadjustierte Rendite gegenüber der Benchmark, also das durchschnittliche Alpha, mit -1,01% p.a. an. Bemerkenswerterweise ergab sich bei Aufschlüsselung nach Größe, dass kleinere Stiftungen weniger negatives Alpha generierten als größere Stiftungen und dass die relativ kleine Gruppe der Depots von Stiftungen aus dem Bildungsbereich, die im Hinblick auf das verwaltete Vermögen die größte Gruppe bilden, am schlechtesten performten. Untersucht wurden auch die Auszahlungen von Stiftungen für den Stiftungszweck. Diese lagen im Durchschnitt deutlich unter den langfristigen Erträgen des Stiftungskapitals – was die Autoren vor allem darauf zurückführen, dass die kleinen Stiftungen kaum ausschütten.

Autoren: Andrea Frazzini; David Kabiller; Lasse Heje Pedersen

Warren Buffett: endlich entmystifiziert?

Elmar Peine -

Titel: Buffett’s Alpha

Zusammenfassung: Über Buffettes Erfolgsgeheimnis wurde schon viel geschrieben. A. Frazzini, D. Kabiller (beide AQR Capital Management) und L.H. Pedersen (Copenhagen Business School) haben sich im Financial Analysts Journal 74/4 Ende 2018 erneut die Frage vorgelegt, ob Buffetts Erfolg seinem legendären Ruf überhaupt entspricht. Das Ergebnis ihrer Untersuchung ist, dass der durchschnittliche Ertrag von Berkshire im Zeitraum zwischen 1976 und 2017 deutlich über dem der gewählten Benchmark liegt, aber mit höherer Volatilität einhergeht. Dennoch ist auch die Sharpe Ratio besser als die des Referenzmarktes.  Die Autoren kommen nach weiterer differenzierender Datenanalyse zu dem Schluss, dass Buffett in der Tat eine überdurchschnittliche Fähigkeit des Stock Pickings besitzt. Darüber hinaus spielen bei Berkshire niedrige Kosten – etwa bei Hebelungen (nicht zuletzt aufgrund eines guten Ratings) oder im Zusammenhang mit dem von Buffett selber häufig angesprochenen Versicherungs-Float – eine wichtige Rolle. Alles in allem erweise sich Buffett als überdurchschnittlich erfolgreich bei der Selektion von sicheren und billigen Qualitätsaktien, was sich (mit hoher Wahrscheinlichkeit) nicht auf reines Glück zurückführen lasse, sondern auf eine gewisse Meisterschaft.  Dankenswerterweise präsentierte das CFA Institute eine vorzüglich aufgebaute Kurzversion des Artikels für Praktiker. Den Link dazu setzen wir an dieser Stelle: https://www.cfapubs.org/doi/pdf/10.2469/ip.v3.n1.13

Für die Langversion des Artikels ...

Autoren: F. Casinoa, T.K. Dasaklisb, C. Patsakisa, University of Piraeus

Blockchain – Vielfalt der Anwendungen

Lutz Siebentag -

Titel: A systematic literature review of blockchain-based applications: Current status, classification and open issues 

Die Studie gibt einen aktuellen Überblick über die Literatur zur Blockchain-Technologie und ihren vielfältigen Anwendungsbereichen. Basis des Literaturüberblicks sind einem mehrstufigen Filterprozess unterworfene wissenschaftliche Artikel und Reports, die in den vergangenen 10 Jahren in Fachzeitschriften und teils auch als „graue Literatur“ veröffentlicht wurden. Die Autoren identifizierten 9 Felder, auf denen die Blockchain-Technologie Anwendungen findet. Das sind: 1) Finanzbereich; 2) Identitätsnachweise; 3) Regierungs- bzw. Verwaltungshandeln / Recht;  4) Internet der Dinge; 5) Gesundheit; 6) Bildung / Erziehung; 7) Sicherheit / Schutz der Privatsphäre; 8) Unternehmensorganisationen / Industrie; 9) Datenverwaltung. Diese Obergruppen werden in der Studie weiter in Untergruppen differenziert. Die Autoren fassen sodann jeweils die Grundaussagen der domänenspezifischen Literatur kompakt zusammen. Das Ziel, das sie damit verfolgen, ist, den gegenwärtigen „Stand der Technik“ in den einzelnen Anwendungsbereichen und die dabei relevanten spezifischen Merkmale der Blockchain-Technologie systematisch vorzustellen. Darüber hinaus diskutiert die Studie offene Fragen und Trends der verschiedenen Blockchain-Anwendungen nach Stand der Literatur. Das betrifft unter anderem die Geeignetheit von Blockchain für spezifische Zwecke, Probleme der Skalierbarkeit und Latenzzeit, Fragen des Energieverbrauchs und der verschiedenen Konsensalgorithmen, auch Blockchain im Lichte der Möglichkeit(en) von Quantencomputern – um nur einige Aspekte zu nennen.

Ein großer Vorteil der hier angezeigten Untersuchung liegt in der Natur jeder gründlich durchgeführten Literaturstudie: über 10 Seiten listet sie 314 Studien und Reports auf, so dass Interessierte, die nach Fachartikeln und Expertenantworten im Zusammenhang mit der Anwendung der Blockchain-Technologie suchen, hier in jedem Fall fündig werden sollten.

Herausgeber: Thomas Ankenbrand, Andreas Dietrich und Denis Bieri, Institute of Financial Services Zug IFZ

FinTechs in der Schweiz

Elmar Peine -

Titel: IFZ FinTech Study 2019. An Overview of Swiss FinTech

Die neue Studie des IFZ gewährt einen Überblick über die Situation der FinTechs in der Schweiz. Grundlage dieser vierten Ausgabe der FinTech-Studie ist die Entwicklung im Jahr 2018. Von generellem Interesse sind das zweite, dritte und vierte Kapitel der Studie. Denn zunächst wird begrifflich-klassifikatorisch geklärt, was in der Studie überhaupt unter FinTech verstanden wird. Dabei wird erstmals eine „Begriffsmatrix“ verwandt, ein sogenanntes FinTech grid, um die Klassifikationsdimensionen „Produktorientierung“ und „technologische Basis“ differenzierter aufeinander zu beziehen. In Kapitel 3 wird mithilfe eines gleichfalls neuen PEST-Ansatzes das globale FinTech-Ökosystem abgebildet. Das vierte Kapitel gibt einen Überblick über die 403 weltweit führenden FinTech-Unternehmen. Damit ist der allgemeine bzw. globale Teil der Studie abgeschlossen, die restlichen Kapitel konzentrieren sich auf die FinTech-Entwicklung in der Schweiz. In Kapitel 5 wird zunächst der Schweizer FinTech-Sektor im Hinblick auf relevante politisch-rechtliche, wirtschaftliche, soziale und technologische Randbedingungen hin untersucht. In Kapitel 6 wird der Sektor dann auf Unternehmensebene analysiert. Kapitel 7 thematisiert, wie etablierte Banken auf die FinTech-Herausforderungen reagieren. Dem folgt mit Kapitel 8 eine kurze Schlussfolgerung plus Ausblick, wobei nicht nur auf die Wichtigkeit der FinTechs für den Standort Schweiz, sondern auch auf das Verhältnis von Lokalität (eher Fin) und Globalität (Tech) verwiesen wird sowie darauf, dass nicht jede FinTech-Lösung die Unternehmensziele befördert. Es wird ferner verdeutlicht, dass mit dem weiteren Reifeschritt des FinTech-Segments 2018 und den vielfältigen Implementierungen auch die Realität gegenüber dem Hype an Macht gewonnen habe. Der Rest der Studie enthält Faktenblätter zu 149 Schweizer FinTech-Unternehmen, und dieser Studienteil nimmt den Raum zwischen den Seiten 90 und 167 ein. Ein wahrlich umfassender Überblick über 188 Seiten.

Herausgeber: Frank Knight

Superreiche resilient gegen nachlassende Wirtschaftsdynamik

Friedhelm Hellmer -

Titel: The Wealth Report 2019. The global perspective on prime property and investment

Trotz abnehmender Wirtschaftsdynamik weltweit rechnet der Report von Knight Frank mit einer anhaltenden Reichtums- und einer stabilen Populationsvermehrung bei sehr Vermögenden. Im Segment der UHNWI, ausgeschrieben: Ultra-High-Net-Worth Individuals, vulgo den „Superreichen“ mit einem Nettogeldvermögen von 30 Millionen US-Dollar oder mehr, erwartet die Studie eine Zunahme von 22% oder 43.000 Personen über die nächsten fünf Jahre. Die Schlüsselerklärung dafür heißt Asien. Die Studie geht zudem davon aus, dass, egal, wie sich die Brexit-Farce weiter entwickelt, London zumindest 2019 die führende Metropole der Reichen weltweit bleiben wird. Die City beherberge die weltgrößte UHNWI-Bevölkerung, immer noch klar vor dem einzigen ernsthaften Konkurrenten, so Frank Knight, New York. Zumindest im UHNWI-Segment der Weltbevölkerung scheint das Empire also noch intakt zu sein und der nach 1918 offenkundig werdende Hegemoniewechsel innerhalb der angloamerikanischen Welt noch nicht vollzogen. Letzteres ist zwar nicht Gegenstand der Studie, dennoch zeichnet sie auch dieses Mal ein aktuelles Bild plus Naherwartungen der Weltpopulation der Superreichen unter besonderer Berücksichtigung von „prime property and investment“.

Autoren: Andrew W. Lo, Alexander Remorov, Zied Ben Chaouch (MIT)

Asset-Allokation: Institutionelle und Private

Lutz Siebentag -

Titel: Measuring Risk Preferences and Asset-Allocation Decisions: A Global Survey Analysis

Zusammenfassung: Die u.a. aufgrund ihres Teilnehmerumfangs aus bis zu 22 Ländern (je nach Teilnehmerkategorie) wohl bislang einzigartige Studie untersucht Risiko- und Asset-Allokations-Verhalten in der mittleren Frist von drei Investorengruppen über den Zeitraum von 3 Jahren (2015-2017): Privatanleger (Teilnehmer: 22.450); Finanzberater (4.892) und Institutionelle (2.060).

In Bezug auf die Risiko-Präferenzen ergab sich: Privatanleger sind – nicht überraschend – am wenigsten risikogeneigt, Berater bekunden eine deutlich höhere Risikobereitschaft, aber bei Institutionellen ist diese am höchsten ausgeprägt. In Bezug auf das Anlageverhalten fanden die Autoren, dass Privatanleger sich mehrheitlich „extrapolativ“ (d.h. sie extrapolieren einen vergangenen mittelfristigen Verlust in die Zukunft, verhalten sich also insofern „prozyklisch“ oder dem Trend folgend) bis „passiv“ (sie machen gar nix) verhielten: Demgegenüber agierten Berater und im betrachteten mittelfristigen Zeitrahmen insbesondere institutionelle Anleger überwiegend als Contrarians: nach einer Phase vergangener Kursanstiege bauten sie also Positionen ab.

Die Autoren nahmen in ihrer Studie in einem zweiten Schritt die Privatanleger näher unter die Lupe. Sie wendeten dabei eine Clusteranalyse an – ein strukturfindendes multivariates Verfahren der Kategorienbildung, das Abstände zwischen Gruppen zu messen erlaubt – und generierten folgende Hauptgruppen: Passive (Privatanleger in dieser Kategorie: 35%), Extrapolierer (27%), Risikomeider (19%), Optimisten (11%) „Contrarians“ (8%) (Def. siehe Studie). Die Studie macht dann u.a. auch noch Aussagen über den Zusammenhang von Gruppenzuordnung und Faktoren wie Alter und Risikoaversion.   

Autoren: W. J. Bazley, H. Cronqvist und Milica Mormanny (University of Miami und Southern Methodist University)

Finanzkommunikation: DIE ROTE GEFAHR

Lutz Siebentag -

Titel: Visual Finance: The Pervasive Effects of Red on Investor Behavior.

Zusammenfassung: Die Farbe Rot signalisiert Gefahr. Das wirkt sich auch auf das Verhalten von Anlegern aus, denen man diverse Charts mit bunten, darunter roten Kurslinien oder Datenangaben vorlegt. Wer z.B. einen Aktien-Fonds bewirbt und in einem Schaubild dessen Kurslinie rot färbt, den einer Vergleichsgruppe oder der Benchmark aber schwarz, begeht einen Fehler. Umgekehrt sollte man vorgehen: Den eigenen schwarz oder blau, den der Vergleichsgruppe oder Benchmark rot, gerade wenn es tendenziell nach unten geht. Denn folgende Erkenntnisse der auf Finanzsachverhalte angewandten Farbpsychologie präsentierte eine kürzlich upgedatete Studie der oben genannten Autoren: Wenn Investoren mit potentiellen Verlusten konfrontiert werden und diese in der Farbe Rot präsentiert werden, dann führt das zu 20% geringerer Risikoneigung als bei schwarzgefärbter Darstellung. Wenn Personen negative historische Aktienkursverläufe betrachten, dann reduziert eine rot gefärbte im Vergleich mit einer schwarz gefärbten Darstellung die zukünftig erwarteten Renditen signifikant. Zudem erhöht Rot Vorhersagefehler und Verzerrungen. Schließlich hat eine rote Repräsentation von Aktienkurs-Daten auch noch Wirkungen auf die Assetallokation: die Neigung, in fallende Aktien zu investieren, ist um 15% geringer als bei schwarzgefärbter Informationsübermittlung. Bei zwei Gruppen, die in die Untersuchung einbezogen wurden, waren diese Effekte allerdings nicht zu beobachten: bei Personen mit einschlägiger Farbenfehlsichtigkeit und Chinesen. Denn in China symbolisiert die Farbe Rot Wohlstand.

Autoren: Brodback, D.; Guenster, N. (Universität Münster); Mezger, D. (KMPG)

Marketingabteilungen aufgepasst: Nachhaltigkeit & Renditeeinbuße sells

Lutz Siebentag -

Titel: Altruism and egoism in investment decisions; Review of Financial Economics 2019; 37; 118-148

Zusammenfassung: Wie Praktiker der Finanzbranche schon immer wussten und Theoretiker der Finanzfakultäten nun auch schon seit ein, zwei Jahrzehnten erkannt haben, ist der geldanlegende Mensch vielfach kein homo oeconomicus, sondern ein von allerlei Unzulänglichkeiten, von Gefühlen, außerökonomischen Präferenzen und auch moralischen Vorstellungen bestimmtes Wesen. Nachhaltige Investments haben demnach u.a. folgende zwei Entscheidungs-Komponenten: eine moralische im weiteren Sinne und eine ökonomische im engeren Sinne des risikoadjustierten Ertrags. Die empirische Studie der drei Autoren bezieht sich auf das nicht ganz spannungsfreie Verhältnis zwischen „moralischer bzw. altruistischer“ und „ökonomischer bzw. egoistischer“ Werteorientierung bei nachhaltiger Geldanlage. Um diese Werteorientierungen messen zu können,  verwenden sie ein zur Untersuchung von Umweltengagement entwickeltes sozialpsychologisches Instrument, das die sogenannte „Value-Belief-Norm Theory“ zur Grundlage hat. 

Die Studie zeigt nun (kaum überraschend), dass egoistisches Verhalten mit der Präferenz für nachhaltige Geldanlage (nG) negativ korreliert. Das Interesse an nG steigt bei Egoisten nur, wenn auch die Rendite zunimmt. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen Altruismus und Unterstützung für nG, insbesondere wenn man sich moralisch verpflichtet fühlt und an eine Nachhaltigkeitswirkung der eigenen Investmententscheidung glaubt. Das für Finanzexperten vielleicht Überraschende besteht nun darin, dass hier ein aus der Motivationspsychologie bekannter Effekt zum Tragen kommt: Anreize für extrinsische Motivation können intrinsische Motivation zerstören. Das bedeutet in diesem Fall konkret: der Anreiz „Überrendite“ relativ zu einer konventionellen Anlage mindert bei Altruisten die Gewichtung des Nachhaltigkeitsaspekts bzw. die Lust und Bereitschaft, in ein nachhaltiges Produkt aus Gründen der Nachhaltigkeit zu investieren. Man könnte das auch so interpretieren: Das Produkt ist durch die „Überrendite“ sozusagen moralisch diskreditiert, weil durch die verbesserte Mitteleignung zum Zweck der Rendite nicht nur das Moment der Nachhaltigkeit als Selbstzweck abgewertet, sondern auch das beglaubigende Opfer genommen ist. Darüber hinaus wird die konstitutive Unterscheidung zwischen Altruisten und Egoisten hinfällig. Alle drei Merkmale sind aber für die Maximierung altruistischer Lust erforderlich.  

Die Autoren untersuchten auch, welche Bevölkerungsgruppen bei den Ertragsorientierten, welche bei den Nachhaltigkeitsorientierten am stärksten vertreten waren. Die Ertragsorientierten hatten das höchste Finanzwissen (gemäß Selbsteinschätzung), sie schätzten nG-Renditen am niedrigsten ein, waren männlich, älter, hatten auf der Egoismusskala hohe Werte und hatten wohl auch das größte Vermögen. Nachhaltigkeitsorientierte hatten hohe Altruismuswerte, waren jung, weiblich, hatten unterdurchschnittliches Einkommen und wenig Investment-Wissen, sie schätzten nG-Renditen auch höher ein als die Egoisten.

Die Autoren weisen am Schluss neben den Grenzen der Studie und offenen Fragen unter anderem auf Folgen für die Kommunikation von Investmentprodukten hin. Sie empfehlen, auf den Unterschied zwischen intrinsischer (Nachhaltigkeit) und extrinsischer Motivation (Ertrag) bei Kunden zu achten. Bei altruistischen Interessenten sollte der Nachhaltigkeitsaspekt stark gewichtet werden; für diese Gruppe wäre dann auch eine gewisse Unterperformance kein Grund, eine Investition nicht zu tätigen oder zu beenden. Im Gegenteil: wenn bei der Produktwerbung zu viel Wert auf Renditeversprechungen gelegt wird, wird diese Gruppe vom nachhaltigen Investment eher abgeschreckt. Etwas weniger Rendite scheint also bis zu einem gewissen Grad das Altruismus- und Nachhaltigkeitsmotiv bei manchen erst richtig zu aktivieren.

Autoren: Franklin Allen, Jun Qian, Meijun Qian; London, Shanghai, Canberra

Fintech-Reich der Mitte

Friedhelm Hellmer -

Titel: A Review of China‘s Institutions

Zusammenfassung: Der Survey gibt einen kompakten Überblick über wissenschaftliche Studien zu zentralen institutionellen Säulen des chinesischen Wirtschaftssystems. Dabei werden vier Institutionenkomplexe vorgestellt: a) Wechselwirkung von Politik/Staat und Wirtschaft;  b) Institutionen des Finanzsystems; c) Eigentumsrechte und Innovationen; d) Finanzmärkte. Im Abschnitt über Institutionen des Finanzsystems wird behandelt: Banken; alternative Finanzen; Schattenbanken und Fintechs. Es wird unter anderem gezeigt, dass gerade bestimmte Entwicklungsdefizite im Bankensystem Treiber der sehr dynamischen chinesischen Fintech-Branche sind. Im Abschnitt über die Finanzmärkte werden Aktienmärkte, Kontrollstrukturen in Aktiengesellschaften, Anleihen- und Immobilienmärkte in wesentlichen Grundzügen vorgestellt.

Autoren: Markus Leippold, Roger Rueegg, Zürich

Aktive Fonds: Nullsummenspiel?

Friedhelm Hellmer -

Titel: Is active investing a zero-sum game? 

Zusammenfassung: Die Studie von Leippold und Rueegg ist die etwas strengere wissenschaftliche Antwort auf die von vielen und auch von der Rating-Agentur Scope etwa für 2018 gestellte und beantwortete Frage: "Aktiv versus Passiv" (siehe zur Scope-Studie auf unserer Studienseite weiter unten) – und zwar nicht für 2018, sondern über einen längeren Zeitraum. Im einfachen Modell ohne Transaktionskosten addieren sich die Alphas zu null. Wie sieht es aber in der Empirie bei rund 61.000 Fonds zwischen 1996 und 2016 und auch unter Berücksichtigung von Kosten aus? Die beiden Züricher Finanzwissenschaftler geben auf diese und weitere Fragen recht verwickelte, von den vielen Fallunterscheidungen, die zu treffen sind, abhängige Antworten. Denn nichts, was in der Praxis als selbstverständlich erscheint, ist dies für die Wissenschaft: das Performance-Maß, die Wahl der Benchmark, die Generalisierung von USA-Befunden, die anzuwendenden empirischen Methoden generell usw. Das Ergebnis sehr verkürzt: Die Nullsummen-Hypothese kann nicht widerlegt werden. Die ausführliche Antwort ist aber sehr viel länger und differenzierter.

Herausgaber / Analyse: Scope Analysis

2018 deutlich schwächer als 2017: Aktiv gemanagte Fonds

Elmar Peine -

Titel: Aktiv versus Passiv 2018 - Die wichtigsten Peergroups im Vergleich

Zusammenfassung: Aktiv gemanagte Fonds locken die Anleger mit der Vorstellung, dass sie den Markt – d.h. „ihren“ Markt bzw. ihre Benchmark – langfristig schlagen können. Aktives Management ist allerdings auf Aggregatebene auf dem Finanzmarkt ein Nullsummenspiel: die Summe aller Alphas ist gleich null. Was von den einen „Aktiven“ gewonnen wird, muss von anderen „Aktiven“ verloren werden. Wie sieht es nun bei aktiv verwalteten Fonds aus, wenn man eine 1-Jahres-Periode zugrunde legt? Dieser Frage geht die Ratingagentur Scope nach Abschluss eines Jahres regelmäßig nach. Ende Januar hat sie als Appetithappen ausschnittsweise Ergebnisse ihrer neuesten Untersuchung zur sogenannten Outperformance-Ratio in den 15 wichtigsten Aktien- und Rentenfonds-Kategorien für das Jahr 2018 vorgelegt. Die Outperformance-Ratio misst, wie groß der prozentuale Anteil der aktiv gemanagten Fonds einer bestimmten Kategorie im Verlauf eines Jahres war, die ihre kategoriale Benchmark übertreffen konnten.

Von rund 2.000 berücksichtigten Aktienfonds konnten im vergangenen Jahr 24% die Benchmark ihrer Gruppe schlagen. Im Jahr 2017 betrug dieser Anteil 53%. Am stärksten war der Leistungsabfall bei den Fonds der Kategorie „Deutschland-Aktien“: während im Vorjahr 87% besser als die Benchmark abschnitten, konnten das 2018 nur 25% von sich sagen.

Bei den 1.000 untersuchten Rentenfonds sah es noch schlechter aus. Nur 16% konnten 2018 ihren Kategorienindex schlagen, während es 2017 nach Scope-Angaben noch rund 50 Prozent waren.

Naturgemäß fragt man nach den Gründen der auf den ersten Blick schwächelnden Outperformance im vergangenen Jahr. Scope gibt zuerst die generelle Antwort, dass 2017 ein außergewöhnlich gutes Jahr für aktive Manager gewesen sei und die Erfolgsquote 2018 eher dem langfristigen Durchschnitt entsprochen habe. Darüber hinaus schlägt das Ratinghaus jedoch verschiedene weitere, speziellere Erklärungen vor, und viele aktive Fondsmanager könnten diese mit Blick auf ihre eigene Performance und Erfahrungen für 2018 sicher bestätigen oder auch gut ergänzen.

Es sollte vielleicht an dieser Stelle in Erinnerung gerufen werden, dass aktive Fonds im Normalfall keine Erwartungen über einen Zeitraum von bloß einem Jahr beim Anleger schüren. Nimmt man einen typischeren vieljährigen Erwartungshorizont, dann handelt es sich bei der vorgelegten Jahres-Untersuchung beim Vergleich mehrerer oder vieler Jahre um eine Querschnittsstudie. Die Frage, ob und in welchem Maße Fonds langfristig eine Benchmark schlagen oder nicht, erfordert aber eine Längsschnittstudie über einen anlagepraktisch plausiblen Investitionshorizont. Hier dürfte die Anzahl der Fonds, die ihre Benchmark langfristig schlagen können, deutlich niedriger liegen als bei einem jährlichen Querschnitt.

Autoren: Guanhao Feng, Stefano Giglio, Dacheng Xiu; Hong Kong, Yale, Chicago

99 Luftballons? Zähmung des Faktor-Zoos

Lutz Siebentag -

Titel: Taming the Factor Zoo: A Test of New Factors

Zusammenfassung: Das in den 60er Jahren entwickelte CAPM-Modell kannte nur einen Faktor (den Markt), dessen Risiko „entgolten“ wurde. Erst in den 80er und 90er Jahren wurden von der Finanzmarktforschung weitere Faktoren vorgeschlagen, entdeckt, empirisch bestätigt. Damit war die fröhliche Treibjagd nach Faktoren eröffnet, die zu einem wahren Volkssport in der Finanzwissenschaft wurde. Bis heute sind hunderte von Faktoren gefunden worden, die – laut den jeweiligen Entdeckern – einen eigenständigen, systematischen Beitrag zum Ertrag beisteuern sollen. Manche Beobachter sprechen gar von einer Hyperinflation der Faktoren und viele bezweifeln, dass die meisten Faktoren einen echten Härtetest bestehen könnten. Denn zu verlockend sei für aufstrebende Finanzwissenschaftler die Aussicht, selber einen neuen Faktor zu finden, und wo ein Wille ist, da ist auch in der Wissenschaft viel zu oft ein Weg. Skeptiker glauben nämlich, dass viele Faktoren redundant und damit nutzlos sind. Deshalb hat sich in letzten Jahren eine Forschungsrichtung etabliert, die es sich zum Ziel gesetzt hat, diesen Wildwuchs zu beseitigen, die Anzahl der Faktoren auf die wirklich tragfähigen zu reduzieren und die redundanten zu eliminieren. Dieser Aufgabe widmen sich seit einigen Jahren auch Feng, Giglio und Xiu, die im Januar 2019 eine neue Version ihres Arbeitspapiers „Taming the Factor Zoo“ vorlegten. Die Wissenschaftler prüfen dabei die Eignung neuer Faktoren. Sie führen verschiedene Tests mit bis zu 150 der in letzter Zeit vorgeschlagenen Faktoren durch. Die meisten fallen bei den sehr elaborierten Tests durch, sie sind redundant, einige wenige jedoch – etwa Profitabilität oder Investments – waren stabil statistisch signifikant. Die Studie zeigt außerdem, dass die Ergebnisse von den gewählten Modellen abhängen, und dabei beanspruchen die Autoren eine avantgardistische Erkenntnisposition. Gerade wer an einer Diskussion verschiedener Techniken zur Faktorenanalyse interessiert ist, aber auch wer sich von den im Anhang des Papiers angehefteten Vertiefungen zu formalen Aspekten angezogen fühlt, dürfte vom Forschungspapier besonders profitieren.

Dominik Jung, Florian Glaser, Willi Köpplin, Karlsruhe Institute of Technology (KIT)

Noch in Kinderschuhen? Robo-Berater

Elmar Peine -

Titel: “Robo-Advisory: Opportunities and Risks for the Future of Financial Advisory”; in: Nissen V. (eds, 2019) Advances in Consulting Research. Contributions to Management Science. Springer, Cham

Zusammenfassung: Die Autoren geben aus Sicht der Wissenschaft einen Überblick über das sich verändernde Feld der Finanzberatung im Hinblick auf die bisher erkennbaren Potentiale und Grenzen des Robo-Advisory. Die Roboteransätze in der Beratung seien billig, transparent und hätten – relativ zu Fonds – eine  gute Performance; sie würden die Gruppe gerade der weniger vermögenden Anleger ansprechen, die bisher nicht im Fokus der traditionellen Vermögensverwaltung gestanden hätten. Robo Advisors basierten bislang auf passiven Investmentansätzen in der Markowitz-Tradition der Finanzwissenschaft. Dennoch sehen die Autoren viel Skepsis gegenüber automatisierten Beratern insbesondere auf Regulatoren-Seite, aber auch Studien würden viele spezifische Schwächen herausarbeiten. Weithin moniert werden Aspekte wie der fehlende persönliche Kontakt oder Interessen-Konflikte. Die Autoren verweisen aber auch auf Defizite bei der Bestimmung der Risikopräferenzen, auf Empfehlungen, die sich von traditionellen kaum unterscheiden würden, auf fehlende Individualisierung der Angebote und auf Mängel im Hinblick auf die treuhänderischen Pflichten. Chancen des Ansatzes werden eher in der Zukunft gesehen: nämlich kundenseitig vor allem bei der Attraktivität für jüngere Investoren und angebotsseitig bei möglichen nächsten Qualitäts-Schritten der automatisierten Beratung: Bei der individuellen Festlegung von Zielen, Zeithorizonten und anderen Parametern und infolgedessen einem deutlich stärker individualisierten Investieren. Zukünftige Geschäftschancen sehen die Autoren überdies in der derzeit breit diskutierten Kooperation der digitalen Berater mit traditionellen Finanzdienstleistern, so dass neben B2C auch B2B2C wichtiger werden dürfte.

Offen bleibt für die Autoren aber weiterhin, ob Kunden die vollautomatisierten Werkzeuge in größerem Umfang bereit sind zu akzeptieren. Auch verweisen sie auf verschärften Wettbewerb etwa zwischen den in Europa aktiven Robo-Beratern, deren Zahl sie für 2018 auf mehr als 70 beziffern. Unklar sei darüber hinaus, wie regulatorische Instanzen auf diesen Markt reagieren werden. Zu guter Letzt müssten die Beratungsroboter auch noch zeigen, wie sie in einer Phase mit anhaltend sinkenden Kursen im Vergleich mit menschlichen Beratern abschneiden. Denn bisher operierten sie im Wesentlichen nur in einem Bullenmarkt-Umfeld.

Insgesamt sind aus der Perspektive der Wissenschaft viele Fragen des Designs, der Umsetzung, der Regulation etc. noch offen. Aber die Forschung zur automatisierten Beratung steckt nach Ansicht der Autoren auch noch in den Kinderschuhen; damit geht es ihr kaum anders als ihrem Forschungsgegenstand.

Deloitte Center for Financial Services Analysis

Vermögensverwaltung – Ausblick auf 2019

Friedhelm Hellmer -

Titel: 2019 Investment Management Outlook: A mix of opportunity and challenge

Zusammenfassung: Der Report beginnt mit einem einleitenden Ausblick auf diverse Herausforderungen im Jahr 2019. Eine dieser Herausforderungen bleibt das aktive Management. Die Autoren zitieren dazu eine Studie, welche die Fonds-Performance über einen 10-Jahreszeitraum untersuchte. Das Ergebnis war, dass 86,7% der US-Fonds unter ihrer Benchmark blieben, bei den europäischen Fonds waren es 85,7%. Diese „Challenge“ werde, so die Autoren, durch das Wachstum billiger ETFs nicht geringer. Weitere Aufgaben, mit denen sich erfolgreiche Manager auch im kommenden Jahr auseinandersetzen müssten, seien divergierende Kundenpräferenzen, regulatorische Komplexität und Fragmentierung sowie technologische Lösungen und entsprechend aufgerüstete Konkurrenten. Im ersten Hauptkapitel werden vier verschiedene Trajektorien von Wachstumschancen für 2019 diskutiert: Marktentwicklung, Marktexpansion, Diversifikation und Produktentwicklung. Im nächsten Kapitel sind Möglichkeiten der unternehmerischen Effizienzsteigerung das Thema. Im internen Verhältnis gehören dazu u.a. Cloud-Anwendungen und Tools der fortgeschrittenen Datenanalyse. Im externen Verhältnis nennt der Report insbesondere rechtliche Regulierungen, die Unternehmen zwar nicht selber beeinflussen können, die sie aber dennoch auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten beachten müssen. Das nachfolgende dritte Kapitel nimmt den Kundenbereich in den Fokus, wobei auch hier Digitalisierung der Schwerpunkt ist. Jedes der drei Hauptkapitel schließt mit einer Prognose für 2019. Der Report insgesamt schließt mit der nun allerdings gar nicht jahresspezifischen Prognose für 2019, dass nur kraftvolles Handeln Erfolg bringen werde. Ein Vorteil des Reports: zu den verschiedenen Studien, Artikeln und Blogs, die zitiert werden, führen Links.  

Herausgeber: European Central Bank

Finanzmarktstabilität in Gefahr?

Elmar Peine -

Titel: Financial Stability Review, November 2018

Zusammenfassung: Am 29. November 2018 ist der neue Finanzstabilitätsbericht der EZB veröffentlicht worden. Der Bericht identifiziert vier Hauptrisiken für die Stabilität der Eurozone in der Perspektive der nächsten beiden Jahre.

Das erste Risiko wird in der Möglichkeit eines Anstiegs der globalen Risikoprämien aufgrund eurozoneninterner oder -externe Faktoren sein. Dazu zählen politische Unsicherheiten in der Euro-Zone, aber auch Spannungen in Schwellenländern, eine denkbare starke wirtschaftliche Eintrübung in den USA wie auch partiell hohe Bewertungen auf Finanzmärkten bei starker positiver Korrelation.

Das zweite Risiko sehen die EZB-Autoren in hoher öffentlicher und teils privater Verschuldung in den entwickelten Ländern generell; im Euroraum sei zudem das Schuldenproblem im vergangenen halben Jahr via Italien erneut virulent geworden. Dennoch fluktuiert der diesbezügliche Euro-Zonen- Stress-Indikator SovCISS auf niedrigem Niveau.

Das dritte Risiko, das die EZB anspricht, sind anhaltende Folgen der Finanzkrise, die weiterhin die Profitabilität der Banken gerade im Euroraum drückten und die Kapazitäten der Banken als Intermediäre beschränkten.

Das vierte Risiko wird in möglichen Liquiditätsengpässen im seit der Finanzkrise anteilig und absolut stark gewachsenen Segment der Investmentfonds gesehen. Problematisch könnte sich hier u.a. die höhere Risikobereitschaft von Fonds bei der Assetallokation generell, insbesondere aber bei Liquidität, Kredit und Duration erweisen. So hätten Investmentfonds ihren Anteil von Bonds mit geringer Liquidität auf 25% ihres Bond-Portfolios erhöht und der Cash-Puffer sei in den letzten Jahren deutlich geschmolzen. Im Zusammenwirken mit anderen Charakteristika europäischer Fondsportfolios, auf die der Stabilitätsbericht eingeht, könnten die höheren Risiken im Fondssektor zu einer leichteren Ausbreitung und zur Verstärkung negativer Schocks auf Finanzmärkten beitragen.

Da die vier Risikofaktoren kausal interagieren, könnten sie sich, so die EZB, im ungünstigsten Fall gegenseitig aktivieren bzw. verstärkten. Die genannten Risiken sind allerdings zunächst nur Möglichkeiten, die etwa auch in Simulationen erkundet wurden. Das heißt daher nicht, dass die EZB erwartet, dass die Szenarien so eintreten, wie sie beschrieben werden, zumal auch auf gegenwirkende oder moderierende Effekte bzw. auf Empirie, die eher Entwarnung gibt, hingewiesen wird.

Der Report gliedert sich in vier Hauptkapitel: a) Makroökonomischer Rahmen; b) Finanzmärkte; c) Finanzdienstleister in Euroraum; d) Regulatorischer Rahmen.

Autoren Nr. 1: Collins, C. und Hoxie, J. / Autor Nr. 2: Scheidel, W.

Vermögen, Gini und die vier apokalyptischen Reiter

Lutz Siebentag -

Titel 1: Billionaire Bonanza 2018. Inherited Wealth Dynasties of the US 

Titel 2: Nach dem Krieg sind alle gleich

Zusammenfassung: Der im Oktober veröffentlichte Report „Billionaire Bonanza 2018“ des Institute for Political Studies (IPS) hat die zunehmende Vermögensungleichheit in den USA im Visier, vor allem jedoch die wachsende Differenz zwischen dynastischen Spurreichen (Forbes 400-Platzierte) und „uns“. Das IPS verfolgt das politische Ziel, „die Aufmerksamkeit auf die drohenden Gefahren von Vermögens- und Machtkonzentration zu lenken und plädiert für politische Maßnahmen,  um die extreme Ungleichverteilung umzukehren.“ Dementsprechend folgen auf eine aktuelle Bestandaufnahme politische Vorschläge, die geeignet sein sollen, die monierte Vermögensungleichheit zu vermindern. Die Rezepte sind nicht unbekannt: (Siehe:  https://inequality.org/wp-content/uploads/2018/11/Billionaire-Bonanza-2018-Report-October-2018.pdf). Damit wird auch die rhetorisch gemeinte Frage „Is Inequality in America Irreversible?“, die als Titel eines Buches von Studien-Coautor Chuck Collins diente, mit „Nein“ beantwortet.  

Eher „Ja“ lautet hingegen die Antwort des in Stanford lehrenden, aus Österreich stammenden Historikers Walter Scheidel. Scheidel hat komparativ zur Wirtschaftsgeschichte der Antike (u.a. Rom und China) publiziert und sich dabei auch moderner quantitativer Kennziffern bedient (etwa Einkommensgrößen, Gini, BIP, Reise- und Transportkosten im Rahmen der römischen Infrastruktur http://orbis.stanford.edu/). Mit seiner neuesten Monographie von 2017, die im Original „The Great Leveler: Violence and the History of Inequality from the Stone Age to the Twenty First Century“ – auf Deutsch: „Nach dem Krieg sind alle gleich“ (2018) – heißt, schreibt er eine Weltgeschichte der Ungleichheit. Das Ergebnis dieser fast 700 Seiten dicken Studie lautet: es gibt in der Menschheitsgeschichte vier große Gleichmacher: Krieg, Revolution, Systemzusammenbruch und Seuchen. Diese vier apokalyptischen Reiter können gerade in Imperien / Staatsgebilden, in denen es über längere Zeit zu einer hohen Vermögenskonzentration gekommen ist (etwa Rom oder China), zu einer kräftigen Reduzierung von Ungleichheit führen. Das gilt auch für die Zeit zwischen 1914 und 1945, die Scheidel als Zeit der „großen Kompression“ bezeichnet. Für die Zukunft glaubt er, dass der Erfolg einer Reduktion der in den letzten Jahrzehnten weltweit gestiegenen innerstaatlichen Ungleichheit durch die „üblichen“ Vorschläge, die er ebenfalls analysiert und bewertet, wenig wahrscheinlich ist. Das ist – sofern man die Reduzierung dieser Ungleichheit überhaupt als erstrebenswert erachtet – sein Pessimismus. Sein damit verbundener Optimismus ist jedoch, dass er das Auftreten eines oder mehrerer der apokalyptischen Reiter in nächster Zeit für wenig wahrscheinlich hält. Kein an Fragen der Vermögensverteilung Interessierter wird an diesem Buch vorbeikommen, schon gar nicht, wenn er an der Historie Gefallen findet. Weil Rezensionen zum Buch schon genug geschrieben wurden, verweisen wir auf eine Seite, die die wichtigsten davon verlinkt.

Autoren: Bae, Bhattacharya, Kang, Rhee / Universitäten North York, Hong Kong, Cambridge, Manoa

Aktienpreise – weltweit eine Konstante? Und wenn, weshalb?

Lutz Siebentag -

Titel: Nominal Stock Price Anchors: A Global Phenomenon?

Zusammenfassung: Im Jahr 2009 schrieben die US-Ökonomen Weld, Michaely, Thaler und Benartzi in einem mit „The Nominal Share Price Puzzle“ überschriebenen Aufsatz im renommierten Journal of Economic Perspectives (https://pubs.aeaweb.org/doi/pdfplus/10.1257/jep.23.2.121): „Der durchschnittliche Preis einer Aktie an der New Yorker Börse ist seit der Großen Depression ungefähr konstant (um die 35 USD) geblieben. Der Mechanismus, der es ermöglichte, dass die Aktienpreise seit über 70 Jahren bemerkenswert konstant geblieben sind, heißt Aktiensplit.“ Dieser Mechanismus sei aber lediglich notwendig, nicht hinreichend, um erklären zu können, weshalb Aktienpreise langfristig stabil bleiben. Die Erklärung, die auch die hinreichenden Gründen enthält, ist dann die Lösung des Nominal Share Price Puzzle. Weld et al. diskutierten damals mehrere “ökonomienahe” bzw. rational-ökonomische Erklärungen, präferierten aber letztlich einen von ihnen selber vorgeschlagenen Verhaltensansatz – nicht überraschend, denn einer der Autoren, Thaler, bekam 2017 den Nobelpreis für seine Leistungen auf dem Gebiet der Verhaltensökonomie (einschließlich behavioral finance). Demnach sei die Konstanz der Aktienpreise mit Gewohnheiten und sozialen Normen zu erklären, weshalb sie in ihrem Papier die diesbezügliche, unternehmens- und branchenabhängige Normentstehung zu erklären versuchen. Aktiengesellschaften möchten diese Normen nicht langfristig verletzen, weshalb sie sich durch Aktiensplitting normkonform verhalten.

Nun ist dieser Befund zunächst auf die US-Aktienmärkte beschränkt gewesen, Weld et al. fanden für einige Aktienmärkte anderer Länder, die sie untersuchten, keine Belege für das eben beschriebene US-Muster. Andere Autoren kamen jedoch zu gegenteiligen Befunden. Die hier angezeigte Studie von Bae, Bhattacharya, Kang, Rhee in der unten verlinkten Version vom Oktober 2018 ging dieser Frage auf der Basis eines Datensets für 38 Länder nach. Des Ergebnis weicht in zweierlei Hinsicht von dem von Wald et al. ab. Erstens können Bae et al. die Hypothese empirisch erhärten, dass auch in anderen Ländern die Aktienpreise langfristig durch Aktiensplit größtenteils konstant bleiben. Das zeigen sie auch insbesondere im Kontext der Einführung des Euro. Zweitens schließen sich Bae et al. bei der Erklärung der Nominalpreispersistenz der Erklärung anderer Autoren an, indem sie stärker auf den – von einer sozialen Normerklärung zu unterscheidenden – kognitionspsychologischen Ankereffekt rekurrieren, der zuerst von Tversky und Kahneman eingehend untersucht und auch in das Feld der behavioral finance eingeführt wurde.

Autor: Ronald N. Kahn, BlackRock / CFA-Institute

Geschichte, sieben Trends und Zukunft des Investierens

Lutz Siebentag -

Titel: The Future of Investment Management

Zusammenfassung: Hier handelt es sich um ein online zugängliches Buch des CFA-Institutes über insgesamt 138 Seiten. Geschrieben wurde es von Ronald N. Kahn, einem „Quant“, der in Physik zum Thema Urknall promoviert wurde und derzeit Chef von Systematic Equity Research bei BlackRock ist. Um die Frage nach der Zukunft des Investment Management (IM) zu beantworten, beginnt er gleichfalls zunächst mit dem „Urknall“, und zwar dem des Investierens. So ist denn das erste Kapitel mit „The early Roots of Investment Management“ überschrieben. Dem folgt das Kapitel „The Modern History of Investment Management“, das mit dem systematischen Investieren und der modernen Portfoliotheorie einsetzt und u.a. die Herausforderung für Aktives Management und dessen Reaktion (Ein Abschnitt: „Active Management Strikes back“) beschreibt. Beide Kapitel beschreiben die Genese zentraler Elemente des modernen Investierens. Sodann folgt als nächstes das Kapitel „Seven Insights into Active Management“, in dem Schlüsseleinsichten in das Aktive Management (AM) vorgestellt werden.  Unterpunkte sind: Nullsummenspiel des AM; Information Ratios; Allokation und Risikobudget; Transformation von Information in Alphas; Fundamentales Gesetz des AM; Daten-Mining; Kosten und Restriktionen. Das vierte Kapitel des Buches handelt von sieben aktuellen Trends des Investment Management und das fünfte Kapitel von dessen Zukunft (siehe bzw. klicke dazu bitte „Weiterlesen“). Der Autor des Buches versteht in seiner Darstellung des IM, sich auf Wesentliches zu beschränken und die zugrundeliegenden Gedanken wie auch seine Argumente klar darzustellen. Dazu bedient er sich teilweise der formalen Darstellung (ohne elaborierte Techniken anzuwenden), teilweise wird auf Schaubilder zurückgegriffen, vielfach werden Beispiele angeführt, um einen Grundgedanken oder ein Argument – etwa im Zusammenhang mit Wahrscheinlichkeiten – transparent durchzuexerzieren; und am Ende eines jeden Kapitels wird die relevante Literatur angegeben. Ein Buch, das sich wohl in erster Linie an MBA-Studenten und Absolventen des CFA-Programms richtet, das aber auch, wenn man dem Vorwort des Buches folgt, für „Veteranen“ der Branche nützlich sein kann.  

Autoren / Herausgeber: Daren Roberts; Thomas Paradise; Chris Tidmore / Vanguard Research

Aktive Bond-Fonds: Alpha null – Das Nettoproblem

Lutz Siebentag -

Titel: Global active bond fund returns: a factor decomposition

Zusammenfassung: Die Studie geht der Frage nach, wie sehr bei aktiv gemanagten Rentenfonds Risikofaktoren zum Ertrag beitragen und wie groß der Anteil ist, der auf Alpha zurückzuführen ist. Um diese Frage zu beantworten, untersuchten die Studienautoren die durchschnittlichen Erträge über 10 Jahre von 15 Typen aktiv verwalteter globaler Rentenfonds. Die durchschnittliche Ertragsvariation kann zu großen Teilen mit 2 geläufigen Risiko-Faktoren bei Anleihen erklärt werden, mit „Term“ und „Credit“ im Anschluss an Fama und French – hier wird dann das Risiko nichterwarteter Zinsänderungen (Term) und einer makroökonomisch bedingten Veränderung der Ausfallwahrscheinlichkeit (Credit) erfasst. Darüber hinaus spielen jedoch die Faktoren „Währung“ und „High-Yield-Exposure“ gleichfalls eine statistisch signifikante Rolle. Bei der Mehrheit der 15 Fondstypen fanden die Autoren positives Brutto-Alpha, auf Nettobasis waren jedoch die Alphas im Durchschnitt statistisch nicht mehr von null unterscheidbar. Das zeigt einmal mehr, dass geringe Kosten hier entscheidend sind. Die Autoren schließen ihre Studie mit 4 Due-Diligence-Fragen ab, die jeder Anleger vor einer Investition in einen aktiv verwalteten globalen Bond-Fonds für sich beantworten sollte.

Autoren / Herausgeber: James Davies, Anthony Shorrocks and Rodrigo Lluberas / Credit Suisse

Frauen auch bei Vermögen auf dem Vormarsch

Friedhelm Hellmer -

Titel: Credit Suisse Global Wealth Report 2018

Zusammenfassung: wir zitieren aus der Pressemitteilung der Credit Suisse: „Die neunte Ausgabe des vom Credit Suisse Research Institute publizierten Global Wealth Report stellt die umfassendsten und aktuellsten Informationen bereit, die zum weltweiten Vermögen der Privathaushalte verfügbar sind. In den zwölf Monaten bis Mitte 2018 stieg das weltweite Gesamtvermögen um USD 14,0 Billionen (+4,6 %) auf insgesamt USD 317 Billionen und wuchs damit rascher als die Bevölkerung. Das Vermögen pro Erwachsenen nahm um 3,2 % zu, womit das weltweite Durchschnittsvermögen auf ein Rekordhoch von USD 63’100 pro Erwachsenen anstieg. Die USA trugen am stärksten zum weltweiten Vermögen bei. Der Zuwachs von USD 6,3 Billionen sorgte für ein Gesamtvermögen von USD 98 Billionen in den USA. Damit setzte sich das jährliche Wachstum des Gesamtvermögens und des Vermögens pro Erwachsenen seit 2008 ungebrochen fort. Nicht überraschend hat sich China eindeutig auf dem zweiten Platz der weltweiten Vermögenshierarchie etabliert. Das Land überholte Japan in Bezug auf die Anzahl der äusserst vermögenden Personen (UHNWIs, Ultra High Net Worth Individuals) im Jahr 2009, das Gesamtvermögen im Jahr 2011 und die Anzahl der Millionäre im Jahr 2014. Der diesjährige Bericht enthält ebenfalls neue Erkenntnisse zum Vermögen im Besitz von Frauen. Frauen besitzen heute schätzungsweise 40 % des weltweiten Gesamtvermögens, und ihr Vermögensanteil ist im Laufe des 20. Jahrhunderts erheblich angestiegen. Der Bericht untersucht weltweite Differenzen beim Vermögensaufbau von Frauen und analysiert die Portfoliozusammensetzung, die Risikoaversion sowie die Auswirkungen auf weibliche Millennials.“

Autoren / Herausgeber: Kathrin Brandmeir, Michaela Grimm, Michael Heise, Arne Holzhausen / Allianz

Wertpapiere im Trend

Friedhelm Hellmer -

Titel: Allianz Global Wealth Report 2018

Zusammenfassung: wir zitieren aus der Allianz-Pressemitteilung: „Im Anlageverhalten kam es 2017 zu einer bemerkenswerten Wende: Nachdem die Sparer Aktien und Investmentfonds in den Nachkrisenjahren seit 2010 unterm Strich weitgehend ignorierten, flossen im vergangenen Jahr erstmals wieder frische Gelder im nennenswerten Umfang in diese Vermögensklasse. Mit knapp einem Fünftel lag ihr Anteil an der Neuanlage sogar höher als in den Vorkrisenjahren. Im Kontext der boomenden Börsen führte dies dazu, dass Wertpapiere 2017 das mit Abstand stärkste Wachstum aller Vermögensklassen zeigten: Insgesamt legten sie um 12,2% zu; ihr Anteil an den gesamten weltweiten Ersparnissen stieg auf 42%. An zweiter Stelle folgen Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionen mit einem Anteil von 29% am Vermögensportfolio und einem Zuwachs von 5,2% im letzten Jahr. Spiegelbildlich zur Wiederentdeckung der Kapitalmärkte verloren Bankeinlagen rund um den Globus in der Gunst der Haushalte: Zwar wurden noch 42% der Neuanlage zu den Banken gelenkt; im Jahr zuvor lag dieser Wert aber noch bei 63%. In absoluten Zahlen bedeutete dies einen Rückgang von über EUR 390 Mrd.; das Bestandswachstum ging um zwei Prozentpunkte auf 4,3% zurück (Anteil am Vermögensportfolio knapp 27%).

Die Nachkrisenjahre waren von einem relativ schwachen Vermögenswachstum in den Industrieländern gegenüber den Schwellenländern geprägt. Auch dies hat sich 2017 geändert. Die Wachstumsbeschleunigung beruhte allein auf der Entwicklung in den Industrieländern: Während in den Industrieländern das Wachstum um mehr als einen Prozentpunkt auf 6,5% zulegte, ging es in den Schwellenländern um drei Prozentpunkte auf 12,9% zurück. Mit 6,5 Prozentpunkten fiel die Wachstumsdifferenz zwischen diesen beiden Ländergruppen damit so gering wie zuletzt 2005 aus; im Durchschnitt der vorangegangenen Dekade lag sie mit 13 Prozentpunkten doppelt so hoch.“

Autoren: Ron Alquist, Ronen Israel, AQR Capital Management, und Tobias Moskowitz, Yale University

Size Effect – Alles nur Irrtum?

Elmar Peine -

Titel der Studie: Fact, Fiction, and the Size Effect (erscheint im Herbst in: The Journal of Portfolio Management)

 

Zusammenfassung: Der Befund, dass Aktien von Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung (Small Caps) langfristig höhere Erträge abwerfen als Aktien von Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung (Large Caps) – andere erklärende Faktoren kontrolliert –, wird als Size Effect bezeichnet. Der Size Effect war zugleich die erste Marktanomalie, die in den 80er Jahren von der empirischen Finanzwissenschaft entdeckt worden ist und die damit den Voraussagen des damals vorherrschenden theoretischen Modells der Vermögenspreisbildung auf effizienten Märkten – dem Capital Asset Pricing Model / CAPM – widersprach. Seither wurde eine Vielzahl weiterer Anomalien gefunden. Der empirische Befund eines Size Effects gilt gemeinhin als gesicherte Erkenntnis; infolge dessen wurden entsprechende Small-Cap-Indizes gebildet, die versprechen, diese Anomalie in überdurchschnittliche Erträge umzumünzen. Dennoch scheint die Sache mit dem Größeneffekt lange nicht so eindeutig zu sein, wie soeben und auch im Allgemeinen dargestellt. Alquist, Israel und Moskowitz haben sich auf Basis von US-Daten, die über 90 Jahre abdecken, auf die Suche nach dem Size Effect gemacht und wurden nicht unbedingt fündig. Jedenfalls scheint der „reine“ Size Effect weniger fest auf dem Sockel der Extraerträge zu stehen als Value und Momentum Effect. Auch bekommt der Größeneffekt laut Autoren im Vergleich mit weiteren Faktoren mehr Aufmerksamkeit, als ihm aufgrund seiner „Leistung“ zustehen sollte.   

Die empirisch angelegte, aber auch theoretisch argumentierende Studie geht verschiedenen „Effekten“ nach, die im Size Effect vermutlich enthalten sind – oder waren –, sie benennt Probleme der praktischen Umsetzung und die wankelmütige Natur von möglichen Mehrerträgen. Die Autoren schließen zwar einen reinen Size Effect nicht generell aus, dennoch sehen sie in ihm keinen Schlüsselfaktor für die Portfoliokonstruktion. Alles in allem sehen sie auf Basis ihrer umfassenden Untersuchung im „Size Effect“ einen weit überschätzten Faktor sowohl in der Wissenschaft wie auch in der Praxis des Investierens.

Autoren: Luc Laeven ; Fabian Valencia, IWF

10jähriges Krisenjubiläum, 10jährige Datenbank, 10jährige Forschung zu Bankenkrisen

Lutz Siebentag -

Titel der Studie: Systemic Banking Crises Revisited

Zusammenfassung: Mit dieser Studie präsentieren Laeven und Valencia (2008, 2013) ein Update ihrer 2008 – im Jahr der Insolvenz von Lehman Brothers und dem damit terminierten Beginn der letzten großen Finanzkrise – erstmals erstellten und 2013 erweiterten Datenbasis zu systemischen Bankenkrisen. Die Datenbasis ist global Standard zum Thema Bankenkrisen. Erfasst werden 151 Krisen dieses Typs weltweit zwischen 1970-2017. Die Datenbasis enthält nähere Informationen zur jeweiligen Krise selber, zu den politischen Reaktionen und zu den krisenbedingten fiskalischen Kosten sowie Produktionseinbußen. Die Studie zeigt, dass Krisen in Hochlohnländern dazu tendieren, länger zu dauern, dass sie mit höheren Output-Kosten einhergehen, dass sie aber geringere Fiskalkosten nach sich ziehen als Krisen in Niedrig- oder Mittellohnökonomien. Darüber hinaus werden in den am weitesten entwickelten Volkswirtschaften im Falle systemischer Bankenkrisen Bankgarantien weit mehr genutzt und von expansiven makropolitischen Maßnahmen wird weit mehr Gebrauch gemacht als im Falle von Krisen in weniger entwickelten Ländern. Die Autoren untersuchten zudem den Zusammenhang zwischen den 151 Banken-Krisen und 74 Staatschulden- sowie 236 Währungskrisen im genannten Zeitraum und kamen zu dem Ergebnis, dass tendenziell die beiden letztgenannten Krisentypen entweder mit Bankenkrisen zusammenfallen oder aber diesen unmittelbar folgen.

Herausgeber: McKinsey

Private Banking: Probleme bisher nur verdrängt?

Friedhelm Hellmer -

Titel der Studie: European Private Banking in 2018 – Running for scale

Zusammenfassung: Ausgangsfeststellung der Studie zum europäischen Private Banking ist der Befund, dass die Gewinne 2017 Rekordhöhen erreichten. Das sei aber weniger auf die endogenen Leistungen der Branche zurückzuführen, sondern mehr – und zwar um mehr als die Hälfte der Erträge – auf günstige Entwicklungen an den Finanzmärkten. Daher stelle sich die Frage, ob die aktuelle Gewinnsituation überhaupt nachhaltig sei und ob damit verbundene Probleme, soweit sie von den Unternehmen beeinflusst werden können, in den vergangenen Jahren tatsächlich ausreichend gelöst werden konnten. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass im Hinblick auf zwei endogene Faktoren des Gewinns Handlungsbedarf bestehe. Das ist erstens die Frage der Vergrößerung der Nettozuflüsse; und es ist zweitens die Frage der Gestaltung und Kontrolle auf der Gebühren- und Kostenseite.

Im Hinblick auf die Nettozuflüsse beobachtet die Studie eine zunehmende Divergenz in Abhängigkeit von Größe und Geschäftsmodell: In Bezug auf die Zuflüsse konnten größere Privatbanken sowie die Private-Banking-Abteilungen von Universalbanken deutlich stärker zulegen als der Rest. Insbesondere unabhängige Vermögensverwaltungen hätten hier Aufholbedarf.

Bei Gebühren/Kosten sieht McKinsey gleichfalls gewinnsteigernde Potentiale: mit Blick auf die Gebührenseite findet die Studie, dass etwa der gewachsene Anteil diskretionärer Mandate bei den verwalteten Vermögen sich positiv auf die Gebührenkonstellation auswirke; hier bestünden nach wie vor noch Chancen. Und auch im Bereich der Kosten glaubt die Studie, dass Spielräume für mehr Disziplin bestehen.   

App Audit

Mehr Ungleichheit

Lutz Siebentag -

Vergütung, Ertrag, Kosten - die Großen setzen sich ab. Das zeigt die neue Studie von App Audit über die Bilanzzahlen in der deutschen unabhängigen Vermögensverwaltung.  

Diverse

Mythos Disruption

Lutz Siebentag -

Digitalisierung und Disruption – von lat. disrumpere = zerreißen, platzen, zerbrechen – bilden in neueren Reports zum technologischen Wandel in der Vermögensverwaltung ein fast unzertrennliches Wortpaar. Aktuelle Einschätzungen zum digitalen Wandel von Beratungsunternehmen und Vermögensverwaltern.